Comedy-Wiesn in Xanten: Trifft ein Engländer auf einen Postbeamten

Comedy-Wiesn in Xanten : Trifft ein Engländer auf einen Postbeamten

Etwa 100 Besucher amüsierten sich auf der zweiten Comedy-Wiesn in der Oktoberfest-Almhütte.

Zur zweiten Comedy Wiesn hatten der Energieversorger Enni und das Freizeitzentrum am Donnerstag in die rustikale Almhütte auf dem Gelände des Xantener Oktoberfestes geladen. Etwa 100 Gäste aus Xanten und der Umgebung erlebten Comedy der Spitzenklasse, die die Lachmuskeln arg strapazierte. Im Eintrittspreis von 39 Euro war das bayrische Dreigängemenü enthalten.

Durchs Programm führte Don Clarke, ein englischer Komiker der seit 1979 in Deutschland lebt und in einem Dialekt spricht, der eine Mischung zwischen Englisch, Niederländisch und Norddeutsch darstellt. Letzteres ist verständlich, da er seit vielen Jahren in Hamburg lebt.

Clarke, der mal in einer Gruppe Anonymer Alkoholiker war, aber doch lieber mit Menschen trinkt, die er kennt, ist bekannt aus den Comedy Sendungen Night Wash und Quatsch Comedy Club und vielen mehr. Gemacht hat er vieles, auch auf dem Bau gearbeitet. Auf dem Bau war er drei Tage, im Bau sechs Monate. Dass er gerne isst, sieht man ihm an. „Da ist was schief gelaufen“, sagt er, „Um abzunehmen, muss man erst mal zunehmen, ist doch logisch. Also hab ich fünf Kilo zugenommen“. Weil das so gut lief, beschloss er, nochmal fünf Kilo draufzuhauen. „Dann hab ich die Kurve nicht gekriegt – gesehen wohl, aber nicht gekriegt.“ Pute bezeichnet er als veganes Essen, das nach nichts schmeckt, „ein Gemüse, das laufen kann“. „Sie sehen schon so aus, als wüssten sie, dass sie nicht schmecken.“

Als er nach Deutschland kam, hatte er zuerst Probleme mit der Sprache und dem, was die einzelnen Begriffe bedeuteten. Lesebrille war beispielsweise klar, aber bei Klobrille begannen die Zweifel. Wie es ist, wenn man morgens mit dem falschen Bein aus dem falschen Bett aufsteht, weiß er ebenfalls.

Viele kennen Hans-Hermann Thielke, der seit 30 Jahren als Beamter im mittleren nichttechnischen Dienst bei der Post arbeitet, wo Humor am Schalter ganz groß geschrieben wird. Dazu musste er eine Fortbildung in Karlsruhe besuchen, Titel „Humor im mittleren nichttechnischen Dienst“. „Nur, wenn jemand 50 Trauerbriefe an den Schalter bringt, sollte man sich mit dem Humor etwas zurückhalten“, erklärt er das notwendige Feingefühl für den Umgang mit den Kunden. Angereist ist Thielke mit der Bahn, obwohl er gerne Auto fährt. „Ich bin ein offensiver Fahrer mit meinem Fiesta Diesel“, versichert er.

Henning Schmidtke nahm die Sendung „Deutschland sucht den Superstar“ aufs Korn, imitierte Udo Lindenberg und Herbert Grönemeyer, die aufgrund ihrer Individualität bei DSDS sofort durchgefallen wären, ebenso gut wie Dieter (Diddää) Bohlen. Er erzählt von seinem Freund, der Kickboxer war, beide Beine amputiert bekam und trotzdem optimistisch in die Zukunft blickte. „Dann muss ich eben etwas kürzer treten.“ Das Gedicht, „Der Erlkönig“ verlegte er in die heutige Zeit, machten einen Rap daraus, untermalt mit Beat Boxing Klängen aus dem eigenen Mund.

Der nächste war der 2,04 Meter große Jonas Greiner aus Lauscha in Thüringen, dessen Mutter heute noch unrund läuft und in dessen Ort alle Häuser schwarz verschiefert sind, wo die Leute jedesmal, wenn sie Blaulicht sehen, erschrecken. „Das ist verständlich“, resümiert er, „denn wir haben Angst, dass unser illegales Bordell entdeckt wurde. Schließlich will ja niemand, dass meine Schwester ihren Job verliert.“ Auf die nervende Frage, wie denn die Luft da oben sei, antwortet er gerne: „Es riecht hier nach Zwerg.“ Worauf jedes weitere Gespräch im Keim erstickt.

Auch wenn er nicht gerne über andere Bundesländer lästert, so sieht er das kleine Saarland als Wurmfortsatz der Republik, klein und nutzlos. Aber auch Niedersachsen bekommt sein Fett weg. „Die Tatsache, dass sich selbst das Meer nur halbtags dort aufhalten will, sagt doch schon alles über ein Land.“

Alles in allem ein gelungener Abend, fanden die Gäste, die auf dem Weg zum Auto die Gags noch Revue passieren ließen.

Volker von Liliencron, Inhaber der Hamburger Firma Salonkultur und zusammen mit dem Freizeitzentrum Xanten Veranstalter des Abends, ist mit dem Abend ebenso zufrieden wie mit der ersten Comedy-Wiens im vergangenen Jahr. In Moers organisiert er zusammen mit der Enni den Comedy Salon. Wenn es nach ihm geht, wird die Comedy Wiesn noch viele Jahre existieren. „Mein Traum“, so der 44jährige, der jünger erscheint, „ist ein Abend im Oktoberfestzelt der Domstadt mit vielen bekannten Comedians.“