Ausstellung von Aloys Cremers in Xanten: Als Geburtstagskind mit nichts zufrieden

Ausstellung von Aloys Cremers in Xanten : Als Geburtstagskind mit nichts zufrieden

Zu seinem 70. Geburtstag eröffnet der Künstler Aloys Cremers eine Ausstellung im Rathaus. Zu sehen sind 30 Jahre Kunst am Niederrhein.

Aloys Cremers feiert seinen 70. Geburtstag in Xanten. Und schafft dafür einen Haufen Ideen herbei, die er in den vergangenen 30 Jahren am Niederrhein hatte. Skizzen, Bilder, Bücher, Drucke und Konzepte bringt er am Mittwoch, 4. Dezember, seinem Geburtstag, mit in den Ratssaal. In seiner Ausstellung „ArsUnique. Nichts als Theater“ zeigt der Künstler Ausschnitte seines jahrzehntelangen Schaffens in der Region. „Ich komm’ ja auch von hier“, sagt er. „Zwar von der holländischen Seite, aber von hier.“

Trotzdem sei „hier“ für ihn alles so anders gewesen als in seiner Heimat. Gut versteckte Gefühle und ein omnipräsentes „hier geht nichts, kann nichts, darf nichts.“ Nur die Römer. Was er dann gemacht habe? „Eigentlich nichts.“ Nichts bedeutet für den Künstler, nicht zu denken, sondern einfach alles herauszulassen, was er fühlt. Heraus kam etwa der Kunstmarkt Klein-Montmartre. Hier habe er die „deutsche Starrheit mit dem französischen Savoir-Vivre lecker locker holländisch zusammenfließen lassen“. Auch die Fußspuren in der Innenstadt waren seine Idee. Wer den in Ton gegossenen Abdrücken folgt, macht einen historischen Rundgang durch die Stadt.

Seit sechs Jahren malt er nicht mehr, sein Atelier in Rheinberg löste er 2015 auf. Er mache dafür etwas anderes: schreiben. „Wenn sich heute jeder Künstler nennen kann, obwohl er nicht malen kann, kann ich auch schreiben, obwohl ich’s nicht kann“, sagt er und spielt dabei auf seine „Grenzspraak“ an, die in seinen Texten bewusst nicht korrigiert wird. Denn dabei würde verloren gehen, was ihn ausmache – und dazu gehörten seine Fehler und Macken.

Das ist wohl auch eine seiner bedeutendsten Botschaften, die er an die Menschen richtet: nicht zu viel über das nachdenken, was man wolle und solle. „Ich lehre Menschen, nichts zu denken. Was du willst, wollen andere auch. Deswegen willst du es. Aber was du kannst – lass’ es raus“, betont er.

Fast die Hälfte seines Lebens hat Cremers am Niederrhein verbracht und war doch nie nur an einem Ort: Der Künstler ist insgesamt 80 Mal umgezogen, immer „on the Road (dt.: auf dem Weg) am Niederrhein zwischen Kerouac bis Kevelaer“. An vielen der Stationen hat der Xantener Fotograf Armin Fischer ihn bei seiner Arbeit verewigt. Eine Auswahl der entstandenen Fotografien wird ebenfalls im Ratssaal ausgestellt. Auch an Elfi Kluth, Künstlerin und ehemalige Kulturbeauftragte Xantens, erinnert er auf seine Weise: Er versteigert eines ihrer Lieblingsbilder für einen guten Zweck.

In Verbindung mit einer weiteren Spendenaktion steht sein neues Projekt „Virtuelles Museum“. Die Idee: Interessierte können für 20 Euro ein Kunstwerk von ihm kaufen, das sie mit nach Hause oder an einen Ort ihrer Wahl nehmen und dort fotografieren. Auf einer Plattform könne man sich alle verkauften Kunstwerke von ihm anschauen. Damit mache er sein eigenes Museum – er sammele Menschen, die Freude an seiner Kunst haben. „Und damit verarsche ich den ganzen Kunstmarkt.“ Der Erlös geht ebenfalls an einen guten Zweck.

Anlässlich seines runden Geburtstags wolle der Künstler vor allem eines: nichts als Theater machen. Wer weiß, was Cremers aus diesem Nichts macht. Denn er sagt selbst, und das gelte für jeden Menschen: „Mein Nichts ist nichts anderes als die Sensibilisierung der ungeahnte Fähigkeiten, die in jeden von uns stecken.“

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