1. NRW
  2. Städte
  3. Xanten

Autofreier Tag in Xanten Intevriew mit „Ein autofreier Wochentag wäre sinnvoller“

Interview mit Lisa Maria Heider und Niklas Franke : „Ein autofreier Wochentag wäre sinnvoller“

Die Klimaschutzmanagerin und der Technische Beigeordnete sprechen über eintägige Sperrungen für den motorisierten Verkehr.

In Xanten soll es in diesem Jahr einen Tag geben, an dem Straßen in der Stadt für Autos gesperrt werden. Der Vorschlag dazu kam von Maja Winnekens und Anne Jochim, der Stadtrat hat es einstimmig beschlossen. Für unsere Redaktion sprachen die beiden Schülerinnen mit Klimaschutzmanagerin Lisa Maria Heider und dem Technischen Beigeordneten Niklas Franke über die Umsetzung.

Frau Heider, Herr Franke, für wann planen Sie den autofreien Tag?

Lisa Maria Heider Wir können uns noch nicht festlegen. Da sehr viel Planung in so einem Tag steckt, wollen wir diesen Tag lieber in die zweite Hälfte des Jahres 2020 schieben. Eine Möglichkeit wäre, dass der autofreie Tag im Rahmen der europäischen Mobilitätswochen im September stattfindet.

Niklas Franke Wir haben auch grundsätzlich noch einmal überlegt, ob es unbedingt ein Sonntag sein muss. Das wird traditionell so gemacht, weil die Menschen damit besser klarkommen, weil weniger Menschen zur Arbeit fahren müssen und auch die Fahrten zu den Schulen wegfallen. Aber aus Klimaschutzgesichtspunkten ist es sinnvoller, einen Wochentag dafür zu nehmen. Man könnte dann auch die Schulen einbeziehen. Das würde die Kinder zum Nachdenken über die Frage bringen, wie sie täglich zur Schule kommen und ob das Mamataxi wirklich notwendig ist.

Wenn der autofreie Tag ein Werktag sein wird, wie kommen dann die Menschen zur Arbeit?

Heider Das ist eine der Fragen, mit denen wir uns beschäftigen. Bestimmte Grundbedürfnisse müssen erhalten bleiben. Darunter fällt der Weg zur Arbeit und die Frage der Sicherheit, also ob die Zufluchtswege zum Krankenhaus und für die Feuerwehr frei sind. Erst wenn das geklärt ist, können wir schauen, welche Straßen wann und für wie lange gesperrt werden können.

Franke Denkbar wäre auch, dass man morgens noch mit dem Auto zur Arbeit fahren kann und der autofreie Tag um acht Uhr beginnt. Das wäre einfacher zu organisieren. Natürlich wird man an diesem Tag auch CO2-Emissionen einsparen, aber im Grunde sehe ich diesen Tag als Versuch, die Denkweise von Menschen zu verändern. Was wir auch beachten müssen: Wir haben viele Touristen, gerade an den Wochenende im Sommer, und dann wissen die Gäste nicht, dass in Xanten ein autofreier Tag stattfindet. Das bedeutet, dass wir den Tag sehr groß bewerben müssen. Wahrscheinlich werden auch Menschen extra dafür hierher kommen. Aber wir müssen auch an die normalen Urlauber denken, und ich hoffe, dass sie diesen Tag mittragen und zum Beispiel mit dem Zug nach Xanten kommen und nicht mit dem Auto.

Wie stellen Sie sich den Ablauf eines autofreien Tages vor? Was soll an diesem Tag passieren?

Heider Im Mai gibt es schon das Stadtradeln. Deswegen könnte ich mir vorstellen, das der autofreie Sonntag dem Fußverkehr gewidmet wird. Ein Citylauf oder ein Staffellauf würden gut dazu passen. Eine Rallye könnte ich mir auch sehr gut vorstellen: Die Fußgänger müssen Aufgaben bewältigen und erleben dabei die Stadt zu Fuß ganz neu.

Franke Ich könnte mir auch vorstellen, dass es auf den autofreien Straßen Aktionen gibt, zum Beispiel dass man mit Inlinern darauf fahren kann oder dass Tische aufgestellt werden und dort gefrühstückt wird. Aber mich würde natürlich auch interessieren, was Sie sich unter diesem Tag vorgestellt haben, als Sie ihn beantragt haben.

Als wir den Antrag stellten, war unser einziger Gedanke, dass es gut wäre, wenn für einen Tag keine Autos in Xanten fahren würden. Mittlerweile denken wir, dass wir die Menschen damit auch zum Umdenken bringen wollen. Wir stellen uns das als einen friedlichen und schönen Tag vor.

Heider Meine Sorge ist nur, dass die Straßenverkehrsbehörde sagt, sie könne nur einzelne Straßen sperren – denn dann würde sich der Verkehr nur verlagern. Aber es soll ein autofreier Tag werden, an dem man über die Straßen laufen kann, über die sonst Autos fahren. Es wäre auch eine interessante Erfahrung, wenn man den kurzen Weg zum Bäcker oder zum Freund um die Ecke nicht mit dem Auto zurücklegen kann.

FRANKE Man kann auch darüber nachdenken, ob an diesem Tag ein Stück der Bundesstraße für den Autoverkehr gesperrt wird. Als 2010 das Ruhrgebiet Kulturhauptstadt Europas war, wurde ein Stück der A40 für einen Sonntag für den Autoverkehr gesperrt – ich war damals dabei, das war spannend.

Hat es damals etwas gebracht oder hat sich der Verkehr nur verlagert?

FRANKE An dem Tag habe ich Leute auf dem Fahrrad gesehen, die sonst wohl eher selten Fahrrad fahren, zumindest konnte man sehen, dass sie ihr Fahrrad jahrelang im Keller gehabt hatten. An diesem Tag hat es also sehr viel gebracht. Aber viele sind am nächsten Tag wahrscheinlich wieder ins Auto gestiegen, genauso wie zuvor auch, befürchte ich.

Warum dauert es eigentlich so lange, bis der autofreie Tag kommt?

Heider Ihre Idee ist eine von vielen Maßnahmen im Klimaschutzkonzept, und ich bin erst seit November hier. Noch in diesem Monat treffe ich mich mit dem Ordnungsamt, um zu besprechen, was möglich ist. Danach können wir planen.

Franke Und es ist keine einfache Frage, wie der autofreie Tag organisiert wird, das ließ sich nicht einfach nebenbei organisieren.