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Corona-Krise: „Das Wichtigste ist jetzt Besonnenheit“

Wirtschaftliche Folgen der Corona-Krise : „Das Wichtigste ist jetzt Besonnenheit“

Kunden stornieren Aufträge, Konzerte fallen aus, Reisen werden verschoben, Gäste bleiben fern: Längst spürt die Wirtschaft die Folgen der Corona-Krise. Volksbank-Chef Guido Lohmann spricht von einer gewaltigen Herausforderung, aber mahnt zur Besonnenheit.

Herr Lohmann, Als Bank sprechen Sie mit Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen. Wie ist die Stimmung in der Wirtschaft angesichts der Ausbreitung des Coronavirus?

Guido Lohmann Das Wichtigste für alle Beteiligten ist jetzt Besonnenheit. Wir müssen mit Sorgfalt die Situation analysieren und dann handeln. Das gilt für die Politik, das gilt aber auch für Unternehmer. Natürlich gibt es Branchen und Unternehmen wie Hotels, Gastronomie, Messebauer, Taxifirmen, Event-Agenturen und Reise-Veranstalter, die vor Problemen stehen, auch in unserer Region. Wir dürfen die Folgen für die Wirtschaft nicht unterschätzen, sie sind gewaltig und vergleichbar mit der Lehman-Pleite 2008. Aber wenn wir besonnen bleiben, werden wir auch diese Herausforderung lösen.

Welche Folgen erwarten Sie konkret?

Lohmann Wenn den Unternehmen Aufträge wegfallen, können sie in Liquiditätsengpässe kommen, dann drohen Insolvenzen. Deshalb war es in weiten Teilen vernünftig, wie die Europäische Zentralbank (EZB) am Donnerstag reagierte, regulatorische Erleichterungen für die Banken beschloss und gleichzeitig Liquiditätsprogramme auflegte. Damit hilft sie genau diesen Unternehmen, denen Liquidität fehlt. Da hat die EZB gut und schnell reagiert.

Warum hat die Börse auf die EZB-Ankündigung trotzdem mit einem Kurseinbruch reagiert?

Lohmann Die Menschen haben erwartet, dass die EZB die Zinsen senkt. Aber eine Zinssenkung hätte nichts mehr gebracht. Es hilft keinem Unternehmer, der in Liquiditätsproblemen steckt, ob er für einen Kredit null oder minus 0,5 Prozent Zinsen zahlt. Er braucht Geld. Und genau diesen Weg hat die EZB und diesen Weg haben auch Bund und Land geebnet. Deshalb glaube ich, dass sehr vielen Unternehmen durch diese Programme und über die Banken vor Ort schnell geholfen wird.

Reichen diese Maßnahmen?

Lohmann Ich glaube, alle Beteiligten wissen nicht, wie lange das noch anhält. Wenn Schulen schließen und Veranstaltungen abgesagt werden, kommt das öffentliche Leben zum Erliegen, dann trifft es auch noch ganz andere Wirtschaftsbranchen, die das jetzt noch nicht spüren. Deshalb müssen wir abwarten, was noch kommt, um zu beurteilen, ob das Maßnahmenpaket ausreicht. Aber mein Gefühl ist, dass die Politik das verstanden hat, dass sie schnell und großzügig reagieren muss.

Sie vergleichen die Krise mit der Lehman-Pleite 2008. Damals folgte eine der größten Wirtschaftskrisen. Das klingt besorgniserregend.

Lohmann Ich sehe diese Krise deswegen in einer Größenordnung mit der Lehman-Pleite und der folgenden Wirtschaftskrise, weil die Möglichkeiten zu reagieren kleiner sind als 2007. Damals hatten wir noch ein Zinsniveau von drei oder vier Prozent, und durch Zinssenkungen hat man damals die Nachfrage enorm angeschoben und Unternehmen damit geholfen. Man hat zum Beispiel die Abwrackprämie eingeführt, sie hat einen Boom für die Autoindustrie herbeigeführt. Aber im Vergleich mit damals ist das Instrumentarium der EZB und der Politik deutlich eingeschränkt, und Konjunkturprogramme helfen im Moment nur bedingt, weil die Angebotsseite eine steigende Nachfrage nicht bedienen könnte: Die Unternehmen können teilweise nicht mehr liefern, weil Lieferketten unterbrochen sind. Die EZB und die Politik können also nicht genauso reagieren wie 2007, was die Sache schwieriger macht. Aber wenn man besonnen reagiert, kommt man aus der Krise wieder heraus.