Xanten: Das (vor)lesende Dutzend

Xanten : Das (vor)lesende Dutzend

Seit Anfang des Schuljahres entdecken Zehntklässlerinnen der Marienschule mit Grundschülern die spannende, lustige, lehrreiche Welt der Bücher. Jetzt organisieren die Lesementorinnen ein Fest in der Stadtbücherei.

Kinder den Spaß an Büchern vermitteln: Das haben sich zwölf Zehntklässlerinnen der Marienschule vorgenommen. Jeden Freitag opfern sie zwei Stunden ihrer Freizeit, setzen sich mit Grundschülern aus dem Offenen Ganztag der Viktorschule zusammen, lesen ihnen aus Büchern vor, spielen mit ihnen "Wortkonfekt" und ähnliche Spiele.

"Lesementoring" heißt das Projekt, das Anfang des Schuljahres in Zusammenarbeit mit der Stiftung Lesen und der Stadtbücherei begann. Heinz-Gerd Schmitz, der es an der Marienschule als Lehrer betreut, zeigte sich gestern von den Fortschritten begeistert. Unglaublich sei es, mit welcher Selbstverständlichkeit und Kompetenz die Realschülerinnen mit den Grundschülern inzwischen umgehen. "Wir haben seltenst mal unterstützend eingreifen müssen."

Unesco-Zertifikat

Nicht nur die Viktorschüler lernen beim Lesementoring: Es geht auch um die persönliche Entwicklung der Jugendlichen. Sie wurden in einem zweitägigen Seminar von Melanie Hoessel, einer Mitarbeiterin der Stiftung Lesen, auf ihre Aufgabe vorbereitet.

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Hoessel begleitet zudem jeden einzelnen Lesenachmittag und spricht danach mit den Marienschülerinnen über eventuelle Probleme. Ist das Projekt am Ende des Schuljahres abgeschlossen, werden die Mädchen mit einem Unesco-Zertifikat ("Kompetenznachweis Kultur") belohnt. Schulleiter Michael Lemkens kündigte gestern zudem Vermerke auf den Zeugnissen an.

Wie man (nicht nur) Kinder durch vorgelesene Literatur fesselt? Die zwölf Marienschülerinnen wissen es längst: "Es gibt verschiedene Elemente wie Körpersprache, Haltung, sich in Stimmlagen hineinversetzen", erläuterte Laura Cuppok. Was sie und die anderen Lesementorinnen drauf haben, davon kann sich jeder am Freitag bei einem Lesefest in der Stadtbücherei überzeugen.

Die Marienschülerinnen lesen aus "Weihnachten im Möwenweg" und anderen in die Jahreszeit passenden Büchern vor. Außerdem basteln sie mit Kindern Sterne oder auch eine Winterlandschaft. Die Zehntklässlerinnen haben das Lesefest selbst vorbereitet und alle Kindergärten der Innenstadt dazu eingeladen.

Anderer Stellenwert

Geht es nach Schulleiter Michael Lemkens, so wird das Projekt an der Marienschule auf Dauer Spuren hinterlassen. Die zwölf Lesementorinnen haben sich bereiterklärt, künftig mit jungen Marienschülerinnen zu arbeiten.

"Es gibt viele, die in Klasse fünf noch Probleme mit dem Lesen haben", weiß Jenny Janßen. Und Lemkens sieht pädagogische Vorteile: "Wenn sie für die Kinder vorlesen, dann hat das einen ganz anderen Stellenwert, als wenn ich das als Deutschlehrer tue."

Bleibt nur noch die Frage, wie das Vorlesen von Schülerinnen für Schülerinnen an der Marienschule weiterläuft, wenn die zertifizierten Lesementorinnen die Schule verlassen. "Leider haben sie alle so gute Noten, dass wir sie nicht länger halten können", scherzte gestern der Schulleiter.

(RP)
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