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Brexit: Engländer aus Xanten wird Deutscher

Reaktion auf Brexit : Engländer aus Xanten wird Deutscher

Peter Nasskau wurde in London geboren. Seit mehreren Jahren lebt er mit seiner Frau Marion am Niederrhein. Wegen des Brexits nimmt er die deutsche Staatsangehörigkeit an.

Jahrelang spielte es keine Rolle, welche Staatsangehörigkeit sie haben. Zwar ist Peter Nasskau in Großbritannien geboren worden und seine Frau in Deutschland. „Aber das war bisher überhaupt nicht wichtig“, sagt der Engländer. „Wir konnten unser Leben frei gestalten, über Grenzen hinweg“, ergänzt seine Frau Marion. „Die Europäische Union und das Recht auf freies Reisen, Arbeiten und Wohnen hat es möglich gemacht.“

Jedoch will Großbritannien in etwa zwei Monaten aus der Europäischen Union (EU) austreten, und bisher sieht es nicht danach aus, als würden sich beide Seiten noch rechtzeitig auf ein Austrittsabkommen einigen. Den Brexit-Deal, den die britische Premierministerin Theresa May mit der EU ausgehandelt hat, lehnte ihr Parlament ab, und deshalb ist unklar, welche Rechte künftig Engländer in Deutschland und Deutsche in England haben. „Ob die europäischen Freiheiten für meinen Mann bestehen bleiben oder mit dem Brexit verloren gehen“, sagt Marion Nasskau, „steht in den Sternen.“

Also traf Peter Nasskau eine Entscheidung. „Es ist ein komisches Gefühl, sich nach so vielen Jahren Gedanken über die Staatsangehörigkeit machen zu müssen“, erzählt der 66-Jährige. Seit fast 40 Jahren sind er und seine Frau verheiratet. Damals ging sie für ihn nach Großbritannien, arbeitete als Lehrerin, während er sein Geld in der IT-Branche verdiente. Sie bekamen zwei Söhne, zogen sie groß. Aber 2011 verließen die Eheleute die britische Insel, seitdem leben sie am Niederrhein, und für den gebürtigen Londoner ist Xanten-Vynen eine zweite Heimat geworden. Das hätten er und seine Frau nicht aufgeben wollen. „Ich lebe jetzt seit acht Jahren hier und fühle mich wirklich akzeptiert.“ Es sei ihm deshalb nicht schwer gefallen, die deutsche Staatsangehörigkeit anzunehmen. Die Sprachprüfung und den Einbürgerungstest habe er auch problemlos bestanden.

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Vor knapp zwei Wochen hat er nun im Kreishaus in Wesel seine Einbürgerungsurkunde erhalten. Es sei ein bewegender Moment gewesen, erzählt Peter Nasskau. Engländer sei er durch seine Geburt geworden. Dass er nun aber auch Deutscher ist, sei eine bewusste Entscheidung gewesen. Seinen britischen Pass kann er behalten. EU-Bürgern ist in Deutschland eine Mehrstaatigkeit erlaubt, also auch Briten – noch jedenfalls. Nach dem Brexit könnte das anders aussehen. Vielleicht haben sich deshalb Landsleute von Peter Nasskau genauso entschieden wie er: 2017 nahmen knapp 7500 Briten die deutsche Staatsangehörigkeit an. 2015, also vor dem Brexit-Referendum, waren es nur 622 gewesen.

„Ich bin enttäuscht und finde es falsch, dass Großbritannien den europäischen Traum aufgeben will“, sagt Peter Nasskau. Seine Frau Marion ist Europabeauftragte der SPD Kreis Wesel, durch ihre Lebensgeschichte fühlt sie sich in ihrer politischen Überzeugung bestärkt. „Ich kämpfe für die Einheit Europas“, sagt sie mit Blick auf den 26. Mai, wenn das Europa-Parlament gewählt wird. Der anstehende Brexit zeige, wie schnell Errungenschaften verloren gehen könnten. „Europa hat meiner Familie und mir vieles ermöglicht, und ich möchte, dass diese Freiheiten auch für andere Generationen bestehen bleiben.“