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Brütendes Paar in Xanten: Zu Besuch bei der Eulenfamilie Ullenboom

Brütendes Pärchen in der Stadt : Zu Besuch bei der Eulenfamilie Ullenboom

Zum zweiten Mal in Folge bezieht ein brütendes Waldohreulenpärchen drei Gärten in der Antoniusstraße in Xanten. Eine Seltenheit in der Stadt. Die Anwohner haben die Vögel in ihr Herz geschlossen.

„Dort hinter dem großen Ast sitzt die Eulenmutter“, sagt Klaus Wolfertz und zeigt auf den großen Kirschbaum im Garten. Was er mit seinen bloßen Augen sehen kann, ist für viele nicht einmal mit dem Fernglas erkennbar, das er immer zur Hand hat und Besuchern gern zur Verfügung stellt. „Eulen können sich gut tarnen. Aber ich bin mittlerweile so geübt, dass ich sie auch immer zu sehen bekomme, wenn sie sich verstecken“, sagt er.

Zum zweiten Mal in Folge hat sich ein brütendes Waldohreulenpärchen in drei Gärten in der Antoniusstraße niedergelassen. In dem Garten der Neerincx’ steht der Kirschbaum, in dem sich die Euleneltern Uli und Ulrike Ullenboom, wie sie liebevoll genannt werden, meistens aufhalten. Im Garten der Brors befindet sich der „Kindergarten“ – denn dort bekommt man am häufigsten die drei Eulenkinder zu sehen, die vor einigen Wochen geschlüpft sind und nun die Gegend unsicher machen. „Der Garten ist sehr verwinkelt und bewachsen, das mögen die neugierigen Jungen sehr gerne“, erklärt Wolfertz. In seinem Garten sind der Apfelbaum und die Turnstange sehr beliebt. Und so fliegen und hüpfen sie zwischen den drei Gärten hin und her, man kann sich nie ganz sicher sein, auf welchem Grundstück sie gerade sind.

Vor allem während der Corona-Zeit seien die Eulen eine willkommene Abwechslung gewesen, berichtet Jürgen Neerincx. „Wir haben sehr viel Zeit im Garten verbracht und konnten die Eulen in diesem Jahr viel aufmerksamer beobachten.“ Paarungszeit, Flugversuche, Eulen-Gespräche – die drei Nachbarsfamilien sind immer ganz nah dabei. Und haben so ein besonderes Verhältnis zu den Tieren aufgebaut. „Bei uns in der Familie sind die Eulen einfach immer Thema. Jedes Mal, wenn wir die Terrasse betreten, fragen wir uns automatisch: Wo sind sie, wie geht es ihnen und was haben sie neues gelernt?“

Auch einiges an Eulen-Wissen haben sie sich mittlerweile angeeignet. So hat Neerincx beobachten können, dass die Tiere miteinander kommunizieren, bevor sie auf Beutejagd gehen. Die kleinen beginnen zu fiepen, die Eltern antworten mit einem Fauchen. Manchmal bellen sie auch, so dass sie wie Hunde klingen. Die Jungen haben jetzt auch schon versucht, das Bellen zu imitieren. „Am spannendsten ist es, in der Dämmerung draußen zu sein, dann beginnt das Spektakel“, erklärt er.

Wolfertz versucht, die vielen lustigen Situationen mit den Eulen einzufangen. Ein Stativ steht in seinem Garten, fast jeden Tag fotografiert oder filmt er das Geschehen. „Oft schlage ich mich mit meiner Kamera durch das Gestrüpp, verrenke meinen Hals und suche eine Eule in den Bäumen“, sagt er. Nicht selten sitzt die gesamte Meute direkt neben ihm auf dem Komposthaufen oder der Turnstange und beobachtet ihn mit großen Augen.

Eulen, die mitten in der Stadt brüten – das sei etwas ganz Besonderes, betont Gerd Böllerschen, Eulenexperte beim Naturschutzbund in einem Gespräch mit Klimaschutzmanagerin Lisa Heider, „Wir haben in Xanten die luxuriöse Situation, dass den Eulen in der Stadt alles geboten wird. Es gibt viele alte Bäume mit alten Krähen- oder Elsternnestern, die sie als Nistplätze nutzen. Gleichzeitig gibt es offene Flächen für den Beutefang“, sagt er.