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Xanten: Das Glas der Vorposten

Xanten : Das Glas der Vorposten

Die Römer haben offensichtlich auch am Niederrhein Glas hergestellt. Das beweist eine große Keramikschale, die auf dem Gelände eine Wachtposten in Goch ausgegraben wurde und im neuen RömerMuseum gezeigt wird.

Xanten/Goch Es waren schon unruhige Zeiten, damals im dritten Jahrhundert nach Christus. Da drohte überall entlang der Grenzen des römischen Reichs Ungemach. Hier und da ein größeres Militärlager wie Vetera II unweit der Colonia Ulpia Traiana – das reichte allein nicht aus als Schutz gegen Einfälle. „Die Römer bauten deshalb in der Spätantike Militärstationen entlang der Grenzen”, erklärt Silke Burst. Die in Karlsruhe geborene Archäologin absolviert derzeit ihr zweijähriges Volontariat beim Landschaftsverband Rheinland in Xanten.

Die kleinen Stationen entlang des Rheins, so die 30-Jährige, hatten alle ein rechteckige Einfriedung aus Holz oder Stein. Und oft gab es einen Wachtturm in der Mitte. Tag und Nacht hielten Soldaten da Ausschau. Kam der Feind, gaben die Vorposten Signale zu ihren Truppen und holten damit Unterstützung.

Alte Wachtposten

In Goch-Asperden wird das nicht anders gewesen sein. Dort nämlich wurde eine dieser spätantiken Verteidigungsanlagen ausgegraben. Ein Burgus, wie die Römer die Wachtposten nannten. Und es waren keineswegs nur Soldaten, die sich dort aufhielten. Entdeckten die Archäologen doch eine große Keramikschale mit Glasresten. In solch einer Schale wurde früher das Glas in Öfen eingeschmolzen.

Ein mühsames Geschäft, weiß Silke Burst, aber eins, das schon die Phönizier kannten. Soda, Sand und Kalk waren (und sind) die Grundstoffe. Um kleine Gefäße herzustellen wurden die Zutaten zusammengeschmolzen und um einen Sand-Ton-Kern gelegt. Der musste (nach dem Erkalten des Glases) mühsam wieder herausgebröselt werden. Farben wurden durch den Zusatz von Mineralien erzeugt.

Die Römer waren es jedenfalls, die als erste die Glasherstellung veredelten, berichtet die Archäologin. Sie erfanden die Glaspfeife, mit der bis heute das Glas „aufgeblasen” wird. Damit wurde die Massenherstellung möglich. Auch aus Scherben lässt sich dann wieder Glas herstellen. Zu Zeiten der Römer allerdings musste ein Grundstoff von weit her angekarrt werden. Soda, das gab es in Ägypten. Und Rohglas wurde dann in Barren in entfernteste Winkel des römischen Reichs verbracht.

Es gibt aber auch Hinweise auf lokale Produktionen. So wurden wahrscheinlich im Hambacher Forst bei Jülich nicht nur Glasgefäße produziert, sondern auch Rohglas hergestellt.

Das Handwerkerleben

Und in Asperden wurde dieses Glas möglicherweise weiterverarbeitet. Das beweist die Schale mit den Glasresten. Und das zeigt eben auch, dass sich an die eigentlich relativ kleinen Stationen auch (Handwerker-)Leben anlehnte. Vermutlich nicht allein für den Eigenbedarf, sondern auch für den Verkauf in die Umgebung.

Auf dem Gelände der Colonia Ulpia Traiana, so Silke Burst, wurde eine komplette, wenn auch zerbrochene Fensterscheibe aus der damaligen Zeit entdeckt. Glasperlen, (aufgelegte) Kameen und (eingeritzte) Gemmen mit figürlichen Darstellungen waren damals hoch im Kurs. Allein schon deshalb, weil sie viel billiger waren als Edelsteine.

(RP)