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Das sagen RP-Leser zum Biber in Sonsbeck

Das sagen unsere Leser : Die Biber in Sonsbeck bewegen die Menschen

Sonsbecks Biber-Paar erregt auch außerhalb der Gemeinde viel Aufmerksamkeit. Das sagen unsere Leser zu den geschützten Nagern und ihrem umstrittenen Damm in der Ley.

Überlauf-Schutz könnte helfen

Die Rheinische Post berichtete wiederholt von dem Biberpaar in Sonsbeck, das – sehr fleißig und effektiv – immer wieder an der gleichen Stelle eines Bachlaufs einen Damm errichtet. In Erinnerung an ein regenbedingtes Hochwasser im Jahr 2016 befürchten einige nahen Anwohner, dass der Damm zu einem neuerlichen Aufstauen führen könnte und die Grundstücke wieder überflutet werden könnten. Diese Sorge versteht jeder. Es heißt zwar, dass dieses Vorkommnis eine Jahrhundert-Katastrophe gewesen sei; aber sieht man auf die Klimaveränderungen im Zusammenhang mit der Erderwärmung, so kann eine Wiederholung solch eines Starkregens in absehbarer Zeit nicht ausgeschlossen werden.

Es ist doch gute Menschenart, sich den Gefahren des Alltags kreativ und konstruktiv zu stellen. Der Schutz der Biber ist eine allgemein anerkannte Naturschutz-Maßnahme. Ihr Damm wird, gleichgültig bei welcher Wetterlage, den Bach in jedem Fall aufstauen; mal mehr, mal weniger. Der Schutz der Menschen ist genauso selbstverständlich.

  • In Sonsbeck hat sich ein Biber-Paar
    Rückbau-Verbot in Sonsbeck : Sorge vor Überflutung durch Biberdamm
  • Nachtaufnahme von einem der Sonsbecker Biber.
    Anordnung des Kreises : Rückbau-Verbot am Biberdamm in Sonsbeck
  • Nichts mehr zu sehen vom Damm:
    Sonsbecker zieht Klage in Betracht : Weiter Ärger über Rückbau von Biberdamm

Was könnte also helfen, um ein gefährliches Hochwasser im Bach zu vermeiden? Richtig: Ein Überlauf-Schutz. Maßnahmen am Damm direkt sollten vermieden werden, da die Biber solche Eingriffe kompensieren könnten, um ihr Bauwerk in Funktion zu halten. Mir scheint daher folgende Lösung praktikabel: Ein Rohr, das von einer oberhalb des Dammes gelegenen Stelle im Bogen zu einer tiefergelegenen Stelle hinter dem Biberdamm führt. Die Öffnungen sollten am besten verschließbar sein, damit sie im Notfall nicht verstopft sind.

Eine derartige Sicherung hätte auch den Vorteil, dass ein zu hoher Wasserdruck auf den Biberdamm vermieden wird, so dass die Gefahr für die nachfolgenden Brückendurchlässe durch weggespültes Biberdamm-Material minimiert ist.

Ich hoffe, ich konnte hiermit die Diskussion um gute Lösungsansätze bereichern.

Walter Graffunder,
Neukirchen-Vluyn

Nur die eigene Meinung zählt

Mit großer Freude habe ich den Kommentar von Uwe Plien zur Biberproblematik gelesen. Wie so oft im Leben hat dieser Sachverhalt zwei Seiten. Herr Plien hat die Perspektiven treffend beschrieben und die Freuden auf der einen und die Ängste auf der anderen Seite treffend dargestellt. Ich glaube, das war mal notwendig, weil viele Menschen nur noch ihre eigene Meinung verabsolutieren.

Herbert Becker,
Rheinberg

Fern von Menschen besser aufgehoben

Zunächst einmal möchte ich Herrn Plien für seinen hervorragenden Kommentar zur Art der Diskussion über diese Thematik gratulieren. Dann möchte ich ganz sachlich auf zwei Dinge hinweisen: Erstens ist die Ley kein natürlicher Bach, sondern das Ergebnis einer durch die Klever Grafen zwischen 1280 und 1350 veranlassten Trockenlegung der großen Bruchgebiete im Großraum Sonsbeck (Binnenkolonisierung). Weite Strecken der bis dahin siedlungsfeindlichen ausgedehnten Sumpf- und Bruchländereien wurden nach umfangreichen Vermessungs-, Rodungs- und Kultivierungsmaßnahmen entwässert. Das war vor allem dadurch gelungen, dass die Bruchgebiete durch lange, schnurgerade und parallel verlaufende Abzugsgräben unter den Bezeichnungen Weteringe, Fleut, Ley oder Leitgräben dauerhaft trocken gelegt wurden. Daraus zehrt Sonsbeck noch heute, denn ohne diese Entwässerungsmaßnahmen hätte Sonsbeck nicht entstehen können. Und der Wasser- und Bodenverband sorgt letztlich heute dafür, dass das ankommende Wasser unter anderem bei Starkregenereignissen nicht aufgehalten wird und abfließen kann. Zweitens sind Biber wilde Tiere. Und sie leben am sichersten dort, wo sie nicht mit Menschen in Kontakt treten. Das Gleiche gilt bekanntlich auch für Wölfe. Die sind dort am wenigstens in der Diskussion, wo sie nicht menschennah auftreten. Und wenn diese Biber in Bereiche umgesiedelt würden, die weniger menschennah sind, zum Beispiel auf die Bislicher Insel, würden sie sicher eher gemäß dem Tierwohl leben als in Ortsnähe, wo dann auch noch Eltern mit Kindern dies als Ausflugsziel ansehen und die Tiere in ihrer natürlichen Bewegung stören. Eine „Entnahme“ der Biber oder eine Umsiedlung ist allerdings nur in Zusammenarbeit mit der Aufsichtsbehörde möglich, also des Kreises.

Heinz-Peter Kamps,
Sonsbeck

Nur noch Gut-Menschen

Uwe Pliens Kommentar zum Bieber trifft den Nagel auf den Kopf. Wir Menschen sind alle zu Naturschützern, Öko-Strom-Liebhabern und Gut-Menschen mutiert! Doch nur so lange es auch einen persönlich nicht betrifft, ist man für alles, was der Menschheit anscheinend so gut tut. Kommt das Windrad aber in die Nähe der heimischen „Burg“, dann gründet man eine Bürgerinitiative und dann wird so lange gekämpft, bis ein anderer Standort gefunden ist, der einen nicht mehr stört – und wenn es nur die Nachbargemeinde ist.

Hans-Henning Schultes,
Alpen

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(beaw)