1. NRW
  2. Städte
  3. Xanten

Xanten/Sonsbeck: Caritas: Die Not der Menschen wächst

Xanten/Sonsbeck : Caritas: Die Not der Menschen wächst

Allein in Xanten betreut der Caritasverband Moers-Xanten jährlich rund 100 Haushalte. Der Mangel an preisgünstigen Wohnungen werde immer größer. Die Ehrenamtler der Caritaskonferenzen leisten wertvolle Hilfe.

In der Domstadt am Niederrhein lässt es sich gut leben. Wohnraum ist entsprechend gefragt. Zwar wird viel gebaut, doch oft sind betuchte "Best Ager" das Zielpublikum der Investoren. Auf der Strecke bleiben zum Beispiel Familien und Senioren mit geringen Einkommen. "In Xanten gibt es zu wenige bezahlbare Wohnungen", bedauert Hans-Joachim Karth, Bereichsleiter beim Caritasverband. Sozialarbeiter Josef Francken, der Hilfesuchende in Xanten, Sonsbeck und Alpen berät, ergänzt: "Die billigeren Wohnungen sind oft stark renovierungsbedürftig." Und Caritas-Geschäftsführer Henric Peeters stellt fest: "Der soziale Wohnungsbau ist de facto tot." Hohe energetische Anforderungen an Gebäude trieben die Kosten in die Höhe.

Immer öfter suchen Menschen Rat beim Caritasverband, die nicht mehr wissen, wie sie ihre Wohnung bezahlen sollen, denen die Räumung droht, die eine neue Bleibe brauchen. Wie Christel Ebinghaus. Die Xantenerin hat acht Jahre lang ihren Enkel aufgezogen. Als junger Mann sei dieser dann aus der Bahn geraten und in betreutes Wohnen gekommen. "Mit 70 habe ich nicht mehr die Kraft gehabt . . .", sagt die Seniorin. Die zu groß gewordene Wohnung musste sie kündigen. Mit "dem Amt" komme sie nicht klar. Jetzt versucht Francken ihr zu helfen. In Marienbaum fand er eine erschwingliche Wohnung. "Aber ohne Auto ist man da aufgeschmissen", sagt Francken.

Demnächst muss Christel Ebinghaus zum "Sozialamt" nach Wesel. Klar, dass jemand von der Caritas sie begleiten und beraten wird. "Beim Umgang mit Behörden sind viele Menschen überfordert", sagt Karth. Für Henric Peeters ist das kein Wunder. "Selbst den Mitarbeitern der Jobcenter fällt es manchmal schwer, im Paragrafendschungel den Überblick zu behalten."

Auch die Existenzsicherung ist ein wachsendes Betätigungsfeld des Caritasverbandes. Steigende Lebenshaltungskosten bringen zunehmend Menschen in Not. "Allein in Xanten betreuen wir 100 Haushalte jährlich", sagt Karth. "Manche kommen jede Woche zu uns. Eigentlich müssten wir viel mehr machen, aber es fehlt an Kapazitäten." Josef Francken bietet je einmal wöchentlich Beratungstermine in Xanten, Alpen und Sonsbeck an. Mehr sei finanziell nicht drin. "Wir sind froh, dass wir mit Hilfe der Sozialstiftung die Arbeit von Francken finanzieren können", sagt Peeters. Doch er hoffe, dass die Stadt Xanten ihre Unterstützung ausbaut.

Eine große Hilfe seien die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Caritaskonferenzen in Xanten, Sonsbeck und Alpen. "Im Jahr 2012 haben wir 300 Familien und Einzelpersonen geholfen", berichtet Waltraud Michels, Vorsitzende des Caritaskonferenz Xanten. Sie ist froh darüber, dass die Helfer nun im "Haus am Markt" heimisch geworden sind. "Früher blühte die ehrenamtliche Caritas im Verborgenen." Gefragt ist nicht nur die Kleiderkammer der Caritas-Konferenz. Waltraud Michels und die anderen Ehrenamtlichen leisten ebenso Beistand für die Seele. "Viele der Menschen, die Hilfe suchen, schämen sich. Man muss ihnen das Gefühl geben, dass sie etwas wert sind." Auch finanziell versucht die Caritaskonferenz auszuhelfen, wo möglich. "Werden die Probleme zu groß, schicken wir die Leute zu Josef Francken", sagt Michels.

"Die Summen, die erfragt werden, werden immer größer", sagt der Sozialarbeiter. Oft gilt es, Zeiträume zwischen dem Antrag auf "Hartz IV" und der Auszahlung von Geld zu überbrücken. Auch Zuschüsse zum Essensgeld in Kindergärten oder Mietzuschüsse sind gefragt. Teilweise gewährt der Caritasverband Darlehen. In Zusammenarbeit mit der Sozialstiftung Xanten könne oft geholfen werden, zum Beispiel, wenn in einem notleidenden Haushalt der Herd oder die Waschmaschine ausfällt. In Rheinberg unterhält der Caritasverband ein Lager mit Möbeln aus zweiter Hand. Damit lassen sich preisgünstig ganze Wohnungen einrichten. Gleichzeitig finden im Möbellager zwölf Menschen Beschäftigung, denen der Caritasverband zum Beispiel nach langer Arbeitslosigkeit in ein geregeltes Leben zurückhilft.

(RP)