Wardt: Das U ist zu

Wardt: Das U ist zu

Die Erweiterung der Jugendherberge Xanten ist fast abgeschlossen. Voraussichtlich Ende März können die 16 neuen Zimmer vermietet werden. Herbergsmutter Ursula Hiepler rechnet mit einem Rekordjahr 2010.

An der Eingangstür klebt noch ein Baustellenschild, auf dem Parkplatz stehen Autos von Handwerksbetrieben. Doch wer die Jugendherberge früher nicht kannte und sie heute betritt, mag sich wundern: Wo wurde denn hier angebaut? Der neue Trakt fügt sich harmonisch in den "alten" (der ja auch erst 2004 gebaut wurde) ein: dasselbe Holz, dieselben roten Fassadenplatten, das Stäbchenparkett auf den Fluren, die Zimmereinrichtung – ein Gebäude wie aus einem Guss.

"Es waren dieselbe Baufirma und dieselben Fensterbauer beteiligt", erklärt Herbergsleiterin Ursula Hiepler. Mit einem dicken Schlüsselbund läuft sie durchs Haus, beantwortet Fragen, schaut nach dem Rechten. Schulklassen aus Borken und Gladbeck beziehen gerade ihre Zimmer; die Schüler kämpfen mit der Bettwäsche. Auch Mitglieder einer Kirchengemeinde aus Dinslaken sind da, und abends wird noch eine Schule aus Hannover erwartet.

Natürlich sei sie zufrieden mit der "neuen" Jugendherberge, sagt Hiepler. Gut, ganz so frei wie früher ist der Seeblick nicht mehr. Der ehemals U-förmige, zum See offene Bau wurde zum Karree erweitert. "Das U ist zu", bringt es die Herbergsmutter auf den Punkt. Aber der neue Trakt wurde lichtdurchlässig gestaltet. Im Untergeschoss mit vier neuen Tagesräumen ist er beidseitig verglast. So können Gäste immer noch von der Rezeption aus über den Innenhof und durch die neuen Räume die Südsee sehen.

45 000 Übernachtungen?

Über den neuen Tagesräumen (benannt nach Lüttingen, Vynen, Marienbaum und Obermörmter) gibt es 16 neue Zimmer mit insgesamt 56 Betten. Ende vergangener Woche wurden die Möbel geliefert, derzeit werden sie montiert. Auch einige andere Arbeiten sind noch zu erledigen, zum Beispiel seien die Brandmelder noch nicht aktiviert.

Spätestens Ende März, so hofft Hiepler, können die neuen Zimmer aber vermietet werden – und helfen, die riesige Nachfrage etwas besser in den Griff zu kriegen. Große Gruppen, die ein paar Tage bleiben möchten, haben in diesem Jahr allerdings kaum noch eine Chance. "Nach den Vorbuchungen kommen wir 2010 auf 45 000 Übernachtungen", sagt Ursula Hiepler. Ein Rekordjahr kündigt sich an. Eine Anfrage jagt die andere. "Seit sieben Uhr morgens bin ich dabei, E-Mails zu bearbeiten", sagt die Herbergsmutter am frühen Nachmittag.

Musik-Jugendherberge

Neben der Lage direkt am Wasser hebt der Jugendherbergsverband jetzt weitere Qualitäten des Hauses stärker hervor: Neuerdings wird es als eine von 15 Musik-Jugendherbergen im Rheinland vermarktet – mit entsprechenden Proberäumen und einer Ausstattung, zu der unter anderem ein Klavier und eine Mikrofonanlage gehören. "Eigentlich waren wir das aber immer schon", sagt Hiepler. "Manchmal haben wir hier vier Chöre, Orchester, Musikgruppen gleichzeitig. Da müssen wir gucken, wie wir die verteilen."

Nach den Arbeiten am und im Gebäude stehen noch solche auf dem Außengelände an. Zu den Beachvolleyballfeldern kommt bald ein "jugendturnierfähiger" Kunstrasenplatz dazu. "Ein Basketballplatz wäre auch nicht schlecht", wünscht sich noch die Herbergsmutter. Aber dafür müsse erst ein Sponsor gefunden werden.

(RP)