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Zoo Wuppertal: Zoo weist Kritik an "Zwangstrennung" zurück

Zoo Wuppertal : Zoo weist Kritik an "Zwangstrennung" zurück

Mit einem kräftigen Bauchklatscher hat Anori ihr neues "Spielzimmer" im Wuppertaler Zoo eingeweiht: Am Mittwoch ist die kleine Eisbärin zusammen mit Mutter Vilma ins große Gehege umgezogen. Die Kritik der Tierrechtler von Endzoo, dass man die beiden vorzeitig trennen wolle und die Eisbären zu wenig Plätz hätten, weisen die Verantwortlichen zurück.

"Das war natürlich aufregend für Anori, die fast direkt ins Wasser gesprungen ist und alles toll angenommen hat", beschreibt Kurator Andre Stadler den großen Moment. "Jetzt kann sie auch die Seelöwen und Tapire sehen, außerdem die Besucher viel eher." Doch die Tierschützer von Endzoo um Frank Albrecht fürchten, dass die Idylle zerstört werden soll und üben harsche Kritik:

"Aktuellen Pressemeldungen zufolge plant Zoodirektor Schürer, das Eisbärbaby Anori nach nur 14 monatiger Mutter-Kind-Beziehung von ihrer Mutter Vilma gewaltsam zu trennen. Endzoo kritisiert diesen brutalen Zwangsakt auf das Schärfste und warnt vor späteren Folgen durch eine nicht abgeschlossene Sozialisierung." Als Negativ-Beispiel wird "Wilbär" aus dem Zoo Stuttgart genannt, der nach der Trennung von Mutter Corinna Verhaltensauffälligkeiten zeigte.

Stadler widerspricht: "Das hat der Zoodirektor so nicht gesagt. Nur, dass es möglich wäre, dass sich die beiden nach 14 bis 16 Monaten nicht mehr vertragen könnten. Dann müsste man sie trennen, denn die Eisbären können sich ernsthaft verletzten." In freier Wildbahn laufen die Jungtiere laut Stadler anderthalb bis zwei Jahre, laut Endzoo zwei bis zweieinhalb mit der Mutter mit - Wikipedia gibt anderhalb bis zweieinhalb Jahre an. Dann wird das Junge von der Mutter weggebissen - Kurator Stadler betont, dass man in Wuppertal keine frühzeitige Trennung plane: "Über den Zeitpunkt entscheiden die Tiere, niemand sonst."

Auch den Vorwurf von Albrecht, Vilma müsse für "weltweites Zuchtdesaster herhalten" und soll "zur Gebärmaschine degradiert" werden, lässt Stadler nicht gelten. "Im Mai und Juni wäre die Paarungszeit und bis dahin werden sich die beiden sicher noch vertragen. Deswegen gibt es auch die Faustregel, dass man frühstens nach drei Jahren wieder ein Eisbärbaby bekommen kann." Bis dahin ist auch Eisbär Lars aus Rostock zurück, wo er derzeit "Vienna" kennenlernt und möglichst weiteren Nachwuchs zeugen soll.

Durch den Umzug in "sein" größeres Gehege stehen Anori und Vilma nun laut Stadler mehr als 500 Quadratmeter zur Verfügung - verteilt auf das Mutter-Kind-Gehege mit rund 80 qm, die Ställe und die Außenanlage mit 440 qm. Besonders die Größe des Mutter-Kind-Geheges stößt den Endzoo-Aktivisten auf:

"Mehr als 50 Tage wurden Eisbärenmutter Vilma und ihr Baby Anori auf nur 53 qm Landfläche (Außengehege, plus 20 qm Wasserfläche) der Mutter-Kind-Anlage eingepfercht und damit tierschutzwidrig gehalten. Obwohl beiden nach Tierschutzgesetz (Mindestanforderungen Säugetiere) durchgängig 200 qm zustehen, schauten Kontrollbehörden, so die Meinung von Endzoo-International, tatenlos zu."

Stadler hält dagegen, dass sich ein Muttertier in freier Wildbahn in ein Schneeloch eingräbt und auch erstmal auf kleinem Raum lebt. Außerdem: "Wir werden kontrolliert und können gar nicht gegen Gesetze verstoßen. Im 'Säugetiergutachten' wird zudem explizit erwähnt, dass in einer Ausnahmesituation wie bei der Aufzucht auch weniger Platz ausreicht."

Mehr Platz könnte der Zoo nur im besagten großen Außengehege zur Verfügung stellen, da bargen jedoch die Treppen und das tiefe Becken zunächst noch Gefahren für kleine Eisbären wie Anori, die im März den Zuschauern vorgestellt wurde.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Anori und Vilma ziehen um

(irz/ila/rl)