Wuppertal: Mit Schwert und Degen kämpfen wie im Film

Wuppertal: Mit Schwert und Degen kämpfen wie im Film

In Wuppertal gibt es eine Schule, die sich auf historische Kampfkünste spezialisiert hat. Geübt wird allerdings mit stumpfen Waffen.

Stoß, Parade, Stoß, Parade und noch einmal Stoß und Parade — wer kennt diesen Ablauf bei Schwertkämpfen nicht vom Mittelaltermarkt oder aus Mantel-und-Degen-Filmen? Doch was ist historisch an dieser ansehnlichen Choreografie? Stefan Dieke, der über sein Geschichtsstudium schon immer Spaß an der historischen Recherche hatte, hat die heutige Vorstellung über europäischen Schwertkampf überprüft und gelangte zu einem deutlichen Urteil: "Fast alles daran ist falsch", erklärt Dieke. Angestachelt durch diese Erkenntnis brachte er sich 18 Jahre lang über historische Quellen selbst Schwertkampftechniken bei, die eine Rekonstruktion geschichtlich belegter Techniken darstellen. Seit 2006 betreibt Dieke in Wuppertal eine Schwertkampfschule, in der er sein Wissen an derzeit 35 Schüler weitergibt.

Das lange Schwert trägt seinen Namen nicht zu Unrecht. Eine stolze Länge von einem Meter weist die Klinge auf. Für den Griff kommen noch einmal 30 Zentimeter hinzu. Die über 1,5 Kilogramm schwere Waffe, für die es Belege gibt, die bis ins 15. Jahrhundert zurückreichen, wird zweihändig geführt. Das macht die Handhabung aber keinesfalls einfacher. "Es gehört viel Koordination dazu", sagt Dieke und stellt am Anfang gerne eine einfache Aufgabe: Man soll ein X mit der Waffe in die Luft malen. "Fast keiner — egal ob talentiert oder nicht — kann das auf Anhieb", berichtet der Trainer aus seiner langjährigen Erfahrung.

Für seine Schüler stehen zu Beginn also vor allem Trockenübungen auf dem Plan, wie es auch in vielen anderen Sportarten üblich ist. Erst später, wenn sie etwas Gefühl für das Schwert haben, geht es an die klassischen Duelle.

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Dabei kommen spezielle Übungswaffen zum Einsatz, die weder scharf noch spitz sind und sich durch Elastizität auszeichnen, so dass bei einem Treffer immerhin ein großer Teil der Schlag-Energie verpufft. Außerdem tragen die Kontrahenten dicke, nicht zu durchstoßende Schutzpolster und Fechtmasken. Dank dieser Vorsichtsmaßnahmen gab es noch keine Verletzungen. Dennoch bleibt das Gefühl zurück, etwas "latent Gefährliches zu machen", wie es Dieke beschreibt. Das sei auch der Hauptreiz beim Schwertkampf.

Doch wie sieht denn nun ein historisch korrekt nachempfundener Kampf aus? "Ein perfekter Kampf ist für mich ein einzelner Schlag, der die Niederlage bedeutet", meint Dieke und spricht in Bezug auf die historischen Schwertkämpfer von einer "Kriegerelite". Damit man aber überhaupt in der Lage ist, seinen Gegner derartig zu treffen, gehört auch die richtige Beinarbeit zum Bewegungsapparat dazu. "Man muss den ganzen Raum nutzen, um sich einen Vorteil zu verschaffen", erklärt der Trainer.

Da der Schwertkampf von viel Bewegung lebt, sollten Neulinge für ein Anfängerseminar bequeme Sportkleidung mit geeigneten Hallenturnschuhen sowie ausreichend Getränke mitbringen.

(hathi)
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