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Xanten: APX baut römisches Plattbodenschiff nach

Xanten : APX baut römisches Plattbodenschiff nach

Der Fund eines römischen Plattbodenschiffs bei Auskiesungen in Wardt war 1991 eine archäologische Sensation. Der zur Hälfte erhaltene Kahn bildet nach einer aufwendigen Restaurierung eine der Attraktionen im Xantener Römermuseum. Besucher des Archäologischen Parks können in den nächsten Monaten den Bau eines solchen Schiffes erleben.

Gestern wurde das Holz für den Nachbau angeliefert, gut abgelagerte dänische Eiche, 100 bis 200 Jahre alt. "Das Holz ist sehr schwer zu bekommen", sagte die Archäologin Gabriele Schmidhuber-Aspöck. Sie leitet das Gesamtprojekt, Chef auf der Werft ist aber Kees Sars. Der Schiffsbaumeister aus Utrecht hat schon in den Niederlanden ein antikes Schiff nachkonstruiert. Zur Seite stehen Sars junge Praktikanten des Theodor-Brauer-Hauses Kleve, die eine Ausbildung in der Holzverarbeitung anstreben, sowie behinderte Mitarbeiter des Hauses Freudenberg. Auch Schulen, die mit dem APX kooperieren, sind beteiligt: Arbeitsgemeinschaften des Stiftsgymnasiums, der Marienschule und des Erkrather Gymnasiums am Neanderthal werden die Baufortschritte dokumentieren, Besucher führen sowie an Aktionstagen selbst Hand anlegen. Für Gäste des APX sind Mitmachtage und ein Begleitprogramm mit Themen rund um die Schifffahrt und den Schiffbau in der Antike vorgesehen.

Zwar nimmt das von Kees Sars geleitete Team modernes Werkzeug zur Hand. Ansonsten geht es auf der APX-Werft aber originalgetreu zu. Die Holzteile werden mit rund 1900 handgeschmiedeten Eisennägeln befestigt. Abgedichtet wird der Schiffsrumpf mit einer Mischung aus Öl und Harz. "Die musste früher regelmäßig erneuert werden", sagte Sars, der sich nach Rekonstruktionszeichnungen richtet, die der niederländische Schiffsarchäologe Jaap Morell angefertigt hat.

Die vollendete Nehalennia wird wie das Original bis zu 2,60 Meter breit und fünf Tonnen schwer sein und bei zehn Tonnen Fassungsvermögen einen geringen Tiefgang von 50 Zentimetern haben. Das war ein enormer Vorteil auf den flachen Seitenarmen, die der Rhein in römischer Zeit hatte. "Unglaublich viele solcher Schiffe waren auf dem Rhein unterwegs", berichtete Gabriele Schmidhuber-Aspöck gestern. Schon damals war der Transport über Wasser schneller und günstiger als auf dem Landweg. Handelsgüter jeglicher Art wurden verschifft: Öl, Getreide, Wein, aber auch Steine. Vielleicht hatte das bei Wardt gefundene Plattbodenschiff Baumaterial für die Colonia Ulpia Trajana geladen? Es stammt jedenfalls aus der Zeit um das Jahr 100 nach Christus, der Gründungszeit der Stadt, auf deren Territorium heute der Römerpark Xanten liegt. Ob es in der Colonia selbst eine Werft gab, ist nicht abschließend geklärt. "Möglich ist es", sagte gestern APX-Leiter Martin Müller.

(RP)