Sonsbeck: Der Kundschafter im Steuerdickicht

Sonsbeck : Der Kundschafter im Steuerdickicht

Sebastian Lemkens macht in der Kanzlei Lemkens eine Ausbildung zum Steuerberater. Neben logischem und betriebswirtschaftlichen Verständnis ist Freude am Umgang mit Menschen in dem Beruf wichtig.

Eine kaum vorstellbare Zahl: Das deutsche Steuerrecht beherrscht zu über 70 Prozent die weltweite Fachliteratur rund um das Thema Steuerrecht. Dieser Anteil ist so gewaltig, dass Christoph Lemkens von der gleichnamigen Steuerberaterkanzlei in Sonsbeck sagt: "Wir haben das komplizierteste Steuerrecht der Welt." Fast wöchentlich ändern sich Gesetze oder werden Urteile veröffentlicht, die sich auch auf die künftige Arbeit auswirken. Und es werde nicht einfacher, meint Lemkens. "Alle reden von Steuervereinfachung. Doch alles wird immer komplexer."

Darum hat der Steuerberater ein großes Feld zu beackern. So wundert es nicht, dass die Ausbildung äußerst zeitintensiv ist. Am längsten dauert es ohne Studium. Dann können bis zu 12 oder 13 Jahre vergehen, bis man endlich die Bezeichnung Steuerberater tragen darf.

Auch Sebastian Lemkens ist auf den Weg dorthin, hat sich aber für eine Express-Variante entschieden. Nach drei Jahren BWL-Studium und dem Bachelor geht er nun in einem Dualen Studium den Master an. Das heißt, er arbeitet montags bis donnerstags in der vom Großvater vor 51 Jahren gegründeten Sonsbecker Kanzlei, am Freitag und Samstag sitzt er in Vorlesungen und Seminaren. Nebenbei muss er noch büffeln.

Da bleibt nicht mehr viel an Freizeit. Dafür kann er jedoch bereits nach sechs Jahren die letzte Prüfung vor der Kammer ablegen. Mit einem normalen Studium hätte es zwei Jahre länger gedauert.

Auszubildende für den Beruf des Steuerberaters haben sehr gute Chancen, übernommen zu werden, sagt Christoph Lemkens. Die Kanzlei hat derzeit nicht nur noch freie Ausbildungsstellen mit Beginn August 2013 zu besetzen, sondern wird sich im kommenden Frühjahr bereits mit Bewerbungen für das Folgejahr 2014 beschäftigen, "um die Besten zu bekommen".

Grundvoraussetzung sind Abitur oder Fachabitur und ein Faible für Zahlen. In Mathe muss jedoch nicht unbedingt eine Eins auf dem Zeugnis stehen. Stattdessen sind logisches und betriebswirtschaftliches Denken sowie Freude am Umgang mit Menschen wichtig. Denn die Beratung des Mandanten macht einen großen Teil der Arbeit aus und war einer der Gründe, warum sich der angehende Steuerfachmann Sebastian Lemkens gerade für diesen Beruf entschieden hatte. Das Rechnen, Addieren und Subtrahieren übernimmt der Computer. Der Steuerberater muss aber zum Beispiel vorher jede Rechnung rechtlich beurteilen. "Hinter jeder Zahl steht ein Lebenssachverhalt", sagt der Sonsbecker.

Die Erstellung von Steuererklärungen macht nur einen Teil der Arbeit aus. Zu den Aufgaben gehören neben der vorausschauenden Beratung zum Beispiel die Erstellung von Buchführungen, die Überprüfung von Steuerbescheiden und die Vertretung des Mandanten in Streitfällen mit dem Finanzamt und vor dem Finanzgericht. Dies einzuordnen ist die Kunst des Fachmanns.

Damit gehört der Steuerberater mit Sicherheit keiner aussterbenden Berufsgattung an, trotz aller Programme für die Steuererklärung, die sich meist an den Arbeitnehmer mit seinen übersichtlichen Ein- und Ausgaben wenden. Denn: Deutschlands Steuerrecht ist wohl das komplizierteste der Welt.

Sebastian Lemkens mit seinem Ausbilder Marc Lemkens. Nach drei Jahren BWL-Studium mit Bachelor-Abschluss strebt der junge Mann nun den Master-Abschluss an und arbeitet gleichzeitig an vier Tagen in der Kanzlei.

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