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Bürgerbus Sonsbeck: Seit 20 Jahren für die Bürger unterwegs

Bürgerbus Sonsbeck : Seit 20 Jahren für die Bürger unterwegs

Am 14. Juni 2000 wurde ein Verein gegründet, der eine Lücke im Nahverkehrsnetz auf dem Land schloss: Seitdem hat der Bürgerbus Sonsbeck mehr als 150.000 Fahrgäste transportiert. Grund genug für eine Würdigung.

Wer auf dem Land lebt, weiß das Leben dort sehr zu schätzen. Die saubere Luft, die Weite, die Natur. Aber das Landleben hat auch Nachteile. Einen zumindest, und den vor allem für Menschen ohne Auto oder Führerschein: Man kommt schwer von A nach B, zum Arzt, Krankenhaus oder Einkaufszentrum, wenn man weit ab vom Schuss lebt. In Haus Schöneck in Labbbeck beispielsweise. Oder zeitweise auf einem der Campingplätze Kerstengenshof oder Spetenkath. Da fährt kein Bus – fuhr bis vor 20 Jahren kein Bus, muss man eigentlich sagen. Denn seit 20 Jahren kommt man auch von dort nach A oder B, wenn man nicht selbst mobil ist: Am 14. Juni 2000 gründeten Sonsbecks Altbürgermeister Leo Giesbers, Georg Tigler, Theo Müser und Hanswalter Severing als Vorsitzender den Verein Bürgerbus Sonsbeck, fünf Tage später trat der heutige Geschäftsführer und Kassierer Torsten Kröll dem Verein bei.

Am 5. März 2001 wurde der Fahrbetrieb aufgenommen, die erste Fahrt mit dem zu 100 Prozent vom Land und Kreis Wesel geförderten Sprinter ging von Sonsbeck über Veen (und zurück) und Labbeck nach Xanten (Krankenhaus). Anfangs wurden noch der Pauenhof und die Reichswaldstraße mit angefahren, später aber gestrichen, da der Bedarf hier zu gering war. Die kleineren Ortsteile zu vernetzen, sie an den Hauptstandort Sonsbeck anzubinden und eine Verbindung zum Krankenhaus in Xanten zu schaffen war vor 20 Jahren Ziel des Projektes „Bürgerbus“, das tatkräftig von der Niag und dem Trägerverein „Pro Bürgerbus“ unterstützt wird.

An fünf Tagen in der Woche, täglich von 8 bis 18.30 Uhr, sitzen um die 30 aktive Fahrer wechselweise am Lenkrad dieses Kleinbusses, der acht Sitzplätze hat, mit einer Rampe ausgestattet ist und somit auch Menschen im Rollstuhl, mit Rollator oder Eltern mit Kinderwagen einen mühelosen Einstieg ermöglicht. Stephanie Häring stellt die Fahrpläne auf und teilt die Fahrer ein, die an fünf Wochentagen im Zwei-Schichten-System alle zwei Stunden die gleiche Strecke abfahren und dabei 27 Haltestellen ansteuern: Sonsbeck - Veen - Labbeck - Xanten (Krankenhaus) und zurück. Start und Ziel ist am Neutorplatz. 51.000 Stunden haben die ehrenamtlichen Fahrer bisher am Steuer gesessen, haben es in den 20 Jahren auf mehr als 1.530.000 Kilometer geschafft und bis heute mehr als 150.000 Fahrgäste befördert. Und: Außer kleineren Blechschäden hat es bis heute keine Personenschäden gegeben. Es gilt übrigens der „Inseltarif“: Der VRR-Tarif wird nicht akzeptiert, die Fahrkarte kostet je nach Streckenlänge 1,00 bis 2,50 Euro, Schwerbehinderte fahren kostenfrei mit. Gleiches gilt für den Inhaber einer Kurkarte, der innerhalb Xantens keinen Fahrschein braucht.

Seit einigen Wochen fährt allerdings kein Bürgerbus mehr. Grund: Corona. Denn die Fahrer, von denen übrigens zwei Drittel männlich sind, gehören durch ihr Alter zur sogenannten Risikogruppe. Ob der Bus ab Juli wieder Fahrt aufnimmt, hängt vom Ergebnis einer Umfrage ab, die der Vorstand in den nächsten Tagen startet. Sollten sich genügend Fahrer bereit erklären, sich ans Steuer zu setzen, wird der Kleinbus präpariert, bekommt einen „Spuckschutz“ (Acrylglas oder Folie zwischen Fahrerkabine und Passagierraum), Desinfektionsmittel wird ausgelegt. Die Fahrgäste werden gebeten, Kleingeld mitzubringen. In seiner Sitzung am 30. Juni will der Vorstand dann eine Entscheidung treffen, wann es wieder los geht.