Der Niederrheiner (RB 31): CDU zieht Kündigung der Nordwestbahn in Betracht

Der Niederrheiner (RB 31) : Nordwestbahn-Problem spitzt sich zu

Die Nordwestbahn will Busse auf der Strecke des „Niederrheiners“ (RB 31) einsetzen. So sollen Ausfälle vermieden werden. Die CDU hält das Vorgehen für vertragswidrig und zieht eine Kündigung in Betracht.

Auf der Strecke zwischen Duisburg und Xanten sollen ab kommenden Montag Busse Züge ersetzen. Mit diesem Konzept will die Nordwestbahn (NWB) nach Wochen ständiger Zugausfälle sicherstellen, dass ihre Fahrgäste ans Ziel kommen. Bis Ende April soll der Schienenersatzverkehr eingesetzt werden. „Ein Witz“, sagt der Duisburger CDU-Politiker Frank Heidenreich, Mitglied im Ausschuss des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr (VRR). „Diese Vorgehensweise geht gar nicht. Sie löst nicht das Problem, den Lokführermangel, sondern kultiviert es.“ Die CDU und auch die anderen Fraktionen im VRR seien mit der Vorgehensweise der NWB sehr unzufrieden. Nach der Abmahnung des privaten Bahnunternehmens durch den Vertragspartner VRR denke man nun über eine Kündigung nach.

„Auf der Linie RB 31 werden nicht alle Zugleistungen durch Busse ersetzt“, teilte NWB-Pressesprecherin Karin Punghorst auf Anfrage unserer Redaktion am Dienstag mit. Auf welchen Abschnitten der Strecke Busse eingesetzt werden oder welche Fahrten von diesen übernommen werden, konnte sie noch nicht sagen. Mehr als zwei Monate soll der Schienenersatzverkehr rollen. Laut Heidenreich erfüllt das nicht die Vertragsbedingungen. „In den Verträgen steht ganz klar, dass die Strecke mit Zügen bedient werden soll. Diese Leistung haben wir bestellt und bezahlt“, sagt Heidenreich. Sarah Stantscheff, CDU-Vorsitzende in Rheinberg, stimmt ihm zu: „Zur kurzfristigen Überbrückung von Engpässen ist der Einsatz von Bussen möglich – alles andere ist vertragswidrig und würde einer Nicht-Vertragserfüllung gleichkommen.“ Die CDU habe schon die VRR-Verwaltung damit beauftragt, ein Notfall-Konzept für den Fall der Vertragskündigung zu erarbeiten.

Das Bus-Konzept sei jedenfalls keine Lösung. „Wie lange sollen die Fahrgäste fahren, um zur Arbeit oder zur Schule zu kommen? Busse sind doch viel langsamer als Bahnen und stehen dann auch noch im Stau. Das ist nicht der Sinn von gutem Nahverkehr.“ Zudem sei der Umstieg auf Busse nicht ökologisch. „Wir sprechen über Dieselfahrverbote in den Städten. Dann darf es nicht noch mehr Busse auf den Straßen geben.“

Wie es ab Mai auf der Strecke weitergehen soll, weiß weder die CDU noch der VRR. „Natürlich darf das Bus-Konzept kein Dauerzustand werden“, sagt Dino Niemann, Pressesprecher des VRR. „Den Notfahrplan haben wir aber erst einmal akzeptiert, weil es keine Alternative gibt. Mal gucken, wie lange wir uns die Geschichte mit den Bussen anschauen. Wir halten uns alle Optionen offen.“ Auch die NWB konnte am Dienstag keine Angaben darüber machen, wie sie die Strecke ab Mai wieder bedienen will. „Wir wollen so schnell wie möglich zum Normalverkehr nach Fahrplan zurückkehren“, so Punghorst. Mit der Abmahnung hatte die CDU von der NWB gefordert, einen Co-Manager zu engagieren, der die betrieblichen Abläufe unter die Lupe nimmt. Im Einsatz ist dieser aber noch nicht. „Es ist geplant, dass ein Auditor die Wirksamkeit der Maßnahmen überprüft“, sagte Punghorst.

Komme es zur Kündigung, könnte laut Heidenreich in neun bis zwölf Monaten ein anderer Dienstleister auf der Strecke des „Niederrheiners“ fahren. „Wir wollen eigentlich nicht kündigen. Wir wollen, dass die Nordwestbahn ihre Vertragspflichten erfüllt und ihr Personalproblem in den Griff bekommt“, so Heidenreich.

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