Xanten: Das Museum zum Lied

Xanten: Das Museum zum Lied

Heute wird das Museum "Nibelungen(h)ort" eröffnet. Gestern gab es eine Vorbesichtigung: 1500 Jahre Geschichte mit dem Nibelungenlied – kompakt zwischen Drei-Giebel-Haus und Meerturm. In Xanten fing alles an.

Dem Nibelungenlied war war Schreinermeister Michael Jansen gestern Vormittag körperlich sehr nahe. Doch sein Thema bei der Ilias der Deutschen war zumindest gestern ganz praktischer Natur. Denn Jansen baut das Möbel, in dem die digitalisierte Handschrift C des Heldenliedes aufgeklappt wie ein Buch liegt – und auch ebenso Seite um Seite wie ein Buch geblättert werden kann. Moderne Kommunikationstechnologie macht's möglich. Jansens aktuelles Thema beschreibt den Zustand im Museum: Rundherum tobte gestern noch die Baustelle. "Wir werden heute noch sehr lange hier sein", kommentierte Dr. Ralph Trost. Der Museumsleiter führte gestern die Gäste der Vorbesichtigung.

Sieben Stationen

Siegfried von Xanten – gab es ihn wirklich ? Über sieben Stationen führt der Museumsrundgang vom Drei-Giebel-Haus über die mittelalterliche Wehrmauer zum Meerturm und – über eine zweite Ebene – zum Ausgangspunkt zurück. Studenten der Diplomklassen von Professor Dr. Bernd Grahl (Fachbereich Design, Hochschule Krefeld) haben die Austellungsgestaltung erarbeitet, Xantener Unternehmen setzten sie um.

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Das um 1200 in der Gegend von Passau geschriebene Nibelungenlied ist die erste mittelhochdeutsche höfische Hochdichtung. Sie beschreibt mehr als den in Xanten geborenen und aufgewachsenen Helden Siegfried, der trickreich war, vor Betrug nicht zurückschreckte und schließlich aus Gründen politischer Räson (Sichtweise Hagens) ermordet wurde. Das Epos beschreibt eine höfische Gesellschaft, die sich von Liebe, Hass, Intrige, Verrat, Mord und falsch verstandener (Nibelungen-)Treue leiten lässt und am Hofe Etzels im ungarischen Gran in Gänze untergeht.

Nicht alles sagenhaft

Nicht alle Akteure der Handlung sind sagenhaft; verschiedene gab es wirklich. Mal behutsam leise, mal mit audiovisuellen Reizen werden die Besucher durch eine Ausstellung geführt, zu der es keine Fundstücke gibt. Dabei eröffnen sich die Zusammenhänge, wie ab dem 18.Jahrhundert Held Siegfried identitätsstiftend für Deutschland wurde. Kunst, Musik und Literatur, Werbemittel, Kino- und – in neuerer Zeit – Zeichentrickfilme schlachteten das Thema Nibelungen aus. Und die Nazis missbrauchten den Mythos Siegfried bis zum bitteren Untergang Deutschlands: Vor dem Bild des zerstörten Xantener Doms endet die Ausstellung. Davor liegen Schutt und Kriegstrümmer; aus einem Volksempfänger wird Hitlers Tode vermeldet und "Götterdämmerung" gespielt.

(RP)