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70 Traktoren beim Erntedankgottesdienst unter freiem Himmel in Labbeck

Kirche in Sonsbeck : Erntedank auf der grünen Wiese

Gesellschaftspolitisches Signal der Landwirte: Der Feldgottesdienst unter freiem Himmel in Labbeck war mit 70 Traktoren und ebenso vielen Autos gut besucht.

Es war ein Bild mit Symbolcharakter: Das ganze Jahr über haben sich Landwirte zu recht über ausbleibenden Regen beklagt. Ausgerechnet beim Erntedank-Feldgottesdienst hängt eine dicke Wolkendecke über der Wiese am Ortsrand von Labbeck. Den Zuspruch kann das nicht schmälern. Rund 70 Traktoren und ebenso viele Autos parken vor dem Anhänger, auf dem der Altar aufgebaut ist. Daneben sorgt die „Sons Band“, hervorgegangen aus der örtlichen Landjugend, musikalisch für Einstimmung.

Möglich gemacht haben diese Veranstaltung die Katholische Landjugendbewegung (KLJB) Sonsbeck, die Interessengemeinschaft „Land schafft Verbindung“ sowie die Ortsbauernschaften aus Labbeck, Sonsbeck und Hamb.

 Damit die Messe nach den vorgegebenen Corona-Bestimmungen stattfinden kann, werden die Besucher gebeten, in ihren Fahrzeugen sitzen zu bleiben. Der von Pfarrer Günter Hoebertz geleitete Gottesdienst steht unter der Frage „Was nährt den Zusammenhalt?“. Darüber habe man nachgedacht, sagt KLJB-Sprecherin Franziska Boßmann: „Es wird viel über die Zukunft der Landwirtschaft diskutiert. Das Thema ist längst zu einer gesellschaftspolitischen Auseinandersetzung geworden.“

Nach dem Gottesdienst haben die Besucher die Möglichkeit, ihren Traktor oder ihr Auto von Pfarrer Hoebertz segnen zu lassen. Frank Terhorst von der Ortsbauernschaft Sonsbeck ist aus einem anderen Grund hier: „Wir wollen auf unsere Probleme aufmerksam machen. Die Bevölkerung entfremdet sich zunehmend von der Landwirtschaft.“ Mit seinen Kollegen möchte er mit Anwohnern ins Gespräch kommen. „Wir versuchen natürlich, nicht mitten in der Nacht zu ackern, aber manchmal zwingt uns die Wetterlage dazu“, so Terhorst.

Frederik Verhaelen ist mit dem Traktor aus Keppeln angereist. Sein Motiv: „Wir wollen Präsenz zeigen und mehr Solidarität erreichen. Wenn ich mit der Pflanzenschutzspritze übers Feld fahre, werde ich beschimpft, weil alle denken, da ist Glyphosat drin. Das ist Quatsch.“

Nicht alle verfolgen politische Ziele. Georg Küsters hat seinen Schlepper in der hinteren Reihe geparkt und freut sich auf den Gottesdienst: „Das ist so was Uriges, einfach schön. In der Kirche wäre ein Erntedank-Gottesdienst mit so vielen Menschen nicht möglich gewesen.“ Barbara Quinders wollte eigentlich neben ihrem Mann auf der Bühne stehen und singen, doch die Söhne Ben und Max hatten andere Pläne. Sie wollten mit Mama im Traktor anreisen. „Für mich steht eindeutig der Familiengottesdienst im Vordergrund, aber ich fürchte, unsere Kinder sind wegen der vielen Trecker hier“, sagt die ehemalige Landwirtin.

Es sind auch viele Liebhaber alter Traktoren nach Labbeck gekommen. Yvonne Stickelbruck etwa mit ihrem 54 Jahre alten Fiat. „Ich möchte ihn segnen lassen, damit er nicht auseinander fällt“, scherzt die Sonsbeckerin. Der alte Deutz Intrac von Ralf Linders fällt besonders auf. „Ich musste überall Sonnenblumen dranbinden, sonst hätte meine Frau mich nicht fahren lassen.

Neben den Boliden der Gegenwart wirkt der Fiat geradezu winzig. Frank Terhorst zeigt anhand des Größenverhältnisses eine Entwicklung auf, die nachdenklich stimmt: „Mit so einem kleinen Traktor konnte ein Landwirt früher seine Familie ernähren. Damals reichten dafür 20 Morgen Land und 60 Schweine. Das wäre heute undenkbar.“

In der Predigt greift die Landjugend die Sorgen der Bauern auf: „Landwirte sind Schöpfer. Was sie seit Jahrhunderten herstellen, ist für uns Menschen lebenswichtig.“ Am Ende stand ein großer Dank: „Das Bereitstellen von Äckern, Wiesen und Maschinen sind für Aktionen wie das Osterfeuer oder die Schrottsammlung das A und O.“ Und natürlich für den Feldgottesdienst.