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Xanten: Auch Xanten trägt Kippa

Xanten : Auch Xanten trägt Kippa

Bei einer Führung mit Wolfgang Schneider über den jüdischen Friedhof gab es interessante Einblicke in das Leben der Juden in Xanten.

Berlin trug Mittwoch Kippa. Köln, Erfurt und Magdeburg auch. In Xanten war es Freitagnachmittag der Fall. Männer mit jüdischer Kopfbedeckung waren dort zu sehen. Sie demonstrierten allerdings nicht gegen den Hass. Sie waren Teilnehmer einer Führung über den jüdischen Friedhof.

Eine Kippa, eine kreisförmige Mütze aus Stoff oder Leder, tragen bei den orthodoxen Juden nur Männer beim Gebet in der Synagoge oder auf dem Friedhof. Nach jüdischem Verständnis ist die Welt 3760 vor Christus entstanden. Und die Fürsorge für Menschen, ob lebend oder tot, hat Priorität. Das und noch einiges mehr erfuhren Frauen und Männer, die sich am Nachmittag vor dem Sabbat mit Wolfgang Schneider auf den Weg zum jüdischen Friedhof machten.

Der pensionierte Lehrer, der in Freiburg Theologie studiert hat, konnte viel erzählen über die Menschen jüdischen Glaubens, die in Xanten gelebt haben, in der Regel als Viehhändler übers Land zogen und das Geld für die Familie verdienten und in einem kleinen Gebetshaus an der Scharnstraße zum Gebet zusammenkamen. Vorausgesetzt, es waren mindestens zehn Männer dabei, denn nur dann konnte ein Gottesdienst gefeiert werden.

 Emmy Oster wurde 1928 auf dem Friedhof bestattet. Es war das letzte Begräbnis dort.
Emmy Oster wurde 1928 auf dem Friedhof bestattet. Es war das letzte Begräbnis dort. Foto: Ostermann Olaf
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1882 lebten 80 Juden in Xanten, 1925 waren es nur noch 14. Acht Jahre später wurden auch in der Domstadt jüdische Viehhändler boykottiert, 1943 gab es eine eigene Organisation für nicht-jüdische Viehhändler, 1937 wurde im ganzen Land das Berufsverbot für Juden verhängt. Am 11. November 1938, so Schneider, hat der letzte Jude Xanten verlassen.

"Nehmen Sie sich bitte einen oder zwei Steine mit, wenn wir zum Friedhof gehen", bat er seine Wegbegleiter. "Warum, das erzähle ich Ihnen gleich, wenn wir oben sind." Oben, das heißt auf einem kleinen Hügel oberhalb der Stadt, ist der jüdische Friedhof. Er gehört der jüdischen Gemeinde Düsseldorf, die mit der Stadt vereinbart hat, dass sie ihn instand hält. 60 Gräber sind dort kreisrund angelegt. Kleine Steine oder Kiesel auf dem Grabstein zu hinterlassen, ist ein uralter Brauch, auch wenn er in keinen jüdischen Schriften zu finden ist: Vor vielen 1000 Jahren bestatteten die Israeliten, die in der Wüste lebten, die Toten mit einem kleinen Steinhaufen auf dem Grab. Dadurch markierten die Angehörigen die Grabstelle, damit sie die beim Besuch wiederfinden konnten. Bis heute hat sich der Brauch gehalten, dass Freunde oder Verwandte zur Bestattung einen Stein mitbringen, um das Grab zu bedecken.

Nachdem 1972 und 1973 unbekannte Täter Grabsteine beschädigt und umgeworfen hatten, verfügte der damalige Stadtdirektor Heinz Trauten, dass das Tor zum jüdischen Friedhof geschlossen bleiben muss. Seit 1998 ist das Tor auf Initiative von Schneider und mit Hilfe des damaligen Bürgermeisters Hans-Jürgen Thiele immer offen.

1928 fand dort das letzte Begräbnis statt: Emmy Oster, 1876 geboren und am 15. Januar 1929 verstorben, wurde beigesetzt. Auf aramäisch sind auf jedem Grabstein ein paar Zeilen eingemeißelt. Die Steinmetze, bei denen die Grabsteine in Auftrag gegeben wurden, waren übrigens in der Regel Christen, so Schneider.

(jas)