Blühstreifen am Ostwall in Xanten: Auch wilde Wiesen brauchen Pflege

Blühstreifen am Ostwall : Auch wilde Wiesen brauchen Pflege

Das Mähen des Blühstreifens am Ostwall verärgert manche Kurparkbesucher. Aber es muss sein, damit nicht Unkraut die Blütenpracht überwuchert.

Xanten Zweimal im Jahr liegt das Paradies von Schmetterlingen, Bienen und was sonst durch die Luft fliegt, förmlich niedergemäht am Boden. Dann haben die Mitarbeiter des Dienstleistungsbetriebs Xanten (DBX), die auch für die Pflege des Kurparks zuständig sind, auf der Wildblumenwiese am Ostwall ganze Arbeit geleistet. Für einige Zeit bleiben die Blumen noch liegen, dann wird alles aufgelesen und entsorgt. Sieht zwar nicht schön aus, stieß im vergangenen Jahr auch auf teilweise heftige Kritik bei Passanten, aber „muss sein“, sagt Horst Redmer vom Naturschutzbund (Nabu) über die Mähaktion. Ansonsten wäre der Boden extrem nährstoffreich – ideale Grundlage für Brennnesseln, Gras und Disteln. Dank der Mähaktion aber können erneut und dann andere Blumensorten wachsen und als Nahrungsquelle für Insekten dienen.

Die Wildblumenwiese, die sich über die gesamte Ostwalllänge entlang der B 57 erstreckt, steht für Artenvielfalt. Das ist auch gut so, um möglichst vielen Insektenarten Futter anzubieten. Schmetterlinge und Co. sind wählerisch. Sie lassen sich nicht von jeder Blume anlocken, sondern haben ihre Vorlieben.

Der Samen von rund 25 Blumensorten ist ausgestreut. Aber nicht jede Sorte geht auch an. Redmer: „Das ist ganz normal.“ 2018 zum Beispiel war das Jahr der Korn- und Mohnblumen. „Nun haben wir extrem viel Margeriten“, erläutert Elke Demuth, ebenfalls vom Nabu, beim Gang entlang der Wiesen, auf denen sich Abertausende dieser weißen Blumen sachte im Lüftchen wiegen. Weiß beherrscht derzeit das Bild, doch wer genauer hinschaut, entdeckt auch Mohnblumen, Schafsgarbe, Wiesenbocksbart, Lichtnelken und Natternkopf. „Der DBX muss zwangsläufig eingreifen, um diese Vielfalt herzustellen“, sagt Demuth. Beide Nabu-Vertreter bitten um Verständnis, dass nicht sofort nach dem Mähen auch alles zusammengerecht wird. „So gelangen die Samen in den Boden.“

Inmitten der Wildblumenwiese sind Insektenhotels aufgestellt. Foto: Fischer, Armin (arfi)

Für jene, die zu Hause eine Wildblumenwiese anlegen möchten, haben Redmer und Demuth drei Tipps: Man sollte möglichst einheimische Sorten aussäen und sie so auswählen, dass sie zu unterschiedlichen Zeiten blühen. Damit liefern sie während der gesamten Vegetationsperiode durchgängig ein Nahrungsangebot. Außerdem sollte man auf Sorten verzichten, die zusätzliche gezüchtete Blütenblätter haben, die Insekten den Zugang zu Pollen und Nektar verwehren. Der Fachmann spricht von gefüllten Blüten.

Grundsätzlich positiv sind nach den Worten der Nabu-Vertreter auch die Insektenhotels, die an mehreren Stellen aus dem Meer der Blumen herausragen. In den Röhrchen und Ecken der kleinen Holzhäuschen finden verschiedene Insektenarten Unterschlupf und können dort ihre Eier ablegen.

Manche Häuschen sind im Handel gekauft, andere haben Schüler der Gesamtschule im Unterricht gewerkelt und der Stadt für den Kurpark übergeben. „Eine gute Sache“, lobt Redmer dieses Engagement. „Die Schüler haben viel Arbeit reingesteckt.“ Er hat noch einige Vorschläge, wie sich die Unterkünfte möglicherweise mit einfachen Mitteln optimieren ließen. Auf Tannenzapfen und größere Strohreste sollte man verzichten. „Larven haben Fressfeinde. Die sitzen gerne dort drin“, erläutert er. Natürliche Feinde von Wildbienen, Wespen oder Flurfliegen sind zum Beispiel Spinnen und Ohrenkneifer.

Der Naturschutzbund hat auf seiner Homepage einen Flyer als PDF eingestellt mit Infos, wie ein Insektenhotel gebaut sein sollte. Homepage: www.nabu.de. Lokale Gruppe: nabu-xanten.de

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