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Wuppertal: Jugendfarm als zweites Zuhause

Wuppertal : Jugendfarm als zweites Zuhause

Viele Kinder kommen jeden Tag auf die Farm in der Rutenbeck in Sonnborn. Dort können sie sich um Tiere kümmern, auch reiten, angeleitet von Pädagogen. Nächsten Samstag wird dort Herbstfest mit buntem Programm gefeiert.

Alles ist sehr bunt in der Jugendfarm, nicht nur der Zaun zum Schweinestall, den die Kinder selbst gestaltet haben. Auch das Angebot: Hier wird geritten und gebaut, gestriegelt und gefüttert, gemalt, getöpfert und Theater gespielt. Im Mittelpunkt steht aber die Verantwortung für die Tiere, die die Kinder hier übernehmen lernen — und das seit 40 Jahren. Nachdem das Sommerfest schon mehr oder weniger ins Wasser gefallen ist, hofft der Verein nun, dass das Herbstfest kommenden Samstag bestmögliches Wetter bekommt.

Offene Jugendarbeit

Vor 40 Jahren formten sich in Deutschland die Ideen der Jugendfarmen. "Die Lebenswelt der Kinder wurde immer enger, auch durch die zunehmenden Autos, die den Kindern den Platz zum Spielen nahmen", erklärt Andrea Hedemann. Sie ist die Vorsitzende des Vereins, kümmert sich ehrenamtlich um die Jugendfarm, die durch Unterstützung der Stadt, Spenden und Mitgliedsbeiträge überlebt. Mit ihren beiden Kindern Anouk und Jelka kommt sie regelmäßig auf den ehemaligen Bauerhof in der Rutenbeck, auch weil sie selbst auf einer Farm groß geworden ist und den Umgang mit Tieren schätzt.

In der offenen Arbeit der Jugendfarm machen die Kinder alle Arbeiten mit, die anfallen, aber auch alles Vergnügen: Sie misten die Ställe aus, sie machen Heu, dürfen dafür auch reiten auf einem der sechs Ponys. Insgesamt kann die Jugendfarm ein Dutzend verschiedene Tierarten vorweisen: Vom kleinsten Meerschweinchen über Hühner und Hunde bis zum Fjordpferd ist alles dabei. "Wir wollen Kindern die Verantwortung für ein Tier in Abhängigkeit vermitteln", erklärt Hedemann, die selbst Pädagogin ist. Das hieße aber auch, dass die Kinder bei allem mitbestimmen, auch, wann ein Tier zu krank ist und eingeschläfert werden muss. Hedemann: "Das gehört dazu."

Auch bei der Freizeitgestaltung auf der Jugendfarm dürfen die Kinder ab sieben Jahren mitbestimmen. "Wir versuchen die Anregungen aufzunehmen", erklärt die Vorsitzende. Jeden Tag gibt es eine Versammlung, in der besprochen wird, was heute notwendig und gewollt ist. Die Kinder sollten bewusst und aktiv ihre Freizeit gestalten. "Das können viele gar nicht mehr, weil sie es gewöhnt sind, dass es immer ein Programm für sie gibt." Venice Vesper (7) hat selbst Tiere zu Hause, kommt aber trotzdem gern — vor allem wegen der Hängebauchschweine Sunny und Fred, die sie gerne füttert und streichelt. Die 19-jährige Nicole Kröner ist bereits seit neun Jahren fast jeden Tag hier — "bestimmt auch noch, wenn ich 40 bin", sagt sie. Für sie wie für etwa 30 andere Kinder ist die Jugendfarm wie ein zweites Zuhause. Fünf Pädagogen arbeiten auf der Jugendfarm (in Teilzeit), dazu noch einige Ein-Euro-Jobber.

Programm in den Herbstferien

An drei Tagen in der Woche ist die Jugendfarm in Sonnborn offen für alle, an anderen Tagen kommen Schul- oder Kindergartengruppen, Eltern-und-Kind-Gruppen ab drei Jahren oder Kinder von "Behindert na und". Eine integrative Ferienfreizeit führte alle zusammen im Sommer an die Bever. Und das Programm in den Herbstferien bietet etwas für jeden Geschmack: Schließlich haben die Kinder es entworfen.

www.jugendfarm-wuppertal.de

(RP)