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Mal So Gesehen: Bönning-Gate - ein Menzelen-Schild macht fassungslos

Mal So Gesehen : Bönning-Gate - ein Menzelen-Schild macht fassungslos

Bönning-Rill, das kleine sympathische Örtchen in der Gemeinde Alpen, ist in Aufruhr. Die Menschen zwischen Grünthal-Kreuzung und Mühle verstehen die Welt nicht mehr. Denn seit kurzem steht auf dem kleinen Römerweg zwischen der Kirmeswiese und dem Schützenhaus der St.-Heinrich-Bruderschaft ein Ortseingangsschild. Darauf steht: Menzelen. Mitten in Bönning-Rill, 100 Meter von der Mühle entfernt. Nicht Bönning, nicht Rill, nicht Bönning-Rill - nein: Menzelen. Ein Skandal. Man spricht schon von Bönning-Gate.

Johannes Heilen von den St.-Heinrich-Schützen hat seinem Vater Theobald von dem Schild erzählt, bei einer Familienfeier im Schützenhaus. Der alte Herr sei fix und fertig gewesen. Menzelen, mitten in Bönning-Rill - das konnte er nicht verstehen. "Mein Vater ist 90, geht nicht mehr gern vor die Tür und ist auch schon ziemlich vergesslich", beschreibt Johannes Heilen. Aber das Schild habe Heilen senior mit eigenen Augen sehen wollen. Der Sohn habe ihn dorthin führen müssen. Mit fachmännischem Griff stellte der 90-Jährige fest: "Nicht in Beton gegossen, das muss man doch irgendwie rauskriegen." Sofort habe er angefangen, daran zu rütteln. Der Sohnemann hielt ihn ab, die lokalpolitische Überzeugungstat zu vollenden. Obwohl er ihn eigentlich gern angespornt hätte, wie er zugibt. Theobald Heilen schickte noch die Frage übers Feld: "Welcher Stümper ist denn wohl für dieses Schild mitten in Bönning-Rill verantwortlich?" Dann kehrten Vater und Sohn kopfschüttelnd zur Feier zurück. Nun pflegen die Bönning-Riller gute nachbarschaftliche Beziehungen zu Menzelen - zu Ost ebenso wie zu West. Sie wissen auch, dass Bönning-Rill nicht den gleichen kommunalen Stellenwert hat wie Menzelen oder Veen, aber trotzdem finden die Bönning-Riller es befremdlich, dass genau an dieser Stelle plötzlich ein Ortseingangsschild für Menzelen aufgestellt worden ist. Dort, wo noch nie eines gestanden hat und wo kaum ein Auto fährt. "Wir wüssten gern, wer dieses Schild warum dort hat aufstellen lassen und damit einen Stachel in unser heimatverbundenes Herz getrieben hat", konstatiert Johannes Heilen. Bürgermeister Thomas Ahls gerät in Anbetracht dieser Welle der Empörung nicht gleich in Stottern, zeigt aber Mitgefühl. "Ich verstehe das gut", sagt das Gemeinde-Oberhaupt. Aber aus der Politik sei der Hinweis gekommen, dass auf dem Römerweg kein Schild stehe und die schmale Straße damit außerhalb geschlossener Ortschaft liege. Was bedeutet: Dort durfte man 100 fahren. Zunächst sei ein Tempo-50-Schild aufgestellt worden, nun die Menzelen-Tafel. Da verweist Ahls auf die Hauptsatzung der Gemeinde, die besagt: Nur Alpen, Bönninghardt, Veen und Menzelen seien "richtige" Ortsteile. Gelbe Ortseingangsschilder wirkten sich geschwindigkeitsregelnd aus, nicht aber die grünen, Mini-Orten vorbehaltenen Schilder.

Nun stehen die Bönning-Riller da und schauen fassungslos auf den Schriftzug "Menzelen". Hoffend, dass eine höhere Macht ein Einsehen hat und das Schild eingetauscht wird gegen eines, auf dem unter "Menzelen" wenigstens noch klein "Bönning-Rill" steht. UWE PLIEN

(RP)