Xanten: Als Osteuropa Traumziel war

Xanten: Als Osteuropa Traumziel war

Amüsanter und informativer Kolping-Vortrag: Steinmetzmeister Torsten Knapp erzählte über Handwerksgesellen auf der Walz. Grundlage: ein Handbuch von 1848 mit vielen heute kurios erscheinenden Tipps.

Ein Abend im Haus Michael mit vielen nützlichen Tipps für die Kolpinger. Tipps aus dem Handbuch "Der rechtschaffene Professionist". Das "beste Handbuch für Wandergesellen", wie es sich selber bezeichnet – von 1848. Tipps für Handwerker auf der Walz im 19. Jahrhundert. Das Thema des Vortrags von Steinmetz Torsten Knapp. Spannend, mit Einblendungen unzähliger Dokumente und Fotos, amüsant vorgetragen.

Schädliches Bergauf-Rauchen

So heißt es: "Vergiss beim Schlafengehen das Beten nicht!" Und: "Wasche abends deine Füße mit Branntwein!" Ferner: "Rauchen beim Bergauf-Gehen und Gegenwind ist schädlich." Vorsorglich: "Statt aus Gebirgsquellen zu trinken, trinke lieber einen Schluck Essig!" Außerdem: "Trinke bei großer Hitze wenig und erst eine Viertelstunde nach einem Stück Brot!" Und: "Hüte dich vor fremdem Schweiß, besonders in Hüten. Er könnte dir Krankheiten mitteilen."

Ein traditionelles "Hut ab zum Gebet" am Beginn der Power-Point-Präsentation. Mitteleuropa wurde in großen Zügen spannend vorgestellt. 1800 Einführung des Meters als gesetzliches Längenmaß in Frankreich. 1814 Beginn des Wiener Kongresses. 1891 Gründung des Rolandsschachts, dem auch Torsten Knapp zugehört. Anhand einer Europakarte verdeutlichte er die Traumziele von damals: Hamburg und Osteuropa – wegen der deutschen Sprache. Weit näher als die heutigen Traumziele Neuseeland, Kanada oder Brasilien.

Anschaulich und bewegend die Walz des Buchbinder-Wandergesellen Gottlieb Forquin. Ihn zog es 1828 vom Schwarzwald nahezu durch das ganze damalige deutschsprachige Gebiet. Eine Strecke von 5000 Kilometern legte er zu Fuß zurück, im Schnitt 30 Kilometer täglich.

Fotos und Dokumente

Vom ständigen Wechsel der Währungen, vom gesetzlich vorgeschriebenen schnellen Durchreisen der Städte innerhalb von zwei Stunden, vom "Schwarzschreiben" (Meiden) vieler Städte, von den Lebens- und Arbeitsbedingungen berichtete Knapp mit vielen Fotos und Dokumenten.

Die Industrialisierung führte zu einer Krise. Folgen unter anderem: "Kneipenstoßen", Blaumachen, Bettelei. Als Ausweg stellte Knapp den Gesellenvater Adolf Kolping dar. Mit seinem Ziel einer religiösen und fachlichen Qualifizierung hatte er bis 1856 400 Gesellenvereine gegründet. Er schuf ein christliches Umfeld für reisende Gesellen durch den Aufbau von Herbergen (später Kolpinghäuser), er bekannte sich zur katholischen Soziallehre und bot berufliche Weiterbildung an.

(RP)