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Betriebliche Einzelumschulung - Beispiel aus Xanten: Von der Hilfskraft zum Facharbeiter

Betriebliche Einzelumschulung : Von der Hilfskraft zum Facharbeiter

Vor Jahren brach Michael Gradzki die Lehre ab und jobbte als Helfer in einem Dachdeckerbetrieb. Aber er bekam eine zweite Chance auf eine Ausbildung – nach einer Umschulung hat er die Gesellenprüfung mit der Note 1,1 bestanden.

Der erste Anlauf nach der Schulzeit, sich zum Dachdecker ausbilden zu lassen, ging bei Michael Gradzki mächtig in die Binsen. In seinem früheren Ausbildungsbetrieb im Oberhausen hatte das interne Arbeitsklima nicht gepasst. Daher kündigte er noch im ersten Lehrjahr und jobbte statt dessen und „aus der Not heraus“, wie er sich erinnert, als Helfer beim Xantener Dachdecker Giltz Bedachungen. Bis sich für ihn die Möglichkeit eröffnete, mit Unterstützung der Bundesagentur für Arbeit als Auszubildender des Unternehmens an einer betrieblichen Einzelumschulung teilzunehmen und doch noch die Gesellenprüfung abzulegen. In diesem Sommer hat er die Gesellenprüfung mit der Note 1,1 bestanden. „Und das Unternehmen hat eine wertvolle Fachkraft gewonnen“, sagt Wolfgang Beckmann-Lipp vom Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit in Wesel.

Dachdecker sind gesuchte Handwerker. 53 Ausbildungsstellen sind im Kreisgebiet derzeit noch unbesetzt, außerdem werden 37 Gesellen und vier Meister gesucht. „Die betriebliche Einzelumschulung richtet sich zum Beispiel an Menschen, die ihre Ausbildung nicht abgeschlossen haben, die aber daran interessiert sind, einen beruflichen Abschluss zu erwerben“, berichtet Sabine Hanzen-Paprotta. Die Pressesprecherin der Arbeitsagentur weiß, dass der Bedarf an solchen Angeboten groß ist, denn fast jeder fünfte Arbeitslose hat keinen Berufsabschluss. „Und der Markt an Fachkräften im Handwerk ist leergefegt.“

Die betriebliche Einzelumschulung richtet sich aber auch an Menschen im vorgerückten Arbeitsalter. Es gab Teilnehmer, die waren 30 Jahre und älter, für den Pflegeberuf gibt es sogar Menschen um die 50. Eine wichtige Voraussetzung für die Teilnahme an dem Programm ist eine mehrjährige Erfahrung in dem Beruf. Die konnte der Xantener Michael Gradzki als Helfer in dem Dachdeckerunternehmen vorweisen. Dadurch übersprang er das erste Ausbildungsjahr und war schon nach zwei und nicht nach den üblichen drei Jahren zur Gesellenprüfung zugelassen.

Unternehmerin Coletta Giltz freut sich über ihren neuen qualifizierten Mitarbeiter. Während der Lehrjahre hat sie mehr als das vorgeschriebene Ausbildungsgehalt gezahlt, das im ersten Jahr bei 760 Euro beginnt und sich zuletzt auf 1160 Euro steigert. Grundlage für das Gehalt von Michael Gradzki war sein Stundensatz als Helfer. Die Unternehmerin weiß, wie schwierig es ist, Jugendliche für den Dachdeckerberuf zu interessieren. Gern würde sie auch Mädchen und Frauen einstellen. Doch seit der Gründung des Handwerksbetriebs 2005 seien von dieser Seite noch keine Bewerbungen eingegangen, bedauert sie.

Für Pressesprecherin Hanzen-Paprotta ist die betriebliche Einzelumschulung ein guter Weg, um an dringend benötigte Fachkräfte zu kommen, zumal dieser Weg finanziell gefördert wird. Die Agentur für Arbeit kann einen Gehaltszuschuss zahlen und eine Reihe von Kosten übernehmen, zum Beispiel für die Arbeitskleidung oder für Lehrgänge und Lernmittel. Für den Arbeitnehmer wiederum können Fahrkosten sowie die Kosten für eine auswärtige Unterbringung und für einen zusätzlichen Förderunterricht übernommen werden. Außerdem erhalten die Auszubildenden bei bestandener Zwischen- und Abschlussprüfung eine Prämie von 1000 oder 1500 Euro.