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Wuppertal: Stadtgeschichte in Briefen aus der Emigration

Wuppertal : Stadtgeschichte in Briefen aus der Emigration

Das Buch berührt, es beeindruckt, macht nachdenklich und traurig. Gleichzeitig gibt es Hoffnung und tröstet. Die von Ulrike Schrader herausgegebenen "Antworten aus der Emigration" sind ein Meisterwerk, es vollbringt das Wunder, Geschichte so zu erzählen, dass sie wirkt. Schrader leitet die Begegnungsstätte Alte Synagoge an der Genügsamkeitstraße. Mit ihrem Team hat sie die vergangenen Monate unter anderem damit verbracht, die Briefe- und Dokumentensammlung des ehemaligen Lehrers und Ratsherren Ulrich Föhse zu sichten, zu lesen und zu sortieren. Ergebnis ist "Antworten aus der Emigration". Das Buch ist für 25 Euro in der Begegnungsstätte erhältlich. Wer es liest, macht Bekanntschaft mit Wuppertalern, denen ihr jüdischer Glaube im Deutschland der Nationalsozialisten zum Verhängnis geworden ist. Er lernt Menschen kennen, die sich ihrer Heimat anders erinnern, weil die zunächst meist unbeschwerte Kindheit und Jugend spätestens mit der Pogromnacht vom 9. November 1938 ein Ende fand. Der Leser bekommt ein Gespür dafür, was es bedeutet, seine Heimat verlassen zu müssen, mit nichts als einem Koffer und der Hoffnung auf ein Leben in Sicherheit.

Was aus diesen Menschen geworden ist, hat Ulrich Föhse wissen wollen. Deshalb gab er Anfang der 1980er Jahre Anzeigen in jüdischen Zeitungen in aller Welt auf. Er suchte Kontakt zu Emigranten und zu deren Nachkommen. Föhse nahm Briefkontakte auf. Letztlich hatte er 500 Adressen. "Etwa 100 wollten an die schlimme Zeit nicht mehr erinnert werden", sagte Schrader, als sie das Buch jetzt in der Stadthalle vorstellte. Dass unter den vielen Gästen im Offenbach-Saal auch viele Emigranten sowie Kinder und Eltern von Emigranten gewesen sind, zeigt, dass Föhse nicht nur auf Schweigen stieß. "400 haben geantwortet", sagte Schrader. Der Briefverkehr mit jenen und Fotos sowie Dokumente, die diese Leute zur Verfügung gestellt haben, sind die Basis des Buches. 30 von 700 Briefen wurden abgedruckt, dazu gibt es sechs Texte und historische Fotos.

Aus all dem haben Ulrike Schrader und ihr Team ein Buch gemacht, das Wuppertals, das Deutschlands dunkelste Geschichte anders erzählt - anrührend, aufrüttelnd, aber auch ermutigend, weil selbst die schlimmsten Verbrechen Verzeihen anscheinend nicht unmöglich machen.

(ll)