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Wuppertal: Reise durch die Wälder der Welt

Wuppertal : Reise durch die Wälder der Welt

Regelmäßig bietet das Waldpädagogische Zentrum im Burgholz Führungen durch das Arboretum an. Zu Schuljahresende folgte eine Lehrergruppe der Försterin Ute Nolden-Seemann und entdeckte viel Fremdes.

Wie geht das Zeichen für Ruhe? Auf eine gültige, politisch korrekte Fassung kann man sich an dem Morgen im Burgholz nicht einigen. So spricht Försterin Ute Nolden-Seemann einfach ganz leise — und schon verstummt die Lehrergruppe, die sich an diesem Morgen einer Führung durch das Arboretum angeschlossen hat. Denn wie sonst die Schüler nutzen auch diese etwa 30 Lehrer des St. Anna Gymnasiums jede kleine Pause für Schwätzchen und Scherze mit den Kollegen. Kein Wunder — die Ferien sind nah, alle sind entspannt, und die letzte Woche wird noch für angenehme Aktivitäten genutzt.

100 Baumarten auf 250 Hektar

Dazu gehört beim St. Anna Gymnasium eben auch der Ausflugstag für Lehrer, die Schüler haben dann frei. Diese Gruppe Lehrer hat sich für einen Biologie-Tag entschlossen — und stapft nun hinter der Försterin und Leiterin des Waldpädagogischen Zentrums Burgholz zwei Stunden durch den Wald. Immer wieder stoppt Nolden-Seemann an markanten Punkten, um den Lehrern Besonderheiten zu zeigen. Und wenn es klopft, ist das nicht ein Specht, sondern das Handy der vielbeschäftigten Oberforsträtin. Auf den 250 Hektar des Reviers sind etwa 100 Baumarten versammelt, davon viele "fremdländische" wie Sumpfzypressen oder Douglasien, wobei diese auch schon vor den Eiszeiten hier angesiedelt waren. In unseren Regionen gibt es zwischen 35 und 45 heimische Baumarten.

Einmal stoppt die Försterin und steigt auf eine schon etwas verfallene Bank. Daran sehe man, dass das Land NRW pleite sei, sagt Nolden-Seemann schmunzelnd. Dass die Bank vergammelt, liegt auch daran, dass im Staatswald keine chemischen Mittel verwendet werden. Neben der Bank wachsen Mammutbäume, die sich erst im zarten Alter von 45 bis 160 Jahre befinden und zu den ersten Arten zählen, die gepflanzt wurden. Da sie 1000 bis 2000 Jahre alt werden können, haben sie noch etwas Zeit, ihren dicken, mit weicher Rinde ausgestatteten Stamm auszubilden.

So abwechslungsreich das Arboretum auch ist, es dient nicht nur zur Erbauung der Bürger. Es wird forstwirtschaftlich genutzt, aber vor allem ist das Arboretum eine Ansammlung von Bäumen zu Studienzwecken — "also ein Versuchslabor", erklärt die Försterin. Gerade nach Stürmen wie Kyrill sei es wichtig zu testen, welche Bäume sich als Alternative zu den flach wurzelnden Fichten eignen und mit den nassen Bedingungen im Bergischen gut klarkommen.

Immer wieder vermittelt die Försterin den Lehrern sinnliche Eindrücke des Waldes, lässt sie die weichen, hellgrünen Nadeln des Urweltmammutbaumes streicheln, kratzt an der Rinde der Großen Küstentanne oder knickt Stängel des Amberbaums, um dessen Duft freizusetzen. Den Geruch des Kuchenbaums, dessen welkende Blätter nach Gebäck duften, kann man sich im Sommer nur vorstellen.

Vorbei an den Aukarien

Es geht vorbei an amerikanischer Linde, Tulpenbaum und Stinkesche zu den Araukarien, an denen sich die Geister scheiden: "Für manche erinnert der Baum an Vorgärten mit akkurat geschnittenem Rasen", sagt die Försterin über diese südamerikanische Tannenart. Auch die Lehrer diskutieren, ob dieser nadelige Baum nun schön ist oder nicht. Die daumengroßen Samen schmecken nach Maronen, weiß Nolden-Seemann zu berichten. "Ich will den Besuchern das Sehen lehren", sagt sie. Und sie motivieren, zurückzukommen. Denn natürlich führt dieser Rundgang nur durch einen Bruchteil des Waldes. Die Lehrer sind begeistert und versprechen, wiederzukommen. Schon allein, weil sich der Amberbaum, der Kuchenbaum und der Ahorn im Herbst so schön färben. Aber vielleicht bringen sie ihre Schüler mit, denn auch für sie bietet Nolden-Seemann Führungen an.

(RP)