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Wuppertal: Schwebebahn steht ein Jahr lang an Werktagen still

Technische Probleme : Wuppertaler Schwebebahn steht ein Jahr lang an Werktagen still

Wegen technischer Probleme wird die Wuppertaler Schwebebahn ein Jahr lang an Werktagen außer Betrieb genommen. Ab dem 12. August fährt die Bahn nur noch am Wochenende und an Feiertagen – als Touristenattraktion.

Es hatte sich angedeutet. Seit April war ein ungewöhnlicher Verschleiß an den Stahlreifen der Schwebebahnen aufgefallen, woraufhin elf von ihnen außer Betrieb genommen werden mussten. Weil die Bahnräder aber offenbar auch Schäden am Gerüst verursachten, wird Wuppertals Wahrzeichen nun voraussichtlich bis Sommer 2021 nur noch am Wochenende im Betrieb sein. „Diese Entscheidung war unausweichlich. Wir hätten ansonsten riskiert, dass die Schiene nachhaltig Schaden nimmt“, sagt Stadtwerke-Sprecher Elmar Thyen.

Am Wochenende und an Feiertagen soll die Schwebebahn zumindest als Touristenattraktion erhalten bleiben, macht sie die Stadt doch weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Werktags nutzen nach Angaben der Stadtwerke etwa 82.000 Menschen die berühmte Hochbahn, am Wochenende sind es tagtäglich rund die Hälfte.

Während des Corona-Lockdowns wären die Fahrzeuge im Betrieb unnatürlich laut gewesen, erklärt Thyen. Bei der Überprüfung der Räder sei dann eine „bisher nie dagewesene Verformung der Laufspur“ aufgefallen, die sich durch Einkerbungen, Abplatzungen und Materialanhäufungen geäußert und offenbar einen „eigenen Resonanzkörper“ erzeugt habe. Gutachter würden gerade die Ursache ermitteln, „aber wir vermuten, dass es ein Materialproblem gibt“, sagt Thyen. Dieses könne womöglich durch die zurückgegangene Auslastung und dadurch veränderte Fahrdynamik während des Lockdowns zutage gefördert worden sein.

An Werktagen werden nun für ein Jahr entlang der Strecke 25 Busse als Ersatzverkehr durchs Tal fahren. „Wir sind ja schon erfahren, was das betrifft“, sagt Thyen.

Seit Inbetriebnahme der neuesten Baureihe von Hängebahnen gibt es anhaltende Probleme. Die Bahnen waren vom Düsseldorfer Herstellers Kiepe Electric in Spanien gefertigt worden. WSW-Aufsichtsratschef Dietmar Bell kündigte Klage gegen Kiepe Electric wegen Schadensersatz und nicht erbrachter Leistungen an. Das wurde am Donnerstag in einer Dringlichkeitssitzung entschieden.

In der Vergangenheit seien die unzähligen Mängel immer wieder dem Hersteller zurückgemeldet worden, aber der käme nicht hinterher, sie zu beseitigen, sagt Thyen. „Quasi jede Woche schaffen wir es in unserer Werkstatt zehn Fahrzeuge zu warten, elf müssen aber repariert werden. Das heißt, wir haben einen wöchentlichen Ausfall von einem Fahrzeug.“ Rund 50.000 Wartungsstunden müssten die WSW jährlich aufbringen. Gewöhnlich kalkuliere man mit der Hälfte.

Aktuell seien nur noch 15 von 29 Bahnen einsatzbereit. Das reiche gerade noch so, um den aktuellen Betrieb über die Sommerferien aufrechtzuerhalten. Eigentlich kalkuliere man mit 21 funktionsfähigen Fahrzeugen. Statt eines Drei-Minuten-Taktes fährt die Schwebebahn deshalb bis zur Stilllegung Mitte August nur noch alle sechs Minuten, sagt WSW-Geschäftsführer Ulrich Jaeger: „Eine Aufrechterhaltung des Fahrplans ist nicht mehr möglich.“

Für 120 Millionen Euro wurden die Fahrzeuge vor vier Jahren angeschafft. Sie seien von Anfang an „durch die Bank mängelbehaftet“ gewesen, sagt Sprecher Thyen. Jaeger spricht von einer Mängelliste von 200 technische unterschiedlichen Einträgen. „Falsches Material bei den Drehgestellen, sich wellender Teppichboden, fehlerhafte Verklebung der Dachausbauten, falsch dokumentierte Kabelführung“, zählt Thyen auf.

Das alles ramponiert den Ruf der berühmten Schwebebahn, die Kaiser Wilhelm II. im Jahr 1900 eingeweiht hatte. Sie wurde nicht nur als Pionierleistung der Ingenieurkunst gefeiert, sondern galt auch seit jeher als vollkommen sicher. Diese Wahrnehmung ändert sich durch die sich häufenden Zwischenfälle zunehmend. Unter anderem fahren die Bahnen nicht mehr 60, sondern nur noch 40 Stundenkilometer. 2018 war zudem eine Stromschiene auf mehreren Hundert Metern Länge vom Trägergerüst abgestürzt.

Es handle sich aktuell um „eine dramatische Situation“, sagt Thyen. Man suche deshalb auch nicht ausschließlich die Schuld beim Hersteller, sondern schalte auch externe Berater ein, um die eigene Arbeit zu überprüfen. Der Vorsitzende der Stadtwerke, Markus Hilkenbach, gibt sich kämpferisch: „Die Schwebebahn ist für Wuppertal unverzichtbar. Unsere Aufgabe ist es, aus dem Mängelmodell wieder das Wahrzeichen der Stadt zu machen, auf das die Wuppertaler stolz sein können.“

(mit Material der dpa)