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Xanten: Der Denkmalpfleger

Xanten : Der Denkmalpfleger

1991 übernahm er als König der Viktor-Bruderschaft die Aufgabe mit seinem Thron. Seitdem kümmert sich Josef Röös um die Gedenkstätte. Er beschäftigt sich auch mit dem geschichtlichen Hintergrund.

Die Kladde, die Josef Röös seit Jahrzehnten akribisch führt, hat schon jetzt einen historischen Wert. In ihr vermerkt der Xantener einmal die Woche, manchmal auch öfter, akkurat den aktuellen Zustand der Gedenkstätte für die Opfer des Muna-Unglücks im Jahr 1942. Seit nun 26 Jahren schaut er dort in der Hees nach dem Rechten, harkt, säubert, pflanzt Blumen. Inzwischen wird er wohl um die 1300 Mal einen Spaziergang dorthin unternommen haben, überschlägt er kurz.

Am 20. November 1942 ereignet sich in der Luftmunitionsanstalt - kurz Muna genannt - eine verheerende Explosion. 43 Arbeiter - überwiegend aus der Umgebung - kamen ums Leben, 26 wurden verletzt. Die Ursache ist bis heute nicht geklärt. War es achtloser Umgang mit dem offenen Feuer? Oder Sabotage? Man weiß es nicht. Ein Jahr später wurde am Explosionsort ein Gedenkstein mit den Namen der Verunglückten errichtet. Damals wohnte Josef Röös zwar nur wenige Kilometer entfernt, doch von der Katastrophe hat der damals Fünfjährige nichts mitbekommen. Die Druckwelle breitete sich vielmehr in Richtung Xanten aus und ließ dort die Fensterscheiben zerplatzen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wechselte immer wieder die Pflege der Stätte. 1991, im Jahr, als er auch Schützenkönig der St.-Viktor-Bruderschaft wurde, ging sie vom Vorgänger Max Fröhling auf Josef Röös und seinem insgesamt siebenköpfigen Thron über. Seit einigen Jahren erledigt er die Arbeit aber alleine. "Es gibt immer etwas zu tun", sagt der 79-Jährige und lässt die Augen über das kleine Areal mitten im Wald kreisen. Der Boden ist geharkt, die Platten mit den Namen sind sauber, die Maiglöckchen blühen im angelegten Beet. Die Sitzbank wird immer wieder mal gestrichen, damit sie auch zum Sitzen einlädt.

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Fast immer trifft Josef Röös dort auf Menschen, die in der Hees Erholung suchen und kurze Rast einlegen. Vor sechs Jahren, zum 20. "Pflege"-Jubiläum, hob der damalige Bürgermeister Christian Strunk das Engagement des Xanteners hervor, als er anerkennend sagte: "Ohne seine Arbeit bestünde das Denkmal wahrscheinlich nur noch in Fragmenten und wäre vielleicht sogar schon vergessen." Denn zu tun gibt es immer etwas, zumeist Pflegearbeiten, manchmal sind aber auch Spuren von Vandalismus zu beseitigen. "Einmal war sogar das Kreuz rausgerissen", erinnert sich der frühere Bergmann und Straßenwärter. "Würde ich einen Monat mal nicht herkommen, würde es auch entsprechend aussehen."

Das Interesse von Josef Röös an dem Denkmal geht über die Pflege und den Erhalt hinaus. Der 79-Jährige beschäftigt sich auch inhaltlich mit dem Gedenkstein und seinem geschichtlichen Hintergrund. Er hat eine Sammlung von alten Fotos, Lageberichten und Zeitungsausschnitten über die Muna und das Denkmal zusammengestellt.

Persönlich sieht er die ehrenamtliche Pflege der Gedenkstätte nicht als Arbeit an. "Ich liebe den Wald und die Spaziergänge dorthin. Die Hees ist meine Heimat, hier bin ich aufgewachsen." Sein Credo: "Man muss es schon gerne machen, sonst macht es keinen Sinn."

Josef Röös macht es gerne, und darum wird er wohl, solange es geht, die Pflege übernehmen. "Das hält fit", sagte er damals zu Bürgermeister Strunk.

(kump)