Wuppertal: Nordbahntrasse als Forschungsobjekt

Wuppertal: Nordbahntrasse als Forschungsobjekt

Hat sich der Arbeitsweg für Wuppertaler durch die Trasse verändert? Dieser Frage ist der Student Tobias Jäger nachgegangen. Dazu führte er Zählungen durch und befragte Unternehmen entlang der Strecke.

Der Student Tobias Jäger geht in seiner Masterarbeit der Frage nach, ob sich der Arbeitsweg der Wuppertaler durch die Nordbahntrasse verändert hat. Die Nordbahntrasse ist nicht nur eine tolle Sache für Freizeitsportler: Jeden Morgen fahren viele Wuppertaler auf dem Fahrrad, mit Rucksäcken bepackt, über die Trasse zur Arbeit oder in die Schule. Nur einer steht vier Stunden lang auf der Stelle: Das ist Tobias Jäger, er hat ein Klemmbrett unter dem Arm und zählt genau diese Menschen.

Jäger studiert Raumplanung an der Technischen Universität Dortmund. Seinen Studiengang nennt er selbst lieber Stadtplanung: "Sonst denken die Menschen immer, ich richte ihnen Räume ein." Momentan schreibt Jäger seine Masterarbeit. Das Thema: "Infrastrukturqualitäten und ihr Einfluss auf das Mobilitätsverhalten. Das Beispiel des Fuß- und Radweges Nordbahntrasse in der Stadt Wuppertal." Oder einfach gesagt: Wie wirkt sich die Nordbahntrasse auf den Arbeitsweg der Wuppertaler aus?

Die Idee zu dieser Frage kam ihm, weil die Fertigstellung der Trasse und der Beginn seiner Masterarbeit zeitlich eng zusammenfielen. Jäger ist in Wuppertal geboren und aufgewachsen und hat das Projekt so von Anfang an mitbekommen. Als er für sein Studium nach Dortmund gezogen ist, hat er es im Internet verfolgt.

Um eine Antwort auf seine Frage zu finden, muss er für Studenten-Verhältnisse früh aufstehen. Er beginnt mit seinen Zählungen um sechs Uhr morgens.

"Zu dieser Zeit ist es sehr wahrscheinlich, dass die Leute auf dem Weg zur Arbeit sind. Die Freizeitsportler kommen später, gegen Nachmittag", erklärt Jäger. Die Menschen seien sehr interessiert daran, was er dort macht. Er werde häufig angesprochen: ",Gehe ich jetzt in die Statistik ein? Sie haben aber einen tollen Job.' Dann muss ich erklären, dass ich das nicht für Geld mache, sondern nur für meine Masterarbeit."

Zusätzlich hat er einen Fragebogen erstellt und an die Wuppertaler Unternehmen entlang der Trasse geschickt. Er fragt ab, wie die Mitarbeiter zur Arbeit kommen und wie das vor der Eröffnung der Trasse war. Tobias Jäger hat sich gewünscht, dass er um die 100 Fragebögen auswerten kann. Momentan sieht es so aus, dass er knapp 200 Antworten bekommt. "Das wurde gut angenommen. Um ehrlich zu sein, habe ich mir das erhofft. Denn die Menschen sprechen gerne über die Trasse. Auf dieses Projekt gibt es kaum negative Reaktionen."

Noch führt Jäger Zählungen durch. Es liegen noch nicht alle Fragebögen vor. Die große Auswertung steht also noch aus. Aber eine erste Einschätzung kann er bereits abgeben: "Die Trasse wird in den frühen Morgenstunden schon stark genutzt, am Rott habe ich beispielsweise zwischen sieben und acht Uhr 189 Nutzer zählen können."

Jäger hofft, dass seine Arbeit als Ansporn für andere Städte dienen kann, ähnliche Projekte umzusetzen. Allerdings sei die innerstädtische, alte Bahntrasse ein Alleinstellungsmerkmal von Wuppertal.

(RP)
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