200 Jahre Marienschule: Als der Bundespräsident zu Besuch kam

200 Jahre Marienschule: Als der Bundespräsident zu Besuch kam

Xanten Der große Tag naht: Am Samstag, 6. Mai, feiert die katholische Marienrealschule jenen (Dezember-)Tag vor 200 Jahren, an dem "ihre" Stiftungsurkunde ausgestellt wurde. Demoiselle Maria Aloysia Catharina Theodora Hellen verfügte damit, dass zur religiösen Erziehung der Xantener Mädchen Räume zur Verfügung gestellt werden und eine Lehrerin bezahlt werden konnte. Am Festtag wird unter anderem eine Fotoausstellung an die Geschichte der Schule erinnern. Dabei geht es auch um einen ganz besonderen großen Tag:

Xanten Der große Tag naht: Am Samstag, 6. Mai, feiert die katholische Marienrealschule jenen (Dezember-)Tag vor 200 Jahren, an dem "ihre" Stiftungsurkunde ausgestellt wurde. Demoiselle Maria Aloysia Catharina Theodora Hellen verfügte damit, dass zur religiösen Erziehung der Xantener Mädchen Räume zur Verfügung gestellt werden und eine Lehrerin bezahlt werden konnte. Am Festtag wird unter anderem eine Fotoausstellung an die Geschichte der Schule erinnern. Dabei geht es auch um einen ganz besonderen großen Tag:

Der erste Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland: Theodor Heuss (* 1884 1963) Foto: marienschule

Namhaften Besuch verzeichnete die Marienschule nicht selten in ihrer Historie. Jener am 18. Juli 1957 nimmt aber eine Ausnahmestellung ein. Bundespräsident Theodor Heuss, damals 73 Jahre alt, war zu Gast.

Theodor Heuss vermachte die Zeichnung vom 17.7.1916 wie weitere vier Bilder der Marienschule, Foto: marienschule

Der Heuss-Besuch war ein Erfolg einer Korrespondenz zwischen den Schul-Schwestern Agnes und Schwester Georgia Maria und dem ersten Bundespräsidenten der noch jungen Bundesrepublik Deutschland. Die Schule hatte ihm im Namen der Lehreinrichtung zum Beispiel zum 70. Geburtstag gratuliert. Wegen der überaus netten Gratulation wolle er "nicht bloß mit einem gedruckten Dankbrief antworten, sondern da man sich so angestrengt hatte, wollte ich mich auch ein bisschen anstrengen", schrieb Heuss mit Datum vom 13. März 1954 an die verehrte Schwester Agnes. Also habe er nach einem alten Skizzenbuch gesucht, "in dem ein paar Zeichnungen von einem Aufenthalt in Xanten sind, und die ließ ich dann fotokopieren, um sie Ihnen als Gegengruß zu senden". Heuss weiter: "Das sind nun gewiss keine großen Kunstleistungen; ich hatte lange Zeit nicht mehr gezeichnet."

Vier Kohlezeichnungen, die er im Juli 1916 bei einem zehntägigen Aufenthalt in Xanten in der Immunität angefertigt hatte, schickte der Bundespräsident schließlich los. Und das brachte Schwester Agnes auf eine tolle Vermarktungsidee: Sie wollte die Heuss-Zeichnungen über die Rheinische Post in Umlauf bringen und bat um 300 Kopien seiner Kunstwerke. Theodor Heuss amüsierte das, und er erinnerte höflich daran, dass 300 Bilder im Bundespräsidialamt allein Druckpapierkosten in Höhe von 105 Mark verursachten. Das gebe der Fonds nicht her. Außerdem seien es keine Kunstwerke, nur weil sie seinen Namen trügen.

Die Xantenerinnen ließen nicht locker. Mit der Aktion wollte die Schule schließlich den Kauf eines Klaviers finanzieren. Der Zweck wiederum war dann auch dem Bundespräsidenten genehm. Und am 10. Oktober 1954 schickte Ministerialdirigent Hans Bott schließlich 30 Photokopien "unberechnet" an Schwester Georgia Maria - zwecks einer Verlosung. Die gab's im Februar 1956. Und als an der Schule auch noch die Heuss'schen Verse vertont wurden, die sie seiner Frau Elly Heuss-Knapp zu deren 70. Geburtstag widmete, war die Freundschaft perfekt. Und am 18. Juli, nach der Schulmesse, stand Heuss plötzlich persönlich vor der Tür, "mit einer Stimme wie im Radio, einem Lächeln wie ein gütiger Vater, geduldig winkend und mit fröhlichen Worten", wie es eine Schülerin später beschrieb. Schwester Georgia Maria stimmte das Deutschland-Lied an, dem Lied "Behüt dich Gott, o Niederrhein, das ihm die dritten und vierten Klassen vortrugen, folgte "Viel Glück und viel Segen".

Mit den Schülerinnen, die nichts von dem Besuch geahnt hatten, war danach kein Unterricht mehr möglich. Und zu Hause wollte die Geschichte niemand glauben, bis er in der Rheinischen Post stand. Die Augenzeugin konnte es nicht fassen: "Wir glücklichen Marienschülerinnen!" - Was aus dem Klavier wurde, weiß übrigens niemand mehr.

(RP)