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Corona Kreis Wesel: Mehr Fälle gemeldet - Virus verbreitet sich flächendeckend

Corona-Pandemie im Kreis Wesel : Das Virus verbreitet sich in der Fläche

Innerhalb von drei Wochen sind in Xanten mehr Corona-Infektionen nachgewiesen worden als in den vier Monaten davor. Auch anderswo wurden nach langer Pause wieder Fälle gemeldet. Der Kreis sieht mehrere Gründe dafür.

In Xanten sind bis Freitagmittag 57 Frauen undMänner positiv auf das Coronavirus getestet worden. Das sind 30 Menschen mehr als Ende Juli. Innerhalb der vergangenen drei Wochen haben sich also mehr Einwohner der Stadt mit Sars-CoV-2 infiziert als in den gesamten vier Monaten davor.

Die ersten Fälle waren Mitte März in Xanten nachgewiesen worden. Dann stieg die Zahl kontinuierlich, bis sie im Mai, Juni und Juli lange bei 25 blieb. Dann stieg sie wieder, und nun, Mitte August, ist sie mehr als doppelt so hoch. Das geht aus den Statistiken zur Corona-Pandemie hervor, die der Kreis Wesel montags bis freitags zur Mittagszeit veröffentlicht.

Damit ist die Zahl der Infektionen in Xanten sogar deutlicher gestiegen als anderswo in der Umgebung. Dennoch spiegelt die Stadt einen Trend wider, der für die gesamte Region gilt: Im gesamten Kreis Wesel sind mittlerweile 1094 Frauen und Männer positiv auf das Virus getestet worden (Stand: Freitagmittag). Das sind 207 Menschen mehr als vor drei Wochen (plus 23 Prozent).

In einigen Kommunen war der Anstieg zwar schwächer, in Alpen zum Beispiel. Aber in der Gemeinde hatte es seit Mitte Mai keinen neuen Corona-Fall mehr gegeben. In der vergangenen Woche kamen nun zwei nachgewiesene Infektionen dazu. Dadurch stieg die Zahl der positiv getesteten Menschen auf 17. In Sonsbeck sind es mittlerweile 21, nachdem in der Gemeinde ebenfalls seit Mitte Mai niemand mehr positiv auf das Virus getestet worden war und die Zahl der Infizierten lange bei 16 verharrte. Auch in Rheinberg hatte es im Juni und Juli lange kaum neue Fälle gegeben. Dann stieg die Zahl der Infektionen von 60 auf 72.

Einen solchen Zuwachs wie in den vergangenen drei Wochen hat es in einzelnen Kommunen und auch im gesamten Kreis immer wieder seit Beginn der Pandemie gegeben. Aber dann waren die steigenden Zahlen zum Beispiel durch den Corona-Ausbruch in einem Betrieb erklärbar. Das ist jetzt anders. Ein Cluster, also einen Schwerpunkt, gibt es nicht, wie der Kreis auf Nachfrage erklärt. Vielmehr hat sich das Virus in der letzten Juli-Woche und ersten beiden August-Wochen flächendeckend verbreitet.

Dafür macht der Kreis mehrere Gründe aus: „Die steigenden Fälle im Kreisgebiet sind auf private Feiern, nachlassendes Einhalten der Abstands- und Hygieneregeln in der Bevölkerung und Reiserückkehrer zurückzuführen“, sagt ein Sprecher der Kreisverwaltung. Auch für Xanten wird kein anderer Grund genannt.

Aber diese flächendeckende Ausbreitung macht es schwieriger, die Pandemie einzudämmen. Mit der Kontaktnachverfolgung sollen die Infektionsketten durchbrochen werden. Dafür ist der Kreis Wesel zuständig. Sobald jemand positiv getestet wurde, ermitteln die Mitarbeiter, mit wem die Person vorher in Kontakt stand – wo sie sich also infiziert und wen sie anschließend angesteckt haben könnte. Auch diese Personen sollen dann in Quarantäne bleiben, um das Virus nicht noch weiter zu verbreiten.

Aber diese Kontaktnachverfolgung ist aufwendig. Deshalb werden die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes je nach Lage durch weitere Mitarbeiter der Kreisverwaltung, Kräfte des Robert-Koch-Instituts (RKI) und Bundeswehrangehörige unterstützt. Auch die Ordnungsämter der Kommunen helfen „durch ihre Ortskenntnisse und Daten aus dem Einwohnermelderegister“, erklärt der Kreissprecher.

Die Schwierigkeit sei, die Personen zu erreichen, die möglicherweise infiziert sein könnten. Die Betroffenen hätten selten die Kontaktdaten aller Frauen und Männer, die sie vorher getroffen haben. „Deshalb werden Verwandte, Arbeitgeber, Pflegekräfte und zum Teil auch Nachbarn kontaktiert, um möglichst schnell ein umfassendes Bild zu bekommen.“ Wenn nicht alle Kontakte im Kreis lebten oder die Infektion vielleicht anderswo gewesen sein könnte, müssten außerdem andere Gesundheitsämter informiert werden. In „begründeten Fällen“ würden auch die Listen angefordert, die von Restaurants, Cafés, Gaststätten und Veranstaltern über Gäste geführt werden müssen.

Wie viele Menschen im Durchschnitt kontaktiert werden, wenn ein Mensch positiv getestet wurde, lasse sich nicht sagen, erklärt der Sprecher der Kreisverwaltung. Aber „mit dem Ende des Shutdowns und den Öffnungen, insbesondere dem ausgeweiteten Freizeitverhalten der Bevölkerung, ist die Zahl der Kontakte gestiegen und die Nachverfolgbarkeit schwieriger geworden“.