Wuppertal: Musik für das Ende der Zeit erklingt in der Citykirche

Wuppertal: Musik für das Ende der Zeit erklingt in der Citykirche

Kunst entsteht auch in entsetzlicher Bedrängnis. Im Juni 1940, nach der Niederlage Frankreichs, warteten westlich von Nancy tausende von Soldaten unter freiem Himmel auf den Abtransport in die schlesischen Lager. In diesem erbärmlichen Gedränge brachte der Klarinettist Henri Akoka ein Solostück von Olivier Messiaen zu Uraufführung.

Ein Jahr später fügte es der französische Komponist im Stalag VIII A bei Görlitz als dritten Satz in das "Quatuor pour la fin du Temps" (Quartett für das Ende der Zeit) ein. Das achtsätzige Werk wurde am 15\. Januar 1941 vor 400 Kriegsgefangenen aus der Taufe gehoben und ist später zu einem Klassiker der modernen Musik geworden.

Morgen um 19 Uhr wird dieses bedeutende Opus des 1992 gestorbenen Komponisten in der evangelischen Citykirche, Kirchplatz 2, im Rahmen eines Benefizkonzerts zugunsten der Else-Lasker-Schüler-Gesellschaft zum Tag der Befreiung von Auschwitz gespielt. Die ungewöhnliche Besetzung des Quartetts mit Klarinette, Geige, Cello und Klavier ist aus der Not heraus geboren. Denn außer Messiaen als Pianist waren unter den 5000 Gefangenen noch drei exzellente Musiker: der Klarinettist Akoka, der Geiger Jean Le Boulaire und der Cellist Etienne Pasquier.

Dem Werk liegt ein detailliertes Programm zugrunde. Es ist inspiriert von der geheimen Offenbarung des Johannes. Dort fällt der Untergang der Welt zusammen mit dem Beginn der Ewigkeit. Es ist eine Erinnerung an den Engel, der mit zum Himmel erhobenen Händen das Ende jeglicher Zeit verkündet.

  • Wuppertal bei „Aktenzeichen XY“ : Polizei sucht mit Hilfe von TV-Sendung nach Vergewaltiger

Jedem der acht Sätze stellte Messiaen ein ausführliches Programm zur Seite. Es fängt an mit den Gesprächen der Vögel. Weiter geht es mit dem Regenbogen, der in sanften Akkordwellen des Klaviers schillert. Der Vogel, der als Soloklarinette über dem "Abgrund der Zeit" singt, ist ein Melancholiker. Für die "Ewigkeit Jesu" entwickeln Cello und Klavier Linien der Sehnsucht in unendlich zärtlicher Langsamkeit.

Ausführende sind am Samstag Hans-Joachim Büsching (Klarinette), Önder Baloglu (Geige), Graham Waterhouse (Cello) und Tatiana Sikorskaja (Klavier). Der Musikhistoriker Matthias Brzoska wird seine Forschungsergebnisse zu Messiaen und seinem Werk vorstellen. Zu Beginn erklingen zwei Sätze des Trios für Klarinette, Cello und Geige des jüdischen Komponisten Hans Gal.

(has)
Mehr von RP ONLINE