Wuppertal: Melancholische Geschichten aus einer fremden Welt

Wuppertal : Melancholische Geschichten aus einer fremden Welt

Melancholisch und düster sind die Geschichten, die Arber Shabanaj erzählt. Zugleich entwickeln sie einen Sog, der einen hineinzieht in eine fremde Welt, die gar nicht so weit entfernt ist. Shabanaj (Archivfoto: Stefan Fries) ist Kosovo-Albaner - Angehöriger einer Minderheit in der Region. 1991 ist er nach Deutschland geflohen. Viele Jahre geduldeter Asylbewerber, wurden seine Abschlüsse als Jurist und Biologe nicht anerkannt. Er habe auf dem Schlachthof, als Lagerist, als Gabelstapelfahrer, als Anstreicher, als Masseur und in einer Kuchenfabrik gearbeitet. Mittlerweile hat der 46-Jährige ein Kleingewerbe angemeldet, um sich, seine Frau und die beiden Kinder zu ernähren. Er schreibt, weil er seine Erlebnisse nicht vergessen kann und weil die Kosovo-Albaner nicht vergessen werden sollen. Und er schreibt auf Deutsch. "Ich habe nie einen Kurs besucht", sagt Arber Shabanaj, "sondern mir die Sprache selbst beigebracht, indem ich Zeitungen und die Klassiker gelesen und mit gebildeten Leuten gesprochen habe. Ich erlaube mir, in diesem Punkt zu sagen, dass ich stolz auf mich bin."

Die Sprache ist etwas gravitätisch und leicht altmodisch. Sie passt gut zu der melancholischen Grundstimmung und einem Plot, der vieles nur andeutet. Zwischen Korruption und Plünderung, Unterdrückung und Verbitterung, abgestumpften Ehepaaren und unerfüllter Liebe kommt der Leser einem Lebensgefühl näher, das die Protagonisten auch nicht verlässt, wenn sie nach Deutschland kommen. Shabanaj beschreibt eindringlich, wie hart und entbehrungsreich die neue Heimat erkämpft werden muss.

Arber Shabanaj: Haus - wo sind deine Spiegel. 8 Erzählungen, 170 Seiten, BS Verlag, Rostock, Preis 12,50 Euro.

(ang)
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