Bundesfest 2018 in Xanten: Die Schießwettbewerbe haben begonnen

Bundesfest der Schützen in Xanten: Heute ein König

Wer wird Nachfolger von Bundeskönig Hermann-Josef Degen? Seit 9 Uhr haben die Schießwettbewerbe auf dem Fürstenberg begonnen. Wir waren dabei.

Wilfried Welbers atmet tief durch. Seine Beine stehen fest auf dem Boden, gut 80 Zentimeter Platz ist zwischen dem linken und dem rechten Fuß. Sein Körper ist angespannt, er atmet noch einmal tief durch und schießt. Einmal, zweimal, dreimal. Mehr Schüsse darf er im sogenannten Wertungsschießen mit seiner Walter Kleinkaliber 500 nicht abgeben. Er dreht sich um, schaut skeptisch drein. „Das war nicht so wie ich es mir vorgestellt habe“, sagt Welbers wenige Minuten später. In der Hand hält er seine Scheibe mit den Probeschüssen. Sechs Schuss hat er innerhalb von fünf Minuten abgegeben. „Das war eigentlich noch ganz ordentlich.“

Es ist Bundesfest in Xanten. Und seit 9 Uhr haben die Schießwettbewerbe des Bundes der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften (BHDS) auf der Gemeinschaftsschießanlage auf dem Fürstenberg begonnen. 97 Kandidaten, darunter 18 Frauen, treten an. Sie alle sind König beziehungsweise Königin in den jeweiligen Bezirksverbänden. Welbers, der Mitglied der ausrichtenden St.-Victor-Bruderschaft Xanten ist, ist zweiter Bezirkskönig des Bezirksverbandes Moers ist. Es ist das zweite Mal, dass er an den Schießwettbewerben zum Bundeskönig teilnimmt. „1985 war ich schon einmal dabei“, sagt 58-Jährige. Der Sportschütze hat sich intensiv vorbereitet. Zweimal in der Woche war Training. Ob sich dieses Engagement ausgezahlt hat, wird sich heute (15. September) um 17 Uhr auf dem Markt zeigen. Dann verkündet Hochmeister Dr. Emanuel Prinz zu Salm Salm, wer der neue Bundeskönig ist.

Welbers war Mitglied der zweiten Lage. „Jeweils sechs Schützen schießen gleichzeitig auf die Wertungskarten. Bei den Proben kommen noch die Helfer im Schießstand hinzu, beim Wertungsschießen ist nur noch die Aufsicht mit von der Partie“, sagt Bundesschießmeister Hans-Dirk Coppeneur. Sein Vorgänger Walter Finke, der nun stellvertretender Bundesschützenmeister des BHDS ist, erklärt das Prozedere. „Wir planen für jede Lage etwa 20 Minuten Zeit ein. Zuerst melden sich die Schützen an, dann richten sie sich ein. Im Anschluss gibt es fünf Minuten Zeit für das Probeschießen. In dieser Zeit darf so oft geschossen werden wie man möchte. Darauf folgt das Wertungsschießen. Dann dürfen nur noch drei Schüsse innerhalb von fünf Minuten abgegeben werden. Das ist für die Schützen Anspannung pur.“ Welbers kann das bestätigen: „Die körperliche Anspannung ist die größte Herausforderung.“

  • Rund 5000 Menschen feiern pro Abend
    Ein Erklärungsversuch : Deshalb lieben Rheinländer das Oktoberfest

Damit die Wettbewerbe auch fair verlaufen, müssen alle Teilnehmer den gleichen Anschlag wählen. „Die linke Hand umfasst die Stange, auf den Handrücken darf das Gewehr aufgelegt werden. Und dann nur noch gut zielen“, sagt Coppeneur. Auf die 50 Meter entfernte Scheibe, um genau zu sein. 30 Ringe sind die Höchstpunktzahl. Falls es mehrere Schützen mit dieser Punktzahl gibt, entscheidet die Technik. „Wir messen die Abweichung in tausendstel Millimeter“, sagt Finke. „Je kleiner der Wert, desto besser ist der Schütze.“

Wilfried Welbers ist mit seiner Leistung nicht zufrieden. „Mein zweiter Schuss kam nicht dort an, wo er hingehört hätte. Da nützt die beste Technik nichts, wenn die innere Ruhe nicht stimmt.“ Coppeneur klopft ihm auf die Schulter und sagt: „Wer weiß, wofür es gut ist.“ Der Titel Bundeskönig bringe schließlich auch seine Verpflichtungen mit. „Von Mitte April bis Mitte September repräsentiert man den Bund. Das sind ein bis zwei Termine pro Wochenende.“

Hier geht es zur Bilderstrecke: Bundesfest 2018 in Xanten: Bilder vom zweiten Tag