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Wuppertal: Ludwig Erhard legte die Zigarre niemals ab

Wuppertal : Ludwig Erhard legte die Zigarre niemals ab

Bei seinem Besuch der Stadt blickte der Altkanzler 1969 auf seine Erfolge zurück und rauchte ohne Pause.

Als Fotograf Kurt Keil 1969 den Auftrag bekam, Altkanzler Ludwig Erhard in Wuppertal zu fotografieren, war ihm eine Sache besonders wichtig: "Ich wollte Ehrhard unbedingt mit einer Zigarre in der Hand fotografieren", berichtet Keil. Auf der Fahrt zur Concordia, wo Erhard sich im Beisein der lokalen CDU-Prominenz mit der Presse auseinandersetzte, wuchs die Aufregung in dem Wuppertaler Fotografen. Er wollte unbedingt den Schnappschuss mit der Zigarre haben. Vor Ort stellte sich heraus: Schwer war das nicht. "Erhard hat die Zigarre den ganzen Termin über gar nicht aus der Hand gelegt. Vielleicht einmal, als er sich ins Goldene Buch der Stadt eingetragen hat", erinnert sich Kurt Keil.

Bevor der zweite Kanzler der Bundesrepublik das Bayer-Forschungszentrum besichtigte und vor der Gesellschaft für Wirtschaftspolitik und dem Verband junger Unternehmer über "aktuelle Fragen der sozialen Marktwirtschaft" sprach, führte er eine "lebhafte Debatte" mit der Presse, wie der Generalanzeiger damals berichtete.

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Entschieden wies Erhard etwa die Meinung zurück, dass die Bundesrepublik 1966, vor der Bildung der großen Koalition in Bonn, vor einer Pleite gestanden habe. Erhard wollte sich das als Vater des deutschen Wirtschaftswunders nicht sagen lassen und erinnerte, dass die Produktion im Land von 1965 auf 1966 um neun Prozent gestiegen sei. Damals habe es keine "Rezession", sondern eine "dosierte Zurückdämmung" gegeben, sagte Erhard den Pressevertretern. In aller Bescheidenheit bemerkte er: "Gute Wirtschaftspolitik hat nicht erst mit der großen Koalition begonnen." Auch erinnerte er, dass es während seiner Zeit als Kanzler und vorher als Wirtschaftsminister eine fünfprozentige Aufwertung der D-Mark gab.

Bürgermeister Heinz Frowein (CDU) schwenkte dann die Diskussion auf ein lokales Thema. So bemerkte er, dass die Förderung des Ruhrgebiets durch Bund und Land Industrie-Zweige aus Wuppertal abziehen würden. Ludwig Erhard zeigte sich mit dem Bergischen Land solidarisch und erklärte, dass "dirigentische Maßnahmen zugunsten eines Wirtschaftsgebietes stets unerwünschte Wettbewerbsverzerrungen zur Folge haben".

Während der Alt-Kanzler seine Einschätzungen abgab, zündete er sich immer wieder neue Zigarren an und griff regelmäßig zum Wasser-(?)-Glas.

Der Generalanzeiger folgerte unter einer kleinen Bilderserie von Kurt Keil: "Diese Schnappschüsse zeigen, wie wohl sich Prof. Ludwig Erhard fühlte." Zumindest gibt es keine Zeitdokumente, die darauf hindeuten, dass das Gegenteil der Fall war.

Ludwig Erhard war von 1963 bis 1966 Bundeskanzler von Deutschland und damit der Nachfolger von Konrad Adenauer. Vorher war er von 1949 bis 1963 Bundeswirtschaftsminister. Er gilt als Vater der Sozialen Marktwirtschaft. Erhard war lange Zeit parteilos. Nach aktuellem Stand der Forschung sogar noch zur Zeit seiner Kanzlerschaft. Demnach soll Erhard erst 1966 in die CDU eingetreten sein, um Vorsitzender werden zu können. Erhard blieb nach seiner Zeit als Kanzler noch elf Jahre Bundestagsabgeordneter. Er starb am 5. Mai 1977 an Herzversagen.

(RP)