100 Jahre Frauenwahlrecht: Aktionswoche in Xanten feiert das Jubiläum

Aktionswoche : Ein Fest für die Frauenrechte

Vor 100 Jahren wurde das Frauenwahlrecht auf den Weg gebracht. Anlässlich des Jubiläums startet am 10. November in der Xantener Jugendkulturwerkstatt Exit eine Aktionswoche mit einem bunten Programm.

Seit 100 Jahren haben Frauen in Deutschland das Recht zu wählen. Ein Meilenstein unserer Gesellschaft. Doch für vier Frauen einer Doppelkopfrunde noch lange kein Grund, sich auszuruhen. Valérie Petit, Angela Weniger, Sabine Gralla und Beate Kempkes rufen rund um den Jubiläumstag des Frauenwahlrechts am Montag, 12. November, eine Aktionswoche zur Sensibilisierung der Geschlechterrolle ein. Vom 10. bis zum 18. November finden Workshops, Lesungen, Ausstellungen und Theateraufführungen in ganz Xanten statt. „Wir wollen mit den verschiedenen Locations den ganzen Raum der Stadt geschickt nutzen“, sagt Petit.

So startet die Aktionswoche mit einem echten Feuerwerk: In der Jugendkulturwerkstatt (JuKuWe) ist am Samstag der „Girls on Fire“-Workshop geplant. Bands, unter anderem Barbers Clerk, heizen bis Mitternacht die Tanzfläche ein. Verpflegung, Getränke und Kostüme sollen besonders bei den Jugendlichen in Xanten für die kommenden Programmtage werben.

„Wir richten uns bewusst an die Jugendlichen, denn sie nehmen die frauenrechtliche Situation heute anders wahr und sollen sich dafür einsetzen“, betont Angela Weniger. Das Recht zu studieren sei beispielsweise – anders als vor 50 Jahren noch – kein Kampf mehr, dennoch gebe es sogenannte „Stolperfallen des Alltags“, wie die Elternzeit oder gleicher Lohn, führt sie fort. Mit dem Aufruf „An das Deutsche Volk“ 1918, der auch Meinungsfreiheit und Religionsfreiheit forderte, startete damals alles.

In dem Schreiben wurde festgelegt, dass männliche sowie weibliche Bürger ab 20 Jahren wählen dürfen. Ein Jahr später, 1919, fanden die ersten Wahlen mit Frauenbeteiligung in Deutschland statt. Der Weg dahin wurde von Feministen und Aktivisten geebnet. Eine der bekanntesten Wegbereiterinnen war Clara Zetkin.

Mittlerweile steigt die Zahl der weiblichen Führungspositionen an. Dennoch liegt die Frauenquote in den 30 größten Unternehmen Deutschlands 2018, laut der Allbright-Stiftung, nur bei zwölf Prozent. Besonders im internationalen Vergleich ist noch Verbesserung nötig. Die Tendenz steigt, doch totale Gleichberechtigung herrscht noch nicht. Deutschlandweit soll zum Jubiläum mit verschiedenen Kampagnen daran erinnert werden.

Die Xantener Aktionswoche wird von der Deutschen Pfadfinderschaft St. Georg (DPSG) unterstützt. Weniger freut das als Mitglied sehr. „Wir wollen nicht nur Mädchen mit der Aktionswoche erreichen. Das Fest zum Jubiläum der Frauenwahlrechte soll beide Geschlechter ansprechen“, erklärt Weniger.

So kommt es auch zugute, dass Niklas Scholten als Vorsitzender der DPSG Xanten bei den Planungen als männlicher Vertreter mit eingebunden ist. Auch Kooperationen mit lokalen Geschäften und Schulen konnten gewonnen werden.

Enttäuscht hingegen zeigen sich die Initiatorinnen von der Xantener Politik: „Dass die Stadt Xanten kein Träger der Aktionswoche ist, ist für uns ein Armutszeugnis.“ Dennoch steht ihnen der Rathaussaal für drei der sechs Aktionstage zur Verfügung. Und mit Isabella Buchwald als Gleichstellungsbeauftragte ist eine engagierte Vertreterin des Rathauses gegeben.

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