Wuppertal: Wuppertal als Drehort entdecken

Wuppertal : Wuppertal als Drehort entdecken

Wenn "King Ping", der Film um Treppenmorde und einen Pinguinpfleger aus dem Zoo als ungewöhnlichen Ermittler, voraussichtlich Ende Juni in die Kinos kommt, wird die Stadt Wuppertal sicher unter Beweis stellen, welche Qualitäten sie als Drehort besitzt. Zu selten drehen Filmproduktionen im Tal, dabei eignet es sich durch seine Topografie für interessante Ein- und Ausblicke. Gerade mal zwei Filme wurden hier vergangenes Jahr gedreht: "King Ping", ein Film der Wuppertaler Rex Film, und "Ein Sommer in Rom".

Für dieses Jahr stehen noch keine Produktionen fest. "Das kann sich aber noch kurzfristig ändern", sagt Lutz Ahr. Er ist bei der Bergischen Entwicklungsagentur zuständig für die Betreuung der Filmteams.

Wer auf die Seite www.locationnrw.de der Filmcommission NRW, angesiedelt bei der Filmstiftung, klickt, sieht interessante Wuppertaler Motive: ein Wohnviertel auf dem Rott, die prunkvolle Stadthalle oder die Elberfelder Nordstadt mit ihren verschnörkelten Altbauten. Hier sollen sich Regisseure Anregungen holen für unverbrauchte Motive. Die hat Wuppertal massig zu bieten. "Die Dynamik der Stadt mit ihrem Auf und Ab, die weite, die steilen Straßen, aber auch die vielen Baudenkmäler machen Wuppertal attraktiv", sagt Ahr. Nicht umsonst hat Tom Tykwer beim Dreh von "Der Krieger und die Kaiserin" seine Heimatstadt als "bergisches San Francisco" bezeichnet.

Der Film feierte seine Premiere 1999 im Cinemaxx an der Bundesallee. Doch solche Premieren finden dort nur selten statt, zuletzt 2010, als der ebenfalls zu Teilen in Wuppertal gedrehte Endzeitthriller "Die kommenden Tage" von Lars Kraume seine Uraufführung feierte.

Immerhin hat Wim Wenders Wuppertal mit "Pina" 2011 ein Denkmal gesetzt. Durch ihn fand die Stadt mit der hängenden Bahn weltweit Beachtung. Zu den Drehorten des oscar-nominierten 3D-Dokumentarfilms über das Wuppertaler Tanztheater und Pina Bausch führt eine Tour "Drehort Wuppertal", die Lutz Ahr mit Jürgen Holzhauer gemeinsam für Wuppertal Marketing durchführt. Sie ist in Ost und West geteilt, am 14. April stehen die Stadtteile von Langerfeld bis Elberfeld im Fokus eines Rundgangs (siehe Infokasten).

Die Tour "Drehort Wuppertal" beginnt in Langerfeld, wo man von einer Brücke an der Badischen Straße Einblick in drei Eisenbahntunnel hat. Dort wurde die TV-Komödie "Heiratsschwindlerin mit Liebeskummer" 2006 gedreht. Die bekennende Wuppertalerin Ann-Kathrin Kramer spielte darin die Titelfigur nach einem Drehbuch, das sie selbst für ihre Heimatstadt geschrieben hatte. "Der Film ist wie ein Werbefilm für Wuppertal. Sogar die Schwebebahn fährt durchs Bild", sagt Ahr.

Bei der Tour erzählt der Experte, welche Szenen wo entstanden, aber auch Allgemeines über Drehbedingungen, Voraussetzungen für Locationscouts und darüber, was eine Stadt für Regisseure interessant macht. Dazu gehört nämlich auch, dass die Einwohner Wuppertals laut Lutz Ahr Filmdrehs meist aufgeschlossen gegenüberstehen und nicht wie in Köln, wo Anwohner häufig schon genervt reagieren, wenn Filmteams mit ihren Sets und Cateringwagen die Straßen blockieren. Von Langerfeld geht die Reise der Tour über den Alten Markt, wo Teile von "Pina" entstanden, bis nach Elberfeld. Bei der abschließenden Einkehr zeigen Ahr und Holzhauer die entsprechenden Filmszenen, deren Locations man zuvor besucht hat.

Für die Stadt hat jeder Filmdreh positive Begleiterscheinungen, denn etwa 20 Prozent der Produktionskosten bleiben im Tal für Hotelübernachtungen und andere Dienstleistungen. "Natürlich wäre es wünschenswert, mehr Filmproduktionen begrüßen zu können", sagt Lutz Ahr. Er gibt die Hoffnung nicht auf, dass Tom Tykwer dort noch einmal dreht. "Bei Wenders hat es nach ,Alice in den Städten' auch 36 Jahre gedauert, bevor er wieder bei uns drehte."

(RP)
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