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Außengastronomie in Xanten: Es gibt gute Gründe für Großzügigkeit

Kommentar zu Xantens Gastro-Meile : Locker bleiben

In Xanten wurde in dieser Woche heftig über die Außengastronomie am Verkaufsoffenen Sonntag diskutiert. Objektiv gibt wohl keinen Grund für die Stadt, von der Lockerung abzuweichen. Auch der Verband Dehoga plädiert für Großzügigkeit.

Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn’s dem bösen Nachbarn nicht gefällt – dieses Zitat aus Schillers Wilhelm Tell kommt einem unweigerlich in den Sinn, wenn man in dieser Woche die Debatte um die Sperrung der Gastro-Meile Klever Straße in Xanten am zurückliegenden Verkaufsoffenen Sonntag verfolgt. Da hat ein Anwohner mächtig Dampf abgelassen und noch mehr Gegenwind ausgelöst bei den Nachbarn, die sich bitter darüber beklagen, dass sie schon seit Jahren vom Beschwerdeführer drangsaliert werden. Vor diesem Hintergrund ist die Verärgerung verständlich, zumal es am Sonntag selbst auf der Straße zum erneuten Ausbruch des nachbarschaftlichen Konflikts gekommen sein soll.

Schade, dass durch gestörte nachbarschaftliche Beziehungen die gute Absicht im Rathaus, örtlichen Gastronomen nach all den Zumutungen in der Corona-Krise von Amts wegen mit Großzügigkeit ein wenig unter die Arme zu greifen, in Misskredit gerät. Die Anschuldigungen, dass es durch die Ausdehnung der Außengastronomie zwischenzeitlich zu drangvoller Enge „wie beim Oktoberfest“ gekommen sein soll, sind nicht weiter belegt oder von anderer, offizieller Seite bestätigt worden. Auch nicht, dass vorgeschriebene Rettungswege verstopft gewesen sein sollen. So spricht ebenso viel für den Verdacht, dass sich die Empörung letztlich darauf reduziert, dass sich Anwohner durch das touristische Treiben in ihrer Ruhe gestört fühlen.

Klar, die Stadt geht mit den Lockerungen in schwierigen Pandemie-Tagen ein – kalkuliertes – Risiko ein und muss genau hinschauen, ob alle Regeln eingehalten werden. Kein einfacher Job, wenn wieder viele in die Stadt kommen. Dem wird das Ordnungsamt am Verkaufsoffenen Sonntag in einer Woche in Xantens Innenstadt sicher besonders sorgsam nachgehen. Doch es spricht einiges für den Appell von Dehoga-Chef Kolaric an die Rathäuser, bei der Außengastronomie großzügig zu sein. Nachbarschaftlicher Unfrieden allein jedenfalls ist kein Grund, die lockere Leine anzuziehen. Damit wäre keinem gedient, den gebeutelten Wirten geschadet und vielen Auswärtigen die Freude getrübt. Pankraz Gasseling (CDU) hat Recht, dass jeder Wirt schon im eigenen Interesse alles tun müsse, um Gäste zu schützen.

Bernfried Paus

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