CDU-Kreisgeschäftsführer Josef Elsemann geht nach 33 Jahren in den Ruhestand

CDU im Kreis Wesel : Der Fädenzieher hinter den Parteikulissen

Josef Elsemann (65) hat 33 Jahre die Kreisgeschäftsstelle der CDU in Wesel geleitet. Künftig macht er nur noch Politik in seiner Heimat Sonsbeck.

Er hat allen Größen der CDU dieses Landes schon die Hand gegeben. Das Taschenmesser mit der Unterschrift von Helmut Kohl, das er zu dessen 60. Geburtstag 1990 bekommen hat, trägt er am Schlüsselbund ständig bei sich. Das kleine Werkzeug mit Bundesadler zeigt zwar deutliche Gebrauchsspuren, doch es erfüllt bei Bedarf weiter seinen Zweck. Das tut auch sein Besitzer, wenn künftig auch deutlich konzentrierter. Josef Elsemann, seit 33 Jahren Kreisgeschäftsführer der CDU, wird am Freitag um 18 Uhr im Sonsbecker Kastell feierlich in den Ruhestand verabschiedet.

Ein Heimspiel für den Mann, der mit 65 Jahren und ein bisschen so lange gearbeitet hat, wie es die gesetzliche Rentenversicherung vorsieht. Aber es gibt noch einen weiteren Grund zum Feiern für Josef Elsermann, der als Sohn eines Bauern auf dem Berg zwischen Labbeck und Uedemerbruch geboren worden ist: Er ist fast auf den Tag vor 25 Jahren zum Vorsitzenden der CDU-Fraktion in seiner Heimatgemeinde gewählt worden.

Mit Elsemann geht eine Institution, auch wenn er in den drei Jahrzehnten nicht das Gesicht der CDU im Kreis Wesel war. Als Zuarbeiter hat er der Kreispartei und ihren noch knapp 3000 Mitgliedern – Mitte der 80er Jahre waren es noch deutlich mehr: nämlich 5800 – verlässlich gedient, hat im Hintergrund im besten Sinne die Strippen gezogen, hat organisatorisch das Feld bereitet, damit die politische Saat in den 13 Stadt- und Gemeindeverbänden aufgehen und die Exponenten der CDU im Kreis sich voll entfalten konnten.

Das Taschenmesser mit dem Bundesadler und der Signatur von Helmut Kohl begleitet Josef Elsemann seit fast drei Jahrzehnten. Foto: Fischer, Armin (arfi)

Der gelernte Banker und Bilanzbuchhalter, der über die Landjugend und die Junge Union in die Partei gekommen war, hatte Mitte der 80er Jahre – der junge Mann war um die 30 – in der Mitgliederzeitung eine Stellenanzeige entdeckt. Der CDU-Landesverband suchte für seine Geschäftsstelle in der Van-Gent-Straße in Wesel einen Chef. „Ich hab’ mich beworben und bin genommen worden“, sagt er in der für ihn typischen Bescheidenheit. Kreisvorsitzender war damals nach Turbulenzen im Vorstand mit Heinz-Peter Kamps ein weiterer junger Sonsbecker, der den in Wesel unvergessenen Günther Detert abgelöst hatte.

Die ersten Jahre seien „prägend“ gewesen, sagt Josef Elsemann. Er meint damit zwei wichtige Etappen in der Geschichte der Christunion, die bis heute nachwirken. Zunächst war da kurz nach Antritt seiner neuen Stelle die Vereinigung der beiden so ungleichen CDU-Landesverbände Rheinland und Westfalen unter Kurt Biedenkopf. „Und dann natürlich nach dem Mauerfall die Vereinigung der CDU West mit der CDU Ost“, so der Sonsbecker.

Am Einigungsparteitag in Hamburg 1990 hat Elsemann als Delegierter teilgenommen. Ein historisches Ereignis. Damals ist er mit einem Fußball und einen Edding auf die Bühne geklettert, um sich Autogramme zu sichern. Kanzler Kohl, Rita Süßmuth, Norbert Blüm und Lothar de Maizière haben ihren Namenszug aufs runde Leder geschrieben. „Damals waren die nicht so abgeschirmt wie heute, keiner hat beim Ball an eine Bombe gedacht“, so Elsemann. Die Luft ist längst raus, aber die Erinnerung bleibt.

Josef Elsemann hat als Diener der Partei unzählige Wahlschlachten gemanagt. Als erfolgreichste fällt ihm sofort die Kommunalwahl von 1999 ein, als erstmals Bürgermeister und Landräte direkt gewählt wurden. Sabine Weiss, heute CDU-Kreisvorsitzende und Parlamentarische Staatssekretärin im Ressort von Gesundheitsminister Spahn, eroberte das rote Rathaus in Dinslaken, und Birgit Amend-Glantschnig bestieg als Newcomerin auf der politischen Bühne den von der SPD abonnierten Chef-Sessel im Weseler Kreishaus. „Etwas überraschend, aber ein Riesenerfolg“, so die Bilanz des Buchhalters in der CDU-Kreis-Zentrale.

Ihm sei klar, dass auch der Genosse Trend da ordentlich mitgeholfen hat. „Wenn es im Bund hakt, kann man unten noch so versuchen, das große Rad zu drehen. Dagegen kommt man nicht an“, sagt der Mann, der in der Heimat Politik auch gestaltet. Schon lange. Mit Erfolg. 1984 zog er zunächst über die Liste erstmals in den Sonsbecker Rat ein. Seither holt er sein Mandat immer direkt.

Und als amtierender Fraktionschef im Kastell denkt er noch nicht ans Aufhören. „Ich biete an, erneut zu kandieren“, sagt der Mann, der das Sonsbecker Wappen im Revers trägt. Schließlich hat er künftig etwas mehr Zeit. Die will er öfter mit seinen vier Enkeln teilen, auch mal am Platz der DJK Labbeck-Uedemerbruch stehen, bei der er die Kasse führt, und vor allem nutzen, um sich selbst mehr zu bewegen. „Das ist doch ein wenig zu kurz gekommen“, sagt er. Für den Kurs Wassergymnastik habe er sich schon angemeldet. Das macht fit für politische Gestaltung. Die Lust dazu sei noch groß. Technisch marschiert er mit der digitalen Zeit auf Augenhöhe, spielt Facebook gekonnt aus. Den Instagram-Account lässt er noch in Ruhe – nur twittern – „das sollen andere machen“.

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