Wuppertal: Mit dem Mörder auf Tuchfühlung

Wuppertal : Mit dem Mörder auf Tuchfühlung

Mucksmäuschenstill ist es im TiC, obwohl der Zuschauerraum restlos besetzt ist. Die Spannung, die in der Luft liegt, ist fast greifbar und das Publikum zuckt bei gefallenen Schüssen schön zusammen. Ganz klar, ein Krimi steht auf dem Spielplan – gemäß der Tradition, mit der die Theaterleitung ein neues Spieljahr einzuläuten pflegt.

Mucksmäuschenstill ist es im TiC, obwohl der Zuschauerraum restlos besetzt ist. Die Spannung, die in der Luft liegt, ist fast greifbar und das Publikum zuckt bei gefallenen Schüssen schön zusammen. Ganz klar, ein Krimi steht auf dem Spielplan — gemäß der Tradition, mit der die Theaterleitung ein neues Spieljahr einzuläuten pflegt.

Die Wahl fiel auf "Das indische Tuch" in einer Bearbeitung von Frank Thannhäuser nach dem berühmten Edgar Wallace-Film, den Fans in der Besetzung mit Elisabeth Flickenschildt, Heinz Drache und Klaus Kinski sicher noch gut vor Augen haben. Aber gefallene Schüsse? Höchst verdächtig und auch selten, kommt der Mörder in diesem Stück auf leisen Sohlen und mordet lautlos, indem er seine Opfer mit einem Tuch erdrosselt. Die Geschichte spielt auf einem Schloss, wo die Familie Lebanon, Nachkommen eines guten englischen Adelsgeschlechts, residiert. Nach dem plötzlichen Tod des Vaters sind von den alten Lebanons nur noch der junge Lord Willie (Andreas Wirth) und seine Mutter Lady Jane Lebanon (Erika Klein-Ejupi) übrig. Es ist was im Busche — nicht nur die Sekretärin (Dilara Baskinci) fühlt sich unwohl. Der amerikanische Diener (Klaus Hasbach) und der Arzt Dr. Amersham (Torsten Kress), ein Freund der Familie, scheinen nicht mit offenen Karten zu spielen.

Plötzlich liegt der Chauffeur (Dennis Gottschalk) erdrosselt auf dem Boden — ein Fall für Inspektor Tanner (Carsten Müller), der sich in die Ermittlungen stürzt. Und er recherchiert gründlich, befragt den Parkwächter (Dennis Gottschalk) und dessen Frau (Isabel Bartnik), die ihm deutliche Avancen macht. Bis in die Nebenrollen sind alle treffend besetzt. Das mit viel Liebe zum Detail entworfene Bühnenbild von Iljas Enkaschew und die realistischen Kostüme (Kerstin Faber) und Maske (Heike Kehrwisch) entführen die Zuschauer in die Zeit des alten englischen Landadels.

Wer einen Krimi auf die Bühne bringt, muss darauf achten, dass der Mörder möglichst lange geheim bleibt. Sonst geht es ihm noch wie dem Autor selbst: Wallace wäre bei einem Krimi durch tollkühne Wetten mit den Lesern, dass sie den Mörder nicht herausfinden, fast in den privaten Ruin gestürzt. Regisseur Ralf Budde gelingt es, die Zuschauer mit seiner dynamischen Inszenierung in Atem zu halten. Hinterher ist man immer schlauer, würde das aber nie zugeben und bemüht sich, seinem Sitznachbarn gegenüber zu beteuern: "Aber das hab ich mir ja schon gedacht, dass ... der Mörder ist."

So, 3. März, um 15.30 h, Karten unter Tel. 0202 472211, unter www.tic-theater.de

(cat)