Wuppertal: Jazzmeeting geht zum Jubiläum neue Wege

Wuppertal: Jazzmeeting geht zum Jubiläum neue Wege

Schon zum 10. Mal findet am 26. Oktober, 20 Uhr, das Jazzmeeting der Jazz AGe im Café Ada an der Wiesenstraße statt, das sich zu einem Szenetreff und Schauplatz der aktuellen musikalischen Jazztrends im Wuppertaler Musikherbst etabliert hat. Auch in diesem Jahr werden acht Bands und Projekte jeweils im Wechsel auf den beiden Ada-Bühnen präsentiert.

Zehn Jahre Jazzmeeting in Wuppertal — was haben Sie richtig gemacht?

Widmann Scheinbar haben wir den Nerv der Zeit getroffen. Gerade in den vergangenen Jahren hat sich gezeigt, dass Livemusik wieder mehr angesagt ist und auch im Jazz mehr Relevanz hat. Was ich auch als wichtigen Baustein sehe, ist, dass wir von Anfang an junge Bands im Programm hatten, so dass wir ein breites Angebot des Jazz in Wuppertal und Umgebung anbieten.

Wie hat sich das in den zehn Jahren entwickelt?

Widmann Meiner Ansicht nach sehr gut. Sonst hätten wir sicher schon aufgegeben. Wir sind gleich im ersten Jahr fulminant gestartet, das zweite Jahr ist etwas stagniert, aber seitdem gehen die Besucherzahlen aufwärts. Dass wir es zehn Jahre geschafft haben, nur mit regionalen Bands ein interessantes Programm zu gestalten, konnten wir uns am Anfang gar nicht vorstellen.

Sie laden nur lokale Bands ein?

Widmann Die federführenden Bands kommen immer aus der Region. Wir hatten aber auch schon Leute aus New York dabei, wenn ein Musiker aus der Region mit ihnen ein gemeinsames Projekt gestaltet hat und sie als Gast eingeladen hatte. Aber nicht als Aushängeschild, sondern als Teil der regionalen Bands.

War die Zahl der Bands mit acht immer gleich?

Widmann Wir hatten immer viele Bewerbungen und ein volles Programm mit sieben oder acht Bands. Wir wollen diesmal möglichst Überschneidungen vermeiden. Zwischen den Bands, die abwechselnd oben und unten im Café Ada spielen, gibt es eine Umbaupause, dann kann man den Raum wechseln. Die Bands überlappen sich nicht mehr, man kann alle sehen.

Unterstützt die Stadt Jazz AGe?

  • Aufruhr in Wuppertal : Betriebsrat demonstriert gegen Bayers Kahlschlag

Widmann Unterstützung gab es von Anfang an durch das städtische Kulturbüro, finanziell und logistisch. Seit ein paar Jahren gibt es außerdem ein Förderprogramm vom Landesmusikrat für junge Bands, bei dem Auftritte gefördert werden, wo Laienmusiker mit Profis gemeinsam spielen. Das war bei uns von Anfang an der Fall. Dieses Jahr ist es der maßgebliche Unterstützer der Jazztage. Wir bekommen 10 000 Euro und bestreiten damit den Großteil der Gagen. Insgesamt kostet das Festival 18 000 Euro.

Würden Sie sagen, dass Wuppertal eine Musikstadt ist?

Widmann Ja, unbedingt. Auch eine Jazzstadt. Wir haben internationale renommierte Musiker, wie den schon verstorbenen Peter Kowald, Hans Reichel sowie der weltweit bekannte und renommierte Wuppertaler Jazzmusiker Peter Brötzmann, der diesmal beim Jazzmeeting dabei ist. Zum ersten Mal konnten wir eine Auftragskomposition vergeben an Carolin Pook aus New York. Sie komponiert ein Stück für Peter Brötzmann, den Pionier des deutschen Freejazz. Er wird mit acht Percussionisten gemeinsam auftreten. Wir sind sehr froh, dass wir ihn gewinnen konnten, einmal etwas ganz anderes zu machen, nämlich mit klassisch ausgebildeten Profipercussionisten und auch gleichzeitig mit Nachwuchsmusikern der Bergischen Musikschule zu spielen. Die Leitung liegt bei Prof. Dickel. Das wird ein Highlight!

Wird es nächstes Jahr auch wieder eine Auftragskomposition geben?

Widmann Wenn es finanziell machbar ist, natürlich. Die Auftragsarbeit muss sich bewähren. Ich fände es toll, aber wir müssen auch sehen, dass wir sie finanziert bekommen. Sonst bekommen alle Bands die gleiche Gage, aber dafür müssen wir natürlich etwas mehr bezahlen. Wir als Organisatoren arbeiten alle ehrenamtlich.

Woher stammt Ihre Leidenschaft für Jazz?

Widmann Mich interessiert Musik schon seit der Kindheit, obwohl ich Verkehrsplaner geworden bin. Als ich nach Wuppertal kam, lernte ich die Szene hier kennen und machte an der Börse jahrelang das Jazzprogramm. Irgendwann habe dann den Verein Jazz AGe gegründet, der das Jazzfestival maßgeblich mitveranstaltet.

Marion Meyer führte das Interview.

(RP)
Mehr von RP ONLINE