Xanten: Das Akkordeon hat's ihm angetan

Xanten: Das Akkordeon hat's ihm angetan

Der zwölf Jahre alte Niklas Meckl aus Xanten brennt für das Instrument, auf dem so oft Heimatlieder gespielt werden.

Er mag Akkordeon-Musik. Und Judo. Und Sportschießen. Wobei: Mögen greift zu kurz bei Niklas Meckl. Der 12-Jährige beherrscht das Akkordeon. Und den Judo-Sport, gut für die Disziplin, und das Schießen, gut für die Konzentration. Bei den Sportschützen von St. Helena ist er derzeit Schülerprinz, im Judo hat sich der Nachwuchsjudoka des SV Menzelen erst vor Kurzem für den Bezirkskader empfohlen - mit dem Akkordeon hat er am 18. Februar in Düren am Landeswettbewerb "Akkordeon-Musik-Preis" teilgenommen und sich mit 48 von 50 möglichen Punkten den ersten Preis erspielt.

Drei Stücke hat der junge Birtener vorgespielt, den Marsch aus den "Clowns" von Heikki Valpola, "Das Gondellied" und "Die flinken Akrobaten" von Hermann Zilcher. Acht Minuten drückte er hochkonzentriert bei seinem Piano-Akkordeon die Finger über die 72 Bassknöpfe und erhielt von der Jury das höchste Prädikat: "Hervorragend". Im Klartext heißt das für Niklas Meckl, dass er sich damit für den Bundeswettbewerb qualifiziert hat, der vom 31. Mai bis 3. Juni in Bruchsal in Baden-Württemberg ausgetragen wird.

Niklas Meckl besucht die sechste Klasse des Stiftsgymnasiums. Sprachen (Englisch, Deutsch) zählen nicht gerade zu seinen Lieblingsfächern, dafür aber Latein, Musik und Biologie. Und natürlich Sport. Neben Judo fasziniert ihn Turnen. So ganz überrascht es übrigens nicht, dass der 12-Jährige musisch talentiert ist: Sein 14-jähriger Bruder Felix spielt Klavier, seine 16-jährige Schwester Altsaxophon, der Vater Trompete, die Mutter Akkordeon. Niklas war in der zweiten Klasse in der Lüttinger Grundschule, als Manfred Schmidtke mal wieder mit seinem Akkordeon in die Schule kam, das Instrument auseinanderschraubte und dabei erklärte, es wieder zusammensetzte und die Kinder damit spielen ließ. "Ich will auch Akkordeon spielen", war das Erste, was der Junge seiner Mutter zurief, kaum dass er aus der Schule gekommen war und sie die Haustür geöffnet hatte. Gesagt, getan: Die Eltern meldeten den Sohn beim Akkordeon-Orchester in Xanten an, im Oktober 2013 begann für ihn der Unterricht bei Manfred Schmidtke, einmal die Woche. Anfangs noch in einer Gruppe, 45 Minuten lang, aber da wurde es dem 12-Jährigen schnell langweilig, weil er schon Noten lesen konnte, die anderen aber noch nicht. Also bekam er Einzelunterricht, einmal die Woche, 30 Minuten.

"Die flinken Akrobaten" von Hermann Zilcher spielt er am liebsten. Das Stück ist schnell, lebhaft. Wie der junge Akkordeon-Spieler selber. Jeden Tag wird zu Hause geübt, eine Stunde lang. Nur sonntags nicht, da ist musikfrei im Hause Meckl an der Wassermühle in Birten. Konsequent. Auch, um den wirklich toleranten Nachbarn einen musikfreien Sonntag zu bescheren. Aber auch, damit Niklas und seine Geschwister mal "chillen" können.

Unter der Woche ist ihr Tag ordentlich getaktet: Schule, Hausaufgaben, eine Stunde üben (Akkordeon-Klavier-Altsaxophon), donnerstags Akkordeon-Unterricht, einmal in der Woche Schießen bei den Sportschützen von St. Helena. Vier Tage in der Woche bringt die Mutter ihn und seinen Bruder zum Judo-Training: montags und freitags in Menzelen-Ost, mittwochs in Duisburg oder Essen, donnerstags in Düsseldorf. Während der Autofahrt gucken die beiden in die Schulbücher, fragen sich Vokabeln ab. Sechs Wochen fiel das Training für Niklas allerdings aus: Bei einem Judoturnier hatte er sich die Strecksehne am Ringfinger abgerissen, musste sechs Wochen eine Schiene tragen. Bei der Messe im Dom dienen - auch das machen die Geschwister - ging aber trotzdem noch.

Ob er die Musik später mal zum Beruf machen will? Schulterzucken beim 12-Jährigen, der am liebsten Polizist werden will. Auch schon mal Astronaut, aber das war früher. Auf jeden Fall will er mal mit Janina Hussmann zusammenspielen, sein Vorbild. Die 19-Jährige hat auch bei Manfred Schmidtke Akkordeon spielen gelernt und mit ihm zusammen gespielt. Den Czardas. Das fand Niklas toll. Und Janina hat ihm versprochen: Wenn du das Stück spielen kannst, dann spielen wir zusammen. Darauf arbeitet er hin. Oder besser gesagt übt er hin.

(jas)