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Xanten: Dauercamper soll Ende Juni räumen

Xanten : Dauercamper soll Ende Juni räumen

Die Schomberg Freizeit- und Erholungspark GmbH hat Günter Mollenhauer eine Frist gesetzt. Das soll heute auch Thema bei der Dorfwerkstatt sein. Der 84-Jährige befürchtet, sein Schicksal könnte auch weitere Bewohner ereilen.

Die Zeit drängt für Günter Mollenhauer, Xantens berühmtesten Dauercamper: Bis zum Montag, 30. April, muss er den Anwälten der Schomberg Freizeit- und Erholungspark Xanten GmbH & Co. KG mitteilen, ob er bereit ist, seine als Mobilheimstellplatz genutzte Parzelle bis zum 30. Juni zu räumen. Ein entsprechendes Schreiben ist bei seinem Rechtsanwalt Manfred Gatermann am 20. April eingegangen.

Der Xantener Jurist, der sich um die Rechtsstreitigkeiten bei den Wochenendhausgebieten in Kalkar, Kerken und Xanten kümmert, ist allerdings noch bis zum Donnerstag, 3. Mai, im Urlaub. "Und ohne meinen Anwalt sage ich nichts mehr", sagt Mollenhauer. Nur so viel: "Ich kann nicht mehr." Der 84-Jährige fühlt sich im Stich gelassen - von der Gerichtsbarkeit, von der Politik, von der Stadt Xanten.

Zum Hintergrund: Im Oktober 2015 erreichte Mollenhauer, der seit 1989 das Leben auf dem Campingplatz in Wardt genießt, ein Brief des Betreibers. Es werde keinen weiteren Mietvertrag geben, mit Silvester 2016 ende das Pachtverhältnis. Trotz mehrfachen Widerspruchs blieb der Betreiber bei seiner Auffassung. Eine Begründung gab es zunächst nicht. In einem Schriftsatz zur Gerichtsverhandlung im Mai 2017 hieß es, dass auf den beiden Grundstücken ein Kinderspielplatz eingerichtet werden soll.

Mollenhauer verlor, schöpfte allerdings neue Hoffnung, als bekannt wurde, dass eine ehemalige Mitarbeiterin der Vermieterin den Pachtvertrag nachträglich geändert hat. Deshalb wurde für den 5. April 2018 ein Berufungstermin vor dem Landgericht Kleve anberaumt. Doch dazu kam es gar nicht. Sieben Tage vor der Verhandlung wies die Zivilkammer die Berufung zurück - sie sah keine Aussicht auf Erfolg.

Ein herber Schlag für Günter Mollenhauer, der nach eigenen Angaben körperlich sehr angeschlagen ist. Die Richter sehen das Verfahren emotionsloser: Die Parteien hätten befristete Pachtverträge abgeschlossen, so dass der Beklagte nicht darauf habe vertrauen können, dass das Pachtverhältnis bis zu seinem Lebensende fortgesetzt werde. Danach hätte dem Beklagten bewusst sein müssen, dass er bei Ende der Pachtzeit bereits über 80 Jahre alt sein werde und mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen zu rechnen habe.

Margret Elles aus Wardt kann das alles überhaupt nicht nachvollziehen. In der Facebook-Gruppe "Wardter Langohren", äußert sie ihre Hoffnung, dass die Zukunft des Schomberg Freizeit- und Erholungsparks heute in der Dorfwerkstatt thematisiert wird. Diese findet von 10 bis 15 Uhr in Wardt statt. Wie Mollenhauer befürchtet sie, dass das Schicksal auch andere Camper treffen könnte. "Wir können doch nicht einfach zusehen und nichts tun", sagt sie im Gespräch mit unserer Redaktion. "Was sagt eigentlich der Bürgermeister dazu? Das FZX? Der Verein Wardt zusammen?"

Niklas Franke, Technischer Beigeordneter und Allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters, antwortete, dass es sich bei dem Verfahren um eine privatrechtliche Sache handelt. "Da hat die Stadt keine Handhabe."

Gleiches gilt für das Freizeitzentrum, das als Grundstückseigentümer des Campingplatzareals die Flächen langfristig im Rahmen eines Erbbaurechts an Schomberg verpachtet hat. "Der Erbbaurechtsvertrag mit der Zweckbestimmung eines Camping- und Wochenendplatzes läuft bis 2062", sagt Christoph Hartel, Verwaltungsleiter des FZX, auf Anfrage unserer Redaktion.

(RP)