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Corona-Krise: Keine Zukunft fürs Xantener Reisebüro

Folge der Corona-Krise : Keine Zukunft fürs Xantener Reisebüro

Die Corona-Krise trifft die Reisebranche besonders hart. Miriam Perau wird bald das Xantener Reisebüro an der Marsstraße schließen. Zu hoch sind die Verluste durch die vergangenen Wochen.

Es kommen nicht viele Kunden durch die Tür. Das ist schon seit Wochen so. Dass die Geschäfte sehr schlecht laufen, lässt sich Miriam Perau nicht anmerken. Ein ansteckendes Lächeln von ihr bekommt jeder, der das Xantener Reisebüro betritt. „Ich liebe meinen Job“, sagt die Tourismuskauffrau. Ihre gute Laune lässt sie sich von der Corona-Krise nicht nehmen. Gleichwohl sorgt die Pandemie dafür, dass die 23-jährige eine schwerwiegende berufliche Entscheidung treffen musste. Perau, erst seit Mitte 2019 Inhaberin des Reisebüros an der Marsstraße 33, muss den Laden aufgeben. Ende Oktober ist Schluss. Zu groß sind die Umsatzeinbußen. „Von Anfang Mai bis jetzt hatte ich drei konkrete Buchungsanfragen.“

Am Montag bediente Miriam Perau, die Anfang 2018 ihre Prüfung mit der Note 1 bestanden hatte, drei Kunden. Es ging um allgemeine Dinge rund ums Reisen. Immerhin verkaufte sie eine VRR-Fahrkarte. Das Telefon klingelte öfter als sonst. Marktführer Tui hatte sich Ende vergangener Woche nochmals zu den Rückzahlungsmodalitäten sowie Gutscheinen für nicht durchgeführte Reisen geäußert. Die junge Unternehmerin erteilte bereitwillig Auskunft zu dem Thema. Natürlich gab’s auch wieder Storno-Nachfragen – wie jeden Tag.

Die Corona-Krise hat die Reisebranche besonders hart getroffen. „Der Januar lief noch sehr gut. Im Februar habe ich schon gemerkt, dass sich die Leute sehr zurückhalten.“ Dann kam der Lockdown. Vom 16. März bis Ende April war das Xantener Reisebüro zu, Miriam Perau in der Zeit aber telefonisch sowie per E-Mail zu erreichen. „Es ging eigentlich nur um Stornierungen.“ Sie selber sagte ihren Marokko-Urlaub ab. In den harten Wochen reifte nach Gesprächen mit ihrer Familie und ihrem Partner der Entschluss, dass sie die wirtschaftliche Notbremse ziehen muss. „Niemand weiß, wann und ob es überhaupt in unserer Branche wieder so läuft wie vor Corona. Ich denke, dass sich einiges beim Reiseverhalten ändern wird.“ Da Perau das Geschäft erst im Juni 2019 übernommen hat, habe sie noch keine großartigen Rücklagen bilden können. „Ich habe nicht das Geld, um diese Phase länger überbrücken zu können.“ Für Ende Mai hatte die junge Frau aus Kalkar ihrer Teilzeitkraft kündigen müssen.

Die Öffnungszeiten sind mittlerweile dem Kunden-Interesse angepasst. Viermal in der Woche ist das Reisebüro, das Peter Baumann vor fast 40 Jahren gründete, halbtags geöffnet. Mittwochs und samstags bleibt es zu. Wenn Miriam Perau davon erzählt, wie sie im Februar 2018 die Büroleitung übernahm, verrät ihre Stimme doch eine gewisse Traurigkeit. Ihren Ausbildungsbetrieb in Düsseldorf gibt’s seit einigen Tagen nicht mehr. „Es war ein Traditionsbüro, das einen Insolvenzantrag stellen musste.“ Das wollte die junge Geschäftsfrau vermeiden. „Vielleicht findet sich ja doch noch jemand, der das Xantener Reisebüro übernehmen möchte.“

Miriam Perau schaut nach vorne. Sie hält nach einem neuen Job Ausschau und hat schon einige Bewerbungen geschrieben. „Ich habe eine kaufmännische Ausbildung und lerne schnell.“ Sie sieht ihre Zukunft eher außerhalb der Tourismusbranche „als kaufmännische Angestellte“. Bis die 23-Jährige endgültig die Ladentür hinter sich abschließt – das wird nach Auslaufen des Mietvertrags wahrscheinlich an einem Tag in der vorletzten Oktober-Woche der Fall sein – wird sie ihre Kunden weiterhin mit einem netten Lächeln empfangen. „Das bin ich ihnen schuldig. Die Xantener sind wirklich sehr nett. Viele fragen, wie’s mir geht, und sind dann doch überrascht, welche enormen Auswirkungen die Corona-Krise hat.“