Archäologischer Park Xanten (APX) rückt an die Innenstadt heran

Bau der Stadtmauer : APX rückt an die Innenstadt heran

Der Landschaftsverband Rheinland baut sein beliebtestes Museum weiter aus und bereitet wieder große Veranstaltungen vor. Derweil berichten die Archäologen von spannenden Funden. Ein Überblick.

Der Archäologische Park Xanten (APX) bleibt ein Publikumsmagnet: Fast 600.000 zahlende Gäste wurden im vergangenen Jahr auf dem Gelände der früheren Colonia Ulpia Traiana gezählt. Im Gebiet des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) ist der APX damit wieder das bestbesuchte Museum. Für dieses Jahr plant der LVR deshalb erneut – gefördert durch das NRW-Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung – neue Projekte und eine Großveranstaltung.

Stadtmauer Der Park rückt weiter an Xantens Innenstadt heran. Deutlich sichtbar ist das bereits im Bereich zwischen dem vom ehemaligen APX-Leiter Gundolf Precht rekonstruierten Teil der historischen Stadtmauer und dem modernen Südeingang des Parks. Da wird derzeit bereits der hölzerne Wehrgang in verschiedenen Einzelteilen nachvollzogen und danach verbaut.

Die aktuelle Rekonstruktion unterscheidet sich zwar nur in Details, ist aber für Besucher deutlich erkennbar. „Prechts Leistung aus den 70er und 80erJahren ist unbestreitbar“, sagt APX-Direktor Martin Müller. „Höhe, Stärke, alles stimmt.“ Allerdings: „Wir bauen bis zum Abschlussturm an den heutigen Wohnhäusern nicht mehr direkt auf den Fundamenten, sondern mit Betonwerken auf darüber gelegenen Erdschichten; auch in 100 Jahren sind damit noch Erkundungen des Untergrundes nach dann neuen Erkenntnissen möglich.“

Neubauten Der Schotterparkplatz am Römermuseum am Ende der Siegfriedstraße gehört bald der Vergangenheit an. Im Westen des weitläufigen APX-Areals wird noch in dieser Saison ein barrierefreier Parkplatz errichtet.

Der neue Parkeingang „Römer-Museum“ wird über die Trajanstraße zu erreichen sein und entlastet die innerstädtischen Straßen. Er bietet Platz für Busse, Pkw- und Fahrradfahrer, die den Park dann über den Alleenradweg erreichen können. Neu sind Gepäckboxen samt Ladestationen für E-Bikes. Der alte Parkplatz an der B 57 bleibt erhalten.

Infrastruktur Der Weg vom neuen Parkplatz bis zum Römermuseum wird zum Beispiel für Abendveranstaltungen hell ausgeleuchtet. Für den LVR bedeutet die „neuzeitliche Versorgung“ des Parks ohnehin eine enorme Herausforderung. Müller: „Für Gas, Wasser, Strom und IT haben wir Millionen investiert. Selbst Leerleitungen in einen historischen Boden zu verlegen, ist kostenintensiv, weil nichts zerstört werden darf.“

Entdeckerforum Das wissenschaftliche Herzstück des APX ist das neue Verwaltungsgebäude mit seinem Fundmagazin. Das zweigeschossige Depot und der Wissenschaftsbereich garantieren – wie berichtet – eine fachgerechte Lagerung und Bearbeitung des Fundmaterials. In einem ersten Testlauf wird das Magazin (angemeldeten) Besuchern bereits bei zubuchbaren Rundgängen geöffnet. „Bislang können wir die Nachfrage nach museumspädagogischen Führungen nur zum Teil befriedigen“, sagt Müller. Insgesamt wurden bei 7000 Führungen im vergangenen Jahr mehr als 100.000 Teilnehmer gezählt.

Ein neues Entdeckerforum, das neben Ausstellungsräumen und den Magazinführungen vier „Mitmachräume“ zum Graben, Säubern, Vermessen, Katalogisieren und Dokumentieren (samt Zertifizieren) ermöglicht, ist so weit in Planung, dass es im Jahr 2022 in Betrieb gehen kann. Müller: „Wenn es wie erwartet läuft, brauchen wir dazu einiges an neuem Personal.“

Die Anziehungspunkte des Parks

Tempel Direkt hinter dem neuen Dienstgebäude haben die Archäologen die gut erhaltenen Fundamente eines gallo-romanischen Umgangstempels entdeckt und lassen sich bei der Arbeit über die Schultern sehen. Die alten Römer hatten bei ihren Eroberungen die Verehrung einheimischen Götter geschickt integriert und romanisiert.

Aufzug Unter der Arena wurden die Keller sowie Fahrstuhlreste ausgegraben. Darüber wurden einst Tiere oder Kämpfer zum Staunen des Publikums mitten ins Geschehen befördert. APX-Direktor Martin Müller: „Die Instandsetzung des Aufzugs wäre für uns geradezu phänomenal. So oft gibt es das eben nicht.“

Schiffbau Seit 2014 können Besucher den römischen Schiffbau im APX live erleben. Derzeit entsteht in der römischen Werft ein knapp 18 Meter langes Patrouillenboot.

Kulturerbe Die Bewerbung um die Anerkennung des  niedergermanischen Limes als Weltkulturerbe läuft. Müller: „Daran arbeiten wir auf Hochtouren.“

APX-Direktor Martin Müller. Foto: Christoph Reichwein (crei)

Familienfest Am letzten Juni-Wochenende findet die Großveranstaltung  „Römisches Handwerkerfest“ statt. Am Samstag und Sonntag, 29. und 30. Juni, laden Ärzte, Schmiede, Weberinnen, Lehrerinnen, Knochenschnitzer und Co. jeweils von 10 bis 18 Uhr zum Zugucken und vor allem Mitmachen ein. Der Eintritt zum Familienwochenende mit 100 Handwerkern aus alter Zeit kostet 13 Euro (Eintritt bis 18 Jahre frei).

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