Angeklagter aus Geldern gesteht Drogenversand im Raum Sonsbeck

Sonsbeck/Kleve : Drogenbriefe im Raum Sonsbeck verschickt – Angeklagter gesteht

Ein 37-jähriger Gelderner hat beim Prozessauftakt in Kleve zugegeben, mehr als 140 Briefe mit Marihuana und Haschisch aus dem Sonsbecker Raum verschickt zu haben. Das Urteil könnte am kommenden Montag fallen.

(mwi) Am Landgericht Kleve ist der Prozess gegen einen 37-jährigen Softwareentwickler aus Geldern wieder aufgenommen worden. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm das Handeltreiben mit Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge in zehn Fällen vor. Schon im September vorigen Jahres hatte der Prozess stattfinden sollen, doch weil Unterlagen und Protokolle noch ausgewertet werden mussten und die Verteidigung noch um Akteneinsicht bat, verzögerte sich der erneute Auftakt.

Zwischen Juni 2017 und März 2018, so heißt es in der Anklageschrift, sei der Beschuldigte in „umfangreiche Drogengeschäfte“ verwickelt gewesen und habe mehr als 140 Briefsendungen mit Marihuana und Haschisch im Raum Sonsbeck verschickt. Bei einer Durchsuchung seines Wohnhauses habe die Polizei schließlich im Keller ein umfassend ausgestattetes Drogenlager gefunden, mit Waagen, Klebe-Labels, Etikettierer und elektronischen Portionierautomaten. Zudem stellten die Beamten den Drogen-Vorrat des 37-Jährigen sicher: etwa 20 Kilogramm Haschisch und weitere 17 Kilogramm Marihuana. Seit dem 15. März 2018 sitzt er in Untersuchungshaft.

Nachdem der Angeklagte von Richter Jürgen Ruby seine Rechte verlesen bekommen hatte, legte er ein umfassendes Geständnis ab. Der Softwareentwickler bekannte sich in allen Anklagepunkten schuldig und belastete auch namentlich seine Mittäter. Er habe das alles nicht so geplant, gab er zu Protokoll. Über ein Interesse an der medizinischen Wirkung von THC hatte er via Internet einen Mann kennengelernt, der sich als Arzt ausgab und für den er später die ersten Lieferungen abschickte. Als er aussteigen wollte, sei er massiv bedroht worden. Trotzdem sei er irgendwann in Ruhe gelassen worden. Die Aktivitäten aus diesem Zeitraum gehören allerdings nicht zur Anklage.

Dazu zählen nur die Versanddienste ab Sommer 2017. Da bat ihn schließlich einer seiner Cousins, weitere Drogenpäckchen zu verschicken. Der Cousin sei für ihn wie ein kleiner Bruder. Daher habe er es auch nicht wegen des Geldes gemacht, denn das bekam er für seine Versandaktivitäten nicht. „Wenn mich jemand aus der Familie um Hilfe bittet, dann stelle ich keine Fragen, sondern mache das einfach“, sagte der Angeklagte, der in der IT-Branche selbstständig war und mit zwei Firmen nach eigenen Angaben auch ordentlich verdient hatte. Über die Hintergründe könne er allerdings keine Angaben machen, sagte der 37-Jährige. Er habe lediglich die Aufträge erhalten und daraufhin die Briefe verschickt. Auch über die Herkunft der Drogen konnte er nichts sagen.

Wegen des Umfangs des Drogenhandels und weil mehrere Familienmitglieder beteiligt waren, ordnete das Gericht die Tat als Bandenkriminalität ein. Drei geladene Zeugen, darunter zwei Cousins des Angeklagten, gegen die ebenfalls ein Verfahren wegen dieser Delikte läuft, machten von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch. Ein Urteil könnte am Fortsetzungstermin am kommenden Montag gefällt werden.

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