Xanten: Behinderten-WC bleibt ein Ärgernis

Xanten: Behinderten-WC bleibt ein Ärgernis

Bürgermonitor "Problem Markttoilette": kein Dach, Schlüssel passt nicht, Türen kollidieren und es fehlt ein Handlauf.

Seit seinem Unfall vor drei Jahren sitzt Daniel Mowagharnia im Rollstuhl. Und seither kann er nachvollziehen, mit welchen Hindernissen Menschen mit Behinderungen zu kämpfen haben, wenn sie beispielsweise einem dringenden Bedürfnis nachgehen müssen. Beispiel Markttoilette: Zwar gibt es hier ein Behinderten-WC, aber das ist immer abgeschlossen. Man kann auf Antrag und unter Vorlage eines Behindertenausweises beim TBF in Darmstadt Schlüssel bekommen. 30 Euro kostet der. Und damit kann man in jeder bundesdeutschen Stadt die Tür der Behinderten-Toilette aufschließen.

Kann wohlgemerkt. Gestern Mittag an der Markt-Toilette: Hermann Schröder hatte einen Schlüssel am Bund, aber der passte nicht ins Schloss. Und noch ein Problem hat der 41-Jährige, der an der Nervenkrankheit MS erkrankt ist: Mit seinem Elektro-Scooter kommt er so gerade eben in den Fahrstuhl. Das ist Millimeterarbeit.

Und da tut sich das nächste Problem auf: Die Tür zum Fahrstuhl lässt sich zwar auf Knopfdruck öffnen - aber der Knopf sitzt direkt neben der Tür. "Außen am Treppengeländer müsste ein Steuerungsknopf angebracht werden", findet Daniel Mowagharnia. Genau wie es im Fahrstuhl selber einen Knopf zum Verschließen und Öffnen der Tür geben müsste. Gibt es aber nicht, eine Klinke übrigens auch nicht. Rollstuhlfahrer müssen schon gut beweglich im Oberkörper sein, um sich nach hinten zu drehen und die Tür zu schließen.

Außerdem fehlt am Fahrstuhl eine Überdachung, die Tür kollidiert unten mit der Tür zum Behinderten-WC. Auch der Treppenabgang ist für Menschen mit Gehbehinderung nicht einfach zu bewältigen: Es gibt zwar rechts und links und seit einiger Zeit auch mittig einen Handlauf. Zwischen dem und einer Seite ist aber zwei Meter Platz - zu viel, um sich mit beiden Händen rechts und links festhalten zu können.

Probleme, die beim jüngsten Treffen der Initiative "All Inclusive" thematisiert wurden. Am 22. Februar gab es eine Begehung der Toilettenanlage auf dem Markt, an der neben dem sehbehinderten Wolfgang Diamant als Vorsitzendem des Inklusionsbeirates, seiner Ehefrau und Hund Maja auch die gehbehinderte Angela Weniger, Daniel Mowagharnia, Xantens Behindertenbeauftragter Michael Verhalen und Harald Rodiek, Leiter des Dienstleistungsbetriebes Xanten (DBX), teilgenommen haben. Der Inklusionsbeirat will Abhilfe schaffen (lassen) und entsprechende Anträge an den Bürgermeister stellen: Fahrstuhl überdachen, Tür-Kollision unten ausmerzen, zwischen Mittelgeländer und einer Seite einen weiteren Handlauf bauen (viertes Geländer) - auch wenn es vielleicht nicht schön aussieht.

"Es geht nicht darum, die Stadt schlecht zu machen oder zu kritisieren", sagt Daniel Mowarghania, der es traurig findet, dass die beste Behinderten-Toilette "die im Teatro ist". Und das Thema sei zu wichtig, um es zur Sache einer Partei zu machen. Der Inklusionsbeirat will einen entsprechenden Antrag an den Rat formulieren.

AmMittwoch, 14. März, kommt der Inklusionsbeirat um 17 Uhr im Raum 114 des Xantener Rathauses zusammen und berät.

(jas)