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Auftakt der Sommerfestspiele im Amphitheater Xanten mit Ingrid Kühne gelungen

Sommerfestspiele in Xanten : Spaß mit Streithähnen und Plüschtigern

Der Auftakt der Sommerfestspiele im Birtener Amphitheater hätte nicht besser glücken können. Prominente Comedians gaben sich bei Ingrid Kühnes Comedy-Mix die Klinke in die Hand. Auch der Nachwuchs hatte seinen großen Auftritt.

Einen Ausweis will heute kaum noch jemand sehen. Statt dessen holt man an der Einlasskontrolle sein Handy aus der Hosentasche und zeigt – Corona sei Dank – eins von drei (demnächst nur noch zwei) „G“-Zertifikaten vor, wenn man eine Veranstaltung besuchen will. Geimpft, genesen oder getestet waren auch alle Besucher der Sommerfestspiele im Birtener Amphitheater, die Freitagabend mit einem Comedy-Mix begonnen haben. Ingrid Kühne, auch sie in der Kleinkunst-Szene längst keine Unbekannte mehr, fungierte diesmal als Moderatorin.

Mehrere Hundert Frauen und Männer hatten es sich mit Kissen auf den Sitzbänken und Steinstufen im Waldtheater gemütlich gemacht. „Hallo Birten, ich freue mich wie bescheuert. Zwei Jahre keine Fritten, das wär schon schlimm für mich. Aber fast zwei Jahre keine Auftritte, das ist noch schlimmer“, begrüßte Kühne die Besucher. Sie habe die Besten der Comedy-Szene eingeladen, „aber die konnten alle nicht“, so Kühne. „Also haben wir die Allerbesten eingeladen“, ergänzte sie. Und sie sollte recht behalten:

 Hunderte Gäste machten es sich mit selbst mitgebrachten Kissen auf den Bänken und Steinstufen des Amphitheaters gemütlich.
Hunderte Gäste machten es sich mit selbst mitgebrachten Kissen auf den Bänken und Steinstufen des Amphitheaters gemütlich. Foto: Armin Fischer (arfi)
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Die zwei von „Thekentratsch“ hatten die Aufgabe der Eisbrecherinnen übernommen. Seit 15 Jahren sind Heike Becker und Kerstin Saddeler-Sierp auf den Kabarettbühnen Deutschlands unterwegs, streiten, frotzeln, singen, kämpfen und vertragen sich wieder. Dabei schenken sich die wortgewaltigen Damen gegenseitig nichts. „Das Trockengesteck hier fährt wie es aussieht: Lang(sam)“, kodderte Heike in Ruhrpottdeutsch. Hätte sie selber am Steuer gesessen, hätten sie nicht eine Woche von Dinslaken bis Birten gebraucht. Aber sie musste „ihre Fleppe“ schon wieder abgeben – Alkohol am Steuer. Aber alkoholfreies Bier ist für sie keine Alternative: „Das ist wie ein BH auf der Wäscheleine: Das Beste ist raus“.

Zweiter im Comedy-Bunde war Sascha Thamm (48), Poetry-Slammer aus Remscheid, dessen Karriere bei einem Bluesfestival begann, auf dem er in der Umbauphase einen selbst verfassen Text vorlas. Inzwischen hat er mehrere Hundert Auftritte bei Poetry-Slams und Comedy-Shows hinter sich und ist derzeit mit einem Programm „Dynamitfischen in Venedig“ auf den Kleinkunstbühnen der Republik unterwegs. In Birten las er zur Freude von Moderatorin Kühne unter anderem die Geschichte von Plüschtigern und Paradiesäpfeln. Das Publikum konnte ihn förmlich vor sich sehen, den kleinen Taylor-Werner, der auf der Kirmes an einer Losbude einen riesigen Tiger gewonnen hat. „Tiger sind gestreifte Löwen ohne Mähne und ohne Afrika“, habe er versucht, dem Jungen den Unterschied zu erklären. Auch Sascha Thamm begeisterte im Birtener Amphitheater.

Vor einer Pause gab Kühne noch kurz die Bühne frei für Lena Milewicz, ein „junges Mädchen, das in die Comedy-Szene will“, wie die Profi-Kabarettistin sagte. „Wenn du es in Birten schaffst, dann schaffst du es auch in Wuppertal und in der Bönning“, versprach Kühne und überließ das Mikro der 16-Jährigen aus Alsdorf, die ihre Sache gut machte.

Und dann kam Özgür Cebe (47), Schauspieler und Comedian mit türkischen, kurdischen und armenischen Wurzeln. Geboren in Bielefeld, tourt er aktuell mit seinem Soloprogramm „Ghettos Faust“ durch Deutschland, die Schweiz und Österreich. Er sei ja ein optischer Moslem, und deswegen wisse er auch, wie das damals war: „Moses teilte das Meer, Jesus das Brot – und der Moslem packte Dönerfleisch ins geteilte Brot. ,Iss Lamm’, forderte er seine Anhänger auf – daher kommt das Wort Islam“.

Verschwörungstheorien, das Schutzabkommen gegen Gewalt gegen Frauen, der Islam als missionierende Religion: Der Comedian strapazierte ordentlich die Lachmuskeln eines begeisterten Publikums, stimmte zum Schluss Strophen verschiedener deutscher Schlager an. Aus Santa Maria wurde beispielsweise „Santa Scharia, hinter deinen eisernen Wänden hielt ich den Koran in den Händen“. Udo Jürgens „Ich war noch niemals in New York“ wurde bei Cebe zu „Ich war noch niemals im Iran, ich war noch niemals in Kabul, und das aus einem guten Grund denn ich bis schwul“.

„Großartig!“ befand auch das Publikum mit lang anhaltendem Applaus. Den bekam auch Lisa Feller (45), Schauspielerin und Komikerin aus Münster, die seit zwei Jahren zum festen Moderationsteam der ARD-Ladiesnight gehört. Seit Herbst 2019 ist Lisa Feller mit ihrem neuen Programm „Ich komm‘ jetzt öfter“ auf Tournee. In Birten begeisterte sie mit verschiedenen Anekdoten. Zum Beispiel der, als sie mal zu schnell gefahren und erwischt worden sei. „Da seh’ ich schon die Kelle auf mich zukommen“. Auf ihre Frage „wieviel“ kommt als Antwort „35 Euro“ – „das ist fair, steig ein“, fordert sie den Polizisten auf. 

Ingrids Comedy-Mix – einfach ein Abend, an dem man endlich mal wieder so richtig herzhaft lachen konnte.

(jas)