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Wuppertal: Werkzeuge aus Cronenberg

Wuppertal : Werkzeuge aus Cronenberg

Die Firma Knipex stellt nicht nur Zangen her. Sie besitzt auch ein kleines Privatmuseum mit alten Maschinen und Werkzeugen, die Einblicke geben in Arbeitsmethoden. Bei "24 Stunden live" öffnet das Museum für jedermann.

Nein, in diesem Museum läuft kein Tonband, um Arbeitsatmosphäre zu erzeugen. Das stumpfe und markerschütternde "Plomp" kommt direkt aus der Halle über dem Werkzeugmuseum. Während oben die neusten Zangen hergestellt und teils noch von Hand geschmiedet werden, kann man im Untergeschoss die Geschichte der Werkzeugindustrie dieser Region, ihre Arbeitsumstände und -methoden erleben. Hier stehen hunderte alter Maschinen und Werkzeuge, die alle funktionstüchtig sind und angefasst werden dürfen.

Weltmarktführer

"Nur die wenigsten Exponate haben mit Knipex zu tun", sagt Ralf Putsch, geschäftsführender Gesellschafter der Firma Knipex, die seit 130 Jahren Werkzeuge in Cronenberg herstellt. Sein Vater Karl Putsch hatte 1980 angefangen, alte Maschinen und Werkzeuge aufzuheben. Herausgekommen ist eine beachtliche Privatsammlung, die Einblicke gibt in die Werkzeugproduktion Ende des 19. Jahrhunderts.

Die alten Maschinen, Kolosse aus Stahl, Hämmern, Gewinden, Schrauben, Spulen und Rohren, besitzen eine ganz eigene Ästhetik. Sie offenbaren mit jedem Zahnrad ihre ganze Mechanik dem Auge des Betrachters — im Gegensatz zu heutigen Maschinen. "Die modernen Maschinen sind alle verkleidet. Vieles ist automatisiert", sagt Bernd Noll, ehemaliger Mitarbeiter, der heute Besucher durch das Museum führt. Diese Führungen finden allerdings nur für Gruppen und nach vorheriger Anmeldung statt.

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In der vierten Generation besitzt die Familie Putsch die Firma Knipex. Im Bereich Zangen für Profianwander, von denen 1000 verschiedene in Cronenberg hergestellt werden, ist Knipex Weltmarktführer. 850 Mitarbeiter arbeiten am Standort Wuppertal, 1350 sind es insgesamt mit den anderen Standorten in Thüringen, Hessen und Münsterland. In 100 Ländern werden die Werkzeuge vertrieben. Ralf Putsch ist stolz auf sein Erbe. Schon sein Vater habe sich der Branche und der Region sehr verbunden gefühlt, sagt Putsch. "Es ist wichtig zu wissen, wo man herkommt. Und es ist lehrreich und spannend, sich mit den Entwicklungen auseinander zu sehen."

Viele Industriebranchen seien schon aus Deutschland verschwunden, die Werkzeugindustrie hat sich gehalten — "und der Anteil dieser Industrie, eine der größten der Region, konnte noch gesteigert werden", weiß der Knipex-Chef. Während eine Kneifzange immer eine Kneifzange bleibe, entwickelt das Unternehmen auch neue Zangentypen, etwa für Glasfaser- oder Solartechnik. Im Museum sind dutzende Zangentypen ausgestellt: von der Geburtszange bis zur Zuckerzange, mit der man früher Kandis zerkleinerte. "Die Zange ist das Werkzeug mit der größten Formenvielfalt", erklärt Putsch. Das liegt daran, dass sie zwar immer auf dem gleichen Prinzip basieren, aber ganz unterschiedliche Aufgaben lösen: vom Schneiden über das Greifen bis zum Verformen.

Liebevolle Details

Neben der Sammlung an Zangen kann man hier auch die verschiedenste Maurerkellen, Schraubenschlüssel, Schleifsteinen, Sensen oder Holzbohrer bewundern. Daneben gibt es liebevolle Details, die Einblicke geben in damalige Arbeitsprozesse: Schreibtische mit alten Buchhaltungsbüchern, den ersten Computer der Firma oder einen alten Kleiderschrank. Diese enthält eine bergische Besonderheit: einen Schirmtrockner direkt in der Tür.

(RP)